Rosenheim – Friede Springer hatte Mathias Döpfner, bei Angela Merkel war es Helmut Kohl, für Lena Meyer-Landrut gab es Stefan Raab: Bekannte Beispiele, in denen einflussreiche Männer Frauen förderten und so mitbeteiligt waren an ihrem Erfolg.
Welch große Rolle es auf dem Karriereweg einer Frau spielt, von einer anderen Frau gefördert zu werden, zeigt – passend zum heutigen Weltfrauentag – unter anderem eine norwegische Studie. Demnach dienen weibliche Führungskräfte den Frauen im Unternehmen als Vorbild, und die Beförderungsquote von weiblichen Fachkräften steigt in diesem Kontext. Ein bayernweites Hochschul-Mentoring-Programm setzt noch lange vor dem Zeitpunkt an, an dem sich berufstätige Frauen mit Karrierechancen befassen. Es bringt Studentinnen mit Mentorinnen aus der Wirtschaft zusammen.
Frauen aus der Wirtschaft gesucht
Auch an der Technischen Hochschule Rosenheim ist das Mentoring-Programm fest verankert. Initiiert hat es Professorin Dr. Brigitte Kölzer, die auch Frauenbeauftragte der TH ist. Vor allem an Studentinnen in sogenannten MINT-Fächern gerichtet, steht das Mentoring-Angebot seit Neuestem auch anderen Fachrichtungen offen. Zum Wintersemester 2018/19 ging eine mit 14 Frauen-Tandems besonders gut besetzte Mentoring-Runde zu Ende, Anfang April startet zum Sommersemester 2019 eine neue. Schon jetzt, so Kölzer, sollten sich interessierte Frauen aus der Wirtschaft als mögliche Mentorin bei der TH melden und Studentinnen sich rasch als Mentee eintragen.
Die Tandems aus Fachfrau und Studentin kämen dann bei der Auftaktveranstaltung am 9. April zustande: Die Mentorinnen stellten sich und ihre Tätigkeit vor und werden von „ihrer“ Studentin ausgewählt.
„Das jüngste Mentoring ist super gelaufen“, berichtet Kölzer begeistert. Während sich Mentees und Mentorinnen zu selbst gewählten Terminen treffen, findet parallel zum Mentoring ein Programm aus Veranstaltungen, Workshops und gemeinsamen Treffen statt. Kölzers Fazit: Von der persönlichen Verbindung, die sich durch die frei gestaltbaren Treffen zwischen den Frauen aufbaut, profitierten beide Seiten. Vor allem nütze es freilich den Studentinnen im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft.
Sie seien im Rahmen des Profi-Mentorings ab dem vierten Semester in den Genuss des Zusatzmoduls „Women in Leadership“ (Frauen in Führung) gekommen, das neben Vorträgen hochkarätiger Referentinnen auch Know-how in Seminaren vermittelt. Etwa Präsentationstraining, Rhetorik, Konfliktmanagement und Verhandlungsgeschick.
Die erfahrenen Mentorinnen hätten zum Beispiel gern die Gelegenheit zum Netzwerken genutzt und schätzten die Kontakte, die sich oft auch nach dem Ende des auf zehn Monate begrenzten Mentorings hielten. Kontakte und Netzwerken: Zahlreiche Studien bestätigen, dass heute ohne beides in der Wirtschaft nichts mehr geht. Gerade Frauen gelten als stark darin, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen.
So hat es auch Mentorin Heike Abouchikhi gemacht, die nach einigen privaten und beruflichen Umbrüchen in ihrem Leben von Rosenheim, wo sie Innenarchitektur studiert hatte, nach München zog.
Dort ist sie heute Geschäftsführerin der Green Office GmbH. Im abgeschlossenen Semester hat Abouchikhi Holztechnik-Studentin Laura Stark begleitet. Die 21-jährige Rosenheimerin, die zum Mentoring im 7. Semester war, berichtet, sie habe mit ihrer Mentorin professionelle Profile auf Xing- und Linked-In erstellt, eine Werkstudentenstelle gefunden und eine für ihre Bachelorarbeit. Dank Abouchikhi sei sie am ersten Tag als Werkstudentin nicht wie sonst schüchtern herumgestanden, sondern habe sich getraut, offen auf die fremden Kollegen zuzugehen. In einem der begleitenden Seminare habe sie viel über den eigenen Charakter erfahren und daraus Schlüsse für später ziehen können.
Selbstbewusster und zielsicherer geworden
„Der Dialog mit meiner Mentorin hat mir die entscheidenden Impulse gegeben, mich besser mit mir auseinanderzusetzen“, ist sich Studentin Barabara Huber aus Baiern sicher. Die angehende Wirtschaftsingenieurin hatte sich als Partnerin die viel gereiste Beraterin Karen Schlaegel ausgesucht: Dass diese lange in London gearbeitet hat, habe sie interessiert. Schlaegel selbst konnte die dort gemachten Erfahrungen aus einer Führungsposition weitergeben: „Frauen sind sich oft ihrer Stärken und Fähigkeiten nicht bewusst, der Fokus liegt häufig auf Fehlern.“ Sie möchte Frauen wie ihre Mentee ermutigen, sich selbstbewusst zu präsentieren, eigene Positionen klar zu kommunizieren und „bei Gegenwind nicht gleich aufzugeben“.