„Smarte“ Elektroniker: Basiswissen zählt

von Redaktion

Smart-Home-Technologien begeistern immer mehr Menschen. Der Trend verändert auch die Elektrobranche und die Ausbildung für angehende Energie- und Gebäudetechniker.

Buchbach/Bad Feilnbach – Eine Haustür öffnet sich per App, und das Licht schaltet sich automatisch ein, sobald jemand das Haus betritt. Jalousien passen sich automatisch dem Tageslichteinfall an. Die Heizung regelt sich selbst, je nach Außentemperatur. Sprachassistenten kennen die Lieblingssongs der einzelnen Hausbewohner. Beispiele für Smart- Home-Technologien, die in privaten Haushalten und in Geschäftsräumen inzwischen weit verbreitet sind.

Technologie verändert Inhalte der Lehre

Technologien, die unser Leben und unsere Arbeitswelt verändern –und auch den Beruf der Fachleute, die dafür sorgen, dass smarte Technik reibungslos ihren Dienst erfüllt. Ein Beispiel dafür ist die Ausbildung in der Elektronik- und Informationstechnik, die sich der neuen Entwicklung anpasst.

Ein neues Berufsbild sei der Elektroniker der Energie- und Gebäudetechnik mit einer dreieinhalbjährigen Grundausbildung zum Elektriker, schildert Martin Kaffl, Obermeister der Rosenheimer Innung für Elektro- und Informationstechnik. Er führt selbst einen alteingesessenen Betrieb für Elektro- und Gebäudetechnik in Bad Feilnbach.

So berücksichtige der Lehrplan der Berufsschule bereits die neue KNX-Technologie – KNX steht für das Wort „Konnex“ und gilt als weltweit anerkannter Standard für die intelligente Vernetzung von elektronischen Systemen im Gebäude. Es enthält zum Beispiel auch eine Schnittstelle für Sprachassistentin „Alexa“. Zusätzliche Kurse der Innung und der Handwerkskammer vermittelten außerdem Wissen zu verschiedenen Anwendungen, so Kaffl weiter. Auch Hersteller, die neue Produkte auf den Markt bringen, böten oft Kurse an. „Diese werden mit Prüfzertifikat abgeschlossen, damit der Kenntnisstand nachgewiesen ist.“ Da in der Branche gerade sehr viel in Bewegung sei, gebe es auch keinen Ausbildungsweg nach Schema F, es sei immer noch ein Spezialthema – eines, bei dem man ständig am Puls der Zeit sein und laufend dazulernen müsse. Kaffl empfiehlt daher: „Wer nach vorne kommen will, spezialisiert sich am besten direkt darauf.“ Wer aber glaube, die Azubis würden in ihrer Ausbildung nun alle nur mit einem Tablet in der Hand herumlaufen, der irrt, sagt Jürgen Brunner, Ausbildungsleiter bei Bauer Elektroanlagen in Buchbach.

Von den insgesamt 200 jungen Leuten, die an den verschiedenen Niederlassungen von Bauer ausgebildet werden, sind rund 160 angehende Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. „Der Schwerpunkt ihrer Ausbildung liegt auf dem Basiswissen, das ein Elektroniker auch in Zeiten des technologischen Wandels beherrschen muss.“ Dazu gehöre auch ganz klassisch: Kabel und Leitungen verlegen. „Das Know-how, wie man beispielsweise intelligente Systeme steuert und Programme bedient, kommt dann on top.“

In der Lehre zählt

das Basiswissen

Insgesamt, sind sich Innungsobermeister Kaffl und Ausbilder Brunner einig, habe der Beruf sehr gute Perspektiven – gerade für junge Frauen. Vier angehende Elektronikerinnen bildet Bauer gerade aus. Als Ausbildungsbetrieb mit der Zeit zu gehen, sei gerade in diesem Metier nicht ganz einfach, führt Brunner weiter aus: „Wir müssen für die Lehrdauer von dreieinhalb Jahren einen guten Mix aus Grundlagen und neuem Wissen finden.“

Gehe es um neue Technologien, könne man nicht auf das gesamte, riesige Spektrum eingehen, sondern fokussiere sich auf das, was für die eigenen Kunden wichtig sei. Bei Bauer zum Beispiel Videoüberwachung und Brandmeldetechnik. Die Berufsschulen müssten mit Materialien, Büchern und entsprechend geschulten Lehrkräften gleichziehen: „Als Ausbilder müssen wir in engem Kontakt mit den Berufsschulen stehen.“

Ist die Lehrzeit zu Ende, kann ein Elektroniker der Energie- und Gebäudetechnik – wie der „normale“ Elektroniker – in einem zusätzlichen Jahr seinen Meisterabschluss machen und darf dann selbst ausbilden. Nach Lehre und Berufs- oder Fachoberschule könne auch ein Elektrotechnik- oder Informatikstudium folgen.

Technik am liebsten vom Handwerker

Die guten Perspektiven stützen aktuelle Zahlen: eco, der Verband der Internetwirtschaft, erwartet, dass der „smarte“ Markt um knapp 27 Prozent pro Jahr wächst. 2022 könne dieser in Deutschland 4,3 Milliarden Euro umsetzen. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov mit 2064 Personen zeigt, dass vor allem die Themen Energiesparen, Sicherheit und Heizung gefragt sind, gefolgt vom intelligenten Licht und dem smarten Türschloss. Die Umfrage zeigt des Weiteren auch: Die wenigsten Verbraucher wollen selbst an den smarten Lösungen für ihr Zuhause tüfteln. 62 Prozent beauftragen für Installation, Montage und Wartung lieber einen Handwerker.

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