Bad Aibling/Rosenheim – Im Januar bewirbt der Bad Aiblinger Fachhändler EP: ElectroPark noch Tageslicht-Lampen über Facebook, am Donnerstag dieser Woche beginnt der Insolvenzverkauf der Waren: Was ist da passiert? Geschäftsführer Peter Pfeiffer stellte am 20. Februar am Rosenheimer Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz. Es droht die Zahlungsunfähigkeit. Bereits neun Tage später wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Wie es aussieht, wird der Elektrofachhandel, seit über 14 Jahre in der Münchner Straße in Bad Aibling, ganz verschwinden.
Kündigung kommt
für alle überraschend
„Dabei haben wir alles dafür getan, dass unser Geschäft zukunftsfähig bleibt“, erzählt der 63-jährige Pfeiffer den OVB-Heimatzeitungen. „Wir“, das sind er und seine Frau Ursula, 62 Jahre. Ja, da seien die roten Zahlen seiner GmbH aus den vergangenen Geschäftsjahren gewesen, gibt Pfeiffer zu. Zuletzt etwa vermerkt das Auskunftsportal North Data, das Handelsregisterbekanntmachungen analysiert, für die Zeit vom Oktober 2016 bis September 2017 ein Minus von über 100000 Euro. „Aber im Herbst 2017 schied unser dritter Geschäftsführer aus, seitdem haben wir unsere Kostenstruktur verschlankt, bis Januar wieder gute Umsätze gemacht“, schildert Pfeiffer. Zwar sei sein Franchisegeber, die Düsseldorfer ElectronicPartner Handel SE, ob der Zahlen zwischenzeitlich nervös gewesen, „aber wir waren stets in engem Austausch und fest überzeugt, wir seien auf einem guten Weg.“
Mehrere Hundert Stammkunden sowie rund 10000 Kunden in der Datei sprächen für sich. Außerdem sollte bis 2021, dem Jahr, indem die Pfeiffers eigentlich in Rente gehen wollten, ein Nachfolger gefunden sein. Bis dahin liefe auch der Mietvertrag vor Ort.
Doch am 18. Februar dieses Jahres kündigt EP, Einkaufskooperationspartner und Zentralregulierer der inhabergeführten EP:Märkte, den Pfeiffers wider Erwarten den Vertrag. Ihr Insolvenzverwalter Dr. Michael Miersch aus Rosenheim: „Die Verluste der beiden letzten Geschäftsjahre waren nicht existenzbedrohend. Aber es bestehen seit vielen Jahren Pensionsverpflichtungen des Unternehmens.“ Und dieses Risiko hätte EP als so gravierend eingeschätzt, „dass eine weitere Belieferung nur mehr gegen Vorkasse erfolgen sollte.“ Außerdem sei EP besorgt gewesen, es könne letztlich kein Nachfolger gefunden werden. Für Miersch bedeutet das Ganze: „Fällt wie hier ein wesentlicher Baustein der Unternehmensfinanzierung weg, ergibt sich ein Dominoeffekt, weshalb der Insolvenzantrag unausweichlich war.“ Trotz sofortiger Bemühungen habe kein externer Investor gefunden werden können. Die Schließung des Unternehmens sei eingeleitet.
Die Insolvenz treffe ihn finanziell auch privat empfindlich, gibt Pfeiffer zu. Er habe sogar überlegt, einen Kredit über 200000 Euro aufzunehmen, „aber in meinem Alter ist das doch zu riskant.“
Aus Marktsicht
vieles richtig gemacht
Besonders bitter aber für ihn und seine Frau: „Uns tun unsere 13 Mitarbeiter leid. Sie waren uns gegenüber extrem loyal.“ Alle Angestellten seien stets über die Zahlen im Bilde gewesen, sagt Pfeiffer, man habe zusammengehalten. Seine zwei Azubis könnten ihre Lehre zum Glück gerade noch beenden.
Sorgen macht er sich um seinen 57-jährigen Verkaufsleiter: „Er ist ein erfahrener Fachmann, ich hoffe, er findet in seinem Alter noch einmal eine gute Stelle.“ Der restlichen Mannschaft wünscht er, dass sie bei den Elektrohändlern in der Umgebung unterkommen, „wahrscheinlich wird es einer der Großhändler sein.“ Dabei hat Pfeiffer jahrelang ums Bestehen im Schatten der großen Handelsketten gekämpft. „Wir haben alles repariert, hatten einen eigenen Service, waren für die Kunden immer erreichbar. So familiär hat man es fast nirgendwo mehr.“
Pfeiffer hat in den Augen von Steffen Kahnt vom Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V., im Grunde alles richtig gemacht: „Der Marktanteil des stationären Fachhandels war in 2018 bei technischen Gebrauchsgütern gegenüber dem Vorjahr stabil. Unter den Vertriebswegen waren Elektrofachmärkte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, vor allem zum Jahresende hin besonders erfolgreich. Gerade inhabergeführte Betriebe profilieren sich mit Beratungs- und Serviceleistungen, um sich gegenüber produkt- und preisorientierten Anbietern abzuheben.“
Am Ende war der Händler, der vor seiner Zeit bei EP fast 35 Jahre beim Traditionsfachhandel Elektro Fröschl tätig war und einst in Mühldorf eine FröschlFiliale führte, abhängig von den Entscheidern in Düsseldorf. Im deutschlandweiten Händlerverzeichnis von EP taucht ElectroPark in Bad Aibling schon nicht mehr auf, obwohl bis 17. April noch der Abverkauf stattfindet. Auf Nachfrage teilt EP über eine Sprecherin mit, man gebe keine Auskunft zum Fall; auch nicht dazu, wie mit dem Standort weiter verfahren wird. Kunden, die in Bad Aibling ein Elektrogerät oder Artikel gekauft hätten, könnten sich bei Servicefragen wie Garantiefälle an EP:Fachhändler im regionalen Umfeld wenden.
Von EP ist Pfeiffer enttäuscht: „Ich hätte mir all die Jahre nie vorstellen können, dass sie so reagieren.“