Stromversorgung: Unternehmen sollten an Notfallpläne denken

von Redaktion

IHK tagt zu Energiesicherheit – Rudi Wochinger in Vorsitz des Traunsteiner IHK-Regionalausschusses gewählt

Traunstein – Mit den Auswirkungen der Energiewende auf die regionale Versorgungssicherheit hat sich der IHK-Regionalausschuss Traunstein bei seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Passend zum Thema trafen sich die Vertreter der regionalen Wirtschaft mit ihrem Vorsitzenden Nikolaus Binder bei den Stadtwerken Traunstein, die mit Geschäftsführer Stefan Will den ersten Referenten stellten.

Er erläuterte die großen Veränderungen im Mix der Stromerzeugung seit Beginn der Energiewende. Kamen früher mehr als 90 Prozent des bayerischen Stroms aus regelbaren Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerken, so ist es aktuell nicht einmal mehr die Hälfte. Der Erfolg der erneuerbaren Energien bereitet den Stromnetzbetreibern und Energieversorgern allerdings immer mehr Sorgen. „Die zunehmend dezentrale Erzeugung stellt den Stromfluss auf den Kopf“, sagte Will.

Strom-Mix macht Verteilung labiler

Das permanent notwendige Gleichgewicht von Stromerzeugung und Stromverbrauch in den Übertragungs- und Verteilnetzen werde durch den wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien am Strom-Mix immer labiler. „Ohne große grundlastfähige Kraftwerke und ohne Netzausbau gibt es keine Versorgungssicherheit“, so das Fazit des Energieexperten.

Wegen der zunehmenden Unwägbarkeiten bei der Stromerzeugung seien auch immer mehr teure Netzeingriffe notwendig, um die Stromversorgung stabil zu erhalten. Alle Energieversorger hätten in Absprache mit den Verteilnetzbetreibern Notfallpläne entwickelt, welche Stromkunden in absoluten Ausnahmeszenarien einer zu hohen Netzlast in welcher Reihenfolge abgeschaltet werden.

Der Stadtwerke-Geschäftsführer empfahl den Unternehmen, das Thema Stromversorgung unbedingt in die betriebliche Notfallplanung aufzunehmen und Vorsorgemaßnahmen zu bedenken. Diese seien je nach betrieblicher Anforderung sehr unterschiedlich. Eins sei aber klar: Strom komme nicht mehr einfach aus der Steckdose.

Dieses Fazit unterstrich auch Norbert Ammann, Referatsleiter Umwelt, Energie, Rohstoffe bei der IHK für München und Oberbayern. Der IHK-Experte nannte als Beispiel empfindliche Elektronikanlagen, die durch plötzliche Spannungsänderungen bei einem Stromausfall zerstört werden können. Ammann erläuterte die wirtschaftspolitischen Forderungen der IHK zur Energiewende, darunter eine Senkung des Strompreises durch Abschaffung der Stromsteuer und einen schnellen Netzausbau.

Zum Abschluss wurde Rudi Wochinger, Geschäftsführer von Wochinger Bräu in Traunstein, zum Zweiten stellvertretenden Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses gewählt. Die Nachwahl war durch das Ausscheiden von Klaus Rutz aus dem Gremium notwendig geworden, der Geschäftsführer von Ecolab Engineering in Siegsdorf geht in den Ruhestand.

Sein Nachrücker als Mitglied des IHK-Regionalausschusses Traunstein ist Stefan Will.

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