Das ganze Jahr über Gartensaison

von Redaktion

In zweiter Generation werden die Weishäupl Werkstätten in Stephanskirchen geführt und behaupten sich als kleiner, aber feiner Player mit zeitlosem Design und einem nachhaltigen Konzept seit fünf Jahrzehnten am Markt.

Stephanskirchen – Oskar F. Weishäupl sitzt im gelben Schaukel-Gartenstuhl in der Näherei der von ihm gegründeten Manufaktur und lächelt: Der schlanke Stuhl auf Kufen für draußen sei anfangs umstritten gewesen, heute ein Knaller. Ein Verkaufshit ist inzwischen auch ein schlicht „Klassiker“ genannter Stuhl, wie man ihn aus Biergärten kennt, mit Eisenfüßen und -lehnen, Sitzfläche und Rückenlehne bilden Holzlamellen: „Ich habe diesen Stuhl vor vielen Jahren gesehen und war begeistert, wollte ihn nachbauen. Aber das war nicht einfach. Seine Herkunft ist praktisch unbekannt, außer, dass das Modell aus der Zeit um 1850 stammen müsste.“ Weishäupl blieb dran, bis ihm zufällig ein solcher Stuhl zur Reparatur gebracht wurde – der Rest ist Geschichte.

10000 Möbel für

den Garten pro Jahr

50 Jahre sind es genau, in denen sich die Weishäupl Werkstätten aus Stephanskirchen bei Rosenheim am Markt für Gartenmöbel und Sonnenschirme behaupten. In Deutschland, vielen europäischen Ländern – besonders in Skandinavien – und selbst in Übersee kann man die hier gefertigten Schirme, Tische, Stühle, Liegen und Bänke fürs Freie kaufen. Typisch für sie sind die Machart aus unbehandeltem Holz – Esche aus der Region, Teak aus zertifiziertem indonesischen Forst – und teils aus Metall in zeitloser Form sowie Stoffe in kräftigen Farben. Bis zu 10000 Sitzmöbel und Tische, außerdem rund 8000 Sonnenschirme verlassen jährlich die Werkstätten – auch im Winter steht die Produktion nicht still. Umgekehrt nimmt die Manufaktur die eigenen Schirme und Möbel zur Reparatur im eigenen Haus an – ein Service für die Kunden, und ein Tribut an die Nachhaltigkeit. Allein die Schirme können laut Stephanie Weishäupl-Ehrl, der Tochter des Gründers, schon mal 30 Jahre lang in Gebrauch sein. Mit ihrem Bruder Philipp Weishäupl führt sie die Geschäfte. Der inzwischen 78-jährige Vater hat ihnen die Werkstätten „in einem fließenden Prozess“ übergeben, schaut aber gern vorbei. Seine Nachfolger indes haben die neuen Kundenanforderungen und Trends im Blick, etwa derjenige zu größeren Tischplatten, wie Philipp Weishäupl sagt. Gastronomie und gehobene Hotellerie, wichtiger Abnehmer, mögen´s dagegen klein und schmal. Dass selbst einzelne Textilsegmente der Sonnenschirme repariert und ausgetauscht werden, freue vor allem die Gastrokunden, bei denen oft nicht zimperlich mit Gartenmöbeln umgegangen werde. Was die Schirme aus Stephanskirchen besonders macht, ist ihre UV-Beständigkeit: Der runde „Topp“ genannte Holzknauf ganz oben am Schirm wird mit Bootslack witterungsbeständig gemacht. Und: „Selbst nach Jahren in der Sonne verblasst die Farbe unserer Stoffe nicht. So fällt es nicht auf, wenn ein neues Segment eingenäht wurde.“ Natur sei die beliebteste Farbe bei den Bespannungen, gefolgt von Taupe und Multicolor.

34 knallgrüne

Schirme für die BuGa

Weishäupl verschweigt nicht, dass der Wettbewerb hart sei. Auch Fachkräfte müssten gefunden und gehalten werden. 60 Beschäftigte haben die Werkstätten, darunter viele Schreiner und Näherinnen. „Sie sind besonders schwer zu kriegen und zu ersetzen, wenn eine Kollegin aus Altersgründen ausscheidet“, berichtet Stephanie Weishäupl-Ehrl. Sie bezeichnet die Näherei mit den zimmerhohen Regalen voller Stoffballen als „Herzstück“ der Manufaktur. Hier steht auch die riesige Schneidemaschine für die schweren, meterlangen Stoffe –die Schirme haben teils Spannweiten von 3,50 Metern– und die Langarm-Nähmaschinen. An ihnen schneidern die Näherinnen Bespannungen und Polsterhüllen. Rund 50 Prozent machen die Schirme vom Umsatz aus, wie ihr Bruder aufzeigt. Gerade arbeiten zwei der Frauen an einem Auftrag der Bundesgartenschau, 34 Pagodenschirme in Apfelgrün. Der Anblick des knallgrünen Stoffmeeres auf den Schneidetischen verbreitet Frühlingsstimmung – Zeit für die Gartenmöbel, sich zu zeigen.

Manufakturen sind beliebt

Produkte aus einer Manufaktur erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Von Hand Hergestelltes und traditionelle Materialien sind gefragt. Für viele Verbraucher stellt das auch eine nachhaltige Alternative zu schnellem Konsum und zur Massenware dar. Laut dem Verband „Deutsche Manufakturen“ steht die Manufaktur zwischen (Kunst-)Handwerk und Industrie. Wichtige Kriterien für den Verband sind etwa: inhabergeführt, eigene Produktion und Ausbildung, mindestens 50 Prozent Handarbeit, fünf bis 200 Mitarbeiter. Fakt ist auch, dass sich selbst größere Unternehmen aus Marketinggründen gern als „Manufaktur“ bezeichnen. Laut Verband hat die Branche der Unternehmensberater längst die Werkstätten für sich entdeckt. Die häufig sehr spezielle Fertigungstätigkeit und die besonderen Fragestellungen der Manufakturen erforderten jedoch eine darauf zugeschnittene Beratung. Die genaue Zahl an Manufakturen in Deutschland ist unbekannt, schätzungsweise sind es über 1000, die die Kriterien erfüllen.

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