Verarbeitendes Gewerbe fürchtet harten Brexit

von Redaktion

Geschäftsaussichten wieder positiv – Nicht jede Branche blickt mit Sorge auf Großbritanniens EU-Austritt

Rosenheim – Deutlich verbesserte Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate versprechen die aktuellen Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers Rosenheim. Die Erhebung von der betriebswirtschaftlichen Fakultät der Technischen Hochschule unter 50 Rosenheimer Unternehmen erfolgt im Zweimonatsrhythmus, die neuesten Daten stammen also vom Februar. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen stieg auf optimistische
+ 19,3. Im Vormonat lag dieser bei nur leicht positiven
+ 5,3.

Auch die Geschäftslage wird von den teilnehmenden Unternehmen der Stadt und des Landkreises Rosenheim mit + 36,1 erheblich besser eingeschätzt als im Vormonat (+ 22,4), allerdings spürbar schwächer als im Vorjahr, als dieser Saldo noch sehr gute + 54 erreichte.

Die vergleichbaren Werte des Münchner ifo-Institutes ergaben ebenfalls eine Verbesserung für die Geschäftslage, allerdings liegt der Wert mit +27,0 wieder deutlich unter dem Ergebnis für Rosenheim. Die Geschäftserwartungen sind mit –2,4 immer noch leicht pessimistisch. Der aus beiden Komponenten bestehende Geschäftsklimaindex konnte sich dennoch erstmals nach sechs Rückgängen in Folge verbessern, teilen die Autoren unter der Leitung von Professor Dr. Bernd Gussmann mit.

Jedes Wirtschaftsbarometer enthält auch eine Umfrage zu einem aktuellen Thema, so auch dieses Mal. In der aktuellen Frage des Monats wurden die teilnehmenden Unternehmen gefragt, inwieweit ihnen ein harter Brexit Probleme bereiten würde. Insgesamt 23 Prozent antworteten mit „Ja“. Unter diesen sind vor allem die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes (15 Prozent) besorgt, gefolgt von Dienstleistungen und Einzelhandel. Der Bau zählt nicht dazu.

Längere Lieferzeiten werden befürchtet

Mit „Nein“ antworteten im verarbeitenden Gewerbe genauso viele Unternehmen wie mit „Ja“. Nicht besorgt wegen eines harten Brexits sind außerdem der Einzelhandel (rund 23 Prozent), der Dienstleistungssektor (rund 32 Prozent) und das Baugewerbe (acht Prozent).

Wer die Frage nach etwaigen Problemen in Folge eines harten Brexits mit „Ja“ beantwortet hatte, wurde weiter gefragt, worin mögliche Handlungsnotwendigkeiten und Risiken bestehen könnten. Mehrfachnennungen waren erlaubt. So sehen Rosenheimer Betriebe aus verarbeitendem Gewerbe, Dienstleistung und Einzelhandel insbesondere Probleme durch den Wegfall von binnenwirtschaftlichen Erleichterungen im Geschäftsverkehr (13 Prozent), gefolgt von Verzögerungen in der Warenlieferung und bei Zahlungen (acht Prozent). Zudem wird erwartet, dass Anpassungen von Verträgen mit Geschäftspartnern notwendig sind (vier Prozent). Generell wird bei einem harten Brexit auch die Gefahr einer konjunkturellen Eintrübung gesehen. Weiter nannten die befragten Unternehmen, sie befürchteten Währungsrisiken durch den Ausstieg Großbritanniens aus der EU oder Probleme bei künftigen Patentanmeldungen. Was die Betriebe nicht in Erwägung ziehen, ist etwa, ob Normierungsfra-

gen in Zukunft öfter Kopfzerbrechen bereiten würden, oder ob es nach dem Brexit Probleme in der Durchsetzung von Verträgen nach britischem Recht geben könnte.

Weniger Nachfrage aus England?

Das aktuelle Wirtschaftsbarometer ließ die Unternehmen aber noch eine dritte Frage beantworten: Worin sehen diese weitere Risiken, käme es zum harten Brexit? Zustande kam eine ganze Liste mit möglichen Schwachpunkten. Genannt wurden zum Beispiel mehrfach eine Abschwächung der Konjunktur und steigende Zinsen sowie eine allgemein geschwächte Investitionsneigung. Behördliche Beschränkungen, speziell wenn es um Baugenehmigungen geht, befürchtet ein anderer Teilnehmer, genauso wie den Arbeitskräftemangel. Ein Unternehmen stellte mit seiner Antwort in den Raum, die derzeitige amerikanische Wirtschaftspolitik könnte zu weiteren Restriktionen führen. Ein Rosenheimer Unternehmen, das bislang nach Großbritannien exportiert, gab an, in England eine Rezession zu befürchten, was zu einer geringeren Nachfrage nach deutschen Produkten führen könnte.

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