Nußdorf am Inn –Rund eine Million Euro hat die Nußdorfer Spedition Dettendorfer in den Einstieg in den Kombinierten Verkehr (KV) aus Bahn- und Straßentransport investiert. Derzeit in Form von täglich drei Abfahrten von Hamburg über den Brenner nach Verona. Es soll noch mehr werden, geht es nach geschäftsführendem Gesellschafter Georg Dettendorfer. „Weil die Restriktionen für alpenquerende Straßengüterverkehre vor allem in Tirol weiter zunehmen, wird die Nachfrage nach zusätzlichen Abfahrten schnell anziehen“, ist er überzeugt. Daher baut die Spedition auch ihren Logistikpark in Kiefersfelden nahe der A93 und mit Gleisanschluss zum verkehrsträgerübergreifenden Umschlagplatz weiter aus. Fünf Millionen Euro werden hierfür investiert. Jährlich werden im Logistikpark weit über 200000 Tonnen Treibstoff, Holz und andere Schütt- und Massengüter auf der Schiene antransportiert, so Dettendorfer. Vor der Eröffnung des Standorts im Jahr 2014 wurden diese noch auf der Straße gefahren. Am Beispiel der dorthin gelieferten Treibstoffe zeigt sich, dass diese nun nur mehr die „letzte Meile“ per Lkw zum Kunden transportiert werden müssen. Eine Halle im Logistikpark ermöglicht Unternehmen mit regelmäßigen alpenquerenden Verkehren, Güter zwischenzulagern. Im Juni wird eine zweite Halle eröffnet. Die Nachfrage sei groß, schildert Dettendorfer: „Die meisten Flächen sind bereits vermietet.“ 80 Prozent der Kunden kämen aus der Region. Und die Kapazitäten auf dem 40000 m² großen Areal seien noch lange nicht ausgeschöpft.
Für Kunden in der Automotive-, Bau-, Baustoff-, Holz-, Lebensmittel-, Papier- und Stahlindustrie verlagert Dettendorfer jährlich fast 460000 Tonnen Güter von der Straße auf die Schiene; der Umsatzanteil sei von 273 Millionen Euro (2017) auf zuletzt 347 Millionen Euro gestiegen.
Die Prognosen für den KV sind laut Experten gut – laut Internationaler Vereinigung für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße (UIRR) lag die Steigerungsquote in Europa zuletzt bei über fünf Prozent. Bei Inlandsverkehren wurde gar ein Plus von 9,3 Prozent registriert, grenzüberschreitende Transporte wuchsen um 3,8 Prozent.
Dettendorfer sagt aber auch, dass der KV für den Endempfänger verlängerte Lieferzeiten bedeuten könne und dass es gegebenenfalls auch zu Verspätungen käme. Die eigene Pünktlichkeitsquote bei KV-Lieferungen über den Brenner läge bei rund 70 Prozent. Entlastet würden auf jeden Fall die Straßen.
Dettendorfer sieht gerade im Schütt- und Massengütermarkt noch großes Potenzial für zusätzliche Verkehrsverlagerungen auf die Schiene. „Wir werden in den nächsten Jahren die Vernetzung der Verkehrsträger an weiteren Standorten vorantreiben.“ sen