Rosenheim – Der Wind wird immer rauer im Bankengeschäft. Mit zahlreichen He-rausforderungen sieht man sich auch bei den Volksbanken Raiffeisenbanken in Rosenheim und Umgebung konfrontiert. Umso stolzer zeigten sich die Vorstände der sechs Volksbanken und Raiffeisenbanken daher, als sie bei der Jahrespressekonferenz des Kreisverbands positive Zahlen präsentieren konnten – mit Wachstum in allen Bereichen.
Bilanzsumme um
3,6 Prozent gestiegen
Die Bilanzsumme ist demnach um 3,6 Prozent auf 6,577 Millionen Euro gestiegen, beim Eigenkapital kann man mit 854 Millionen Euro ein Plus von ebenfalls 3,6 Prozent verzeichnen. Das Kundenvolumen stieg um drei Prozent auf 13,617 Millionen Euro, die Kundenkredite erhöhten sich um sechs Prozent auf 4,956 Millionen Euro, bei den Kundeneinlagen wird mit 4,969 Millionen Euro ein Plus von 2,9 Prozent verbucht. Die Zahl der Mitglieder der Genossenschaftsbanken hat sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 101399 erhöht.
Erfolg trotz Gegenwind: Hubert Kamml, der Vorsitzende des Kreisverbands, warf auch einen Blick auf die globalen Rahmenbedingungen. „Es gibt im Bankengeschäft viel, was auf uns einprasselt“, erklärte er. Die zunehmende Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit im Bankengeschäft spüre man auch auf regionaler Ebene. Der Handelskrieg zwischen den USA und China etwa sei vor einigen Jahren nicht vorhersehbar gewesen – beeinflusst aber heute die Wirtschaft enorm. Der Brexit sei ein weiteres „ernstes Thema“, auch weil die EU mit dem Vereinigten Königreich seine zweitgrößte Wirtschaftskraft verliere.
Wirtschaftsprognosen sind düster
Die Prognose der Wirtschaftsweisen sieht demnach auch etwas düster aus: Sie gehen von einem Wirtschaftswachstum in 2019 von nur noch 0,8 Prozent aus. 2018 waren es noch 1,4 Prozent. Vor diesem Hintergrund sei insbesondere die positive Entwicklung im Kreditgeschäft der Volksbanken Raiffeisenbanken in Rosenheim und Umgebung beeindruckend, meinte Kamml. Einige aktuelle He-rausforderungen betreffen das Bankengeschäft ganz konkret. Christian Trattner, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands, ging unter anderem auf die zunehmende, „irrsinnige Bürokratie“ ein. Er zeigte, wie Bankenregulierung etwa über den „Green Supporting Factor“ für Nachhaltigkeitsziele instrumentalisiert werde und damit für mehr Bürokratie sorge. Über den Genossenschaftsverband Bayern setze man sich dagegen für eine „verhältnismäßige Regulierung“ ein. Auch die aktuell diskutierte Fusion aus Deutscher Bank und Commerzbank sieht Trattner skeptisch. Wie aus zwei schwachen Banken eine Superbank werden solle, sei fraglich – der Zusammenschluss hätte aber Einfluss auf den Wettbewerb. Nicht Großbank, sondern genossenschaftliches Geldinstitut vor Ort – das will man bei den Volksbanken Raiffeisenbanken sein. Dabei setzt man auf Arbeit, Fleiß und Verlässlichkeit sowie die Nähe zum Menschen. Mit diesem Ansatz haben es die bayerischen Volksbanken Raiffeisenbanken geschafft, ihr Eigenkapital seit 2008 (9,3 Milliarden Euro) bis heute (17,6 Milliarden Euro) fast zu verdoppeln.
„Damit sind wir die stabilste Bankengruppe in Europa“, sagte Vorsitzender Kamml. Damit das auch so bleibt, will man sich auch den Anforderungen der Digitalisierung weiterhin aktiv stellen. Der Ansatz: Den Kunden als „Sowohl-als-auch-Individuum“ zu sehen.
Laut einer Umfrage des Genossenschaftsverbands nutzen 28 Prozent der Kunden die Filiale für ihre Bankgeschäfte, acht Prozent erledigen ihr Banking telefonisch, 24 Prozent arbeiten rein digital und die größte Gruppe mit 36 Prozent greift auf alle vorhandenen Kanäle zurück.
24 Prozent machen digital banking
„Unsere Herausforderung ist es, allen gerecht zu werden“, betonte Kamml und verwies auf das „dichteste“ Filialnetz mit 79 Bankstellen in der Region.
Dass man sich bei den Volksbanken Raiffeisenbanken der Region verpflichtet fühlt, liegt schon in der Geschichte der Genossenschaftsbanken. Sie wurden ursprünglich als Selbsthilfeorganisationen gegründet und sicherten laut Kamml noch heute die Stabilität der Region.
Die Zahlen im Kreditgeschäft und bei den Kundeneinlagen seien ein Zeichen dafür, dass die Kreisverbandsbanken als verlässlicher Partner für die mittelständische Wirtschaft und Privatpersonen vor Ort gelten. Dazu gehöre es, „Geld zurück zu geben“. Im Jahr 2018 sind 1,060 Millionen Euro über Spenden, Stiftungen und Sponsoring in die Bereiche Sport, Kultur, Bildung und Soziales geflossen. So wurde etwa das Projekt „Roberta“ zur Hagelabwehr unterstützt. „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein“, lautete Kammls Fazit.