Prutting – In den Produktionsräumen der BBW Lasertechnik GmbH in Prutting wird mit Lasern geschweißt, geschnitten, gebohrt und beschriftet. Lasermaterialbearbeitung im Kundenauftrag ist das Kerngeschäft des Familienunternehmens mit 160 Mitarbeitern. Darüber hinaus werden am Standort aus Blech und anderen Materialien komplette Baugruppen hergestellt.
Was von BBW Lasertechnik kommt, ist für den Endverbraucher nicht auf den ersten Blick ersichtlich, doch seinen Alltag berühren die hier bearbeiteten Komponenten und Bauteile quasi täglich.
Früher Torjäger,
heute Unternehmer
Etwa, wenn er ein Auto fährt, dessen Kolben in Prutting lasergeschweißt wurden. Oder ein Haushaltsgerät benutzt, an dessen Schweißnähten der Pruttinger Betrieb maßgeblich beteiligt war.
Firmeninhaber Hans Bürger ist ein drahtiger Endfünfziger, der voller Elan von der Firmenhistorie und seinen Visionen erzählt. In den 1980ern feierte er Erfolge als bekannter und talentierter Torjäger bei 1860 Rosenheim –heute ist er Vollblutunternehmer und hat als Nachfolger Sohn Andreas in die Geschäftsführung geholt. Der 30-jährige Wirtschaftsingenieur hat unter anderem in Rosenheim studiert. Die Frage, ob BBW Lasertechnik zu den Hidden Champions in Deutschland gehört, beantworten die beiden mit einem Lächeln. „Wir sind in Deutschland wahrscheinlich das größte Lasertechnologieunternehmen, das auf Lasermaterialbearbeitung spezialisiert ist“, sagt Hans Bürger.
Fakt ist, dass das Familienunternehmen zu den führenden Experten auf seinem Gebiet zählt und seit der Komplettübernahme durch die Bürgers im Jahr 2015 (siehe Firmenhistorie) rasch und konstant gewachsen ist. So schnell, dass man mit dem Ausbau von Fläche und Personal kaum nachkommt, wie der Seniorchef erzählt: „Vergangenes Jahr haben wir unsere Produktion in Prutting um 4000 Quadratmeter erweitert und in neue Anlagen investiert.“ Seit der Übernahme habe man den Umsatz verdoppelt, 2018 lag dieser bei 14,7 Millionen Euro. „Für dieses Jahr rechnen wir mit einem erneuten Wachstum von 20 Prozent.“
Auch internationale Großkonzerne setzen auf das Know-how aus Prutting. „Wir akquirieren nicht, Kunden empfehlen uns weiter“, schildern Vater und Sohn. Für diesen Erfolg sind mehrere Bausteine verantwortlich: Man setzt auf qualifizierte Mitarbeiter, scheut sich nicht vor schwierigen Materialien und Projekten, investiert laufend in eigene Forschung und Entwicklung.
Firma wuchs
jedes Jahr stärker
Vielleicht liegt es auch an seiner früheren Karriere als Torjäger, dass Hans Bürger auch als Unternehmer weiß, wann er das Richtige zum passenden Zeitpunkt tun muss. Im Wirtschaftskrisenjahr 2008, als BBW Lasertechnik noch am ursprünglichen Standort Inzenham ansässig war, gerieten viele Unternehmer unter Druck. Bürger und sein damaliger Geschäftspartner trieben dagegen ihre Investitionen an, statt sie zu bremsen, und errichteten im Gewerbegebiet Prutting das jetzige, hochmoderne Firmengebäude. Dort eröffneten Bürger Senior und Sohn Andreas vor zwei Jahren eine eigene Entwicklungsabteilung, in der neue Parameter für anspruchsvolle Schneid-, Schweiß- und Bohrprozesse entwickelt werden. Besondere Vorrichtungen und Maschinen konstruiert man selbst. In Kürze ergänzt die Produktion ein neuer Ultrakurzpulslaser. In Piko-Sekunden bearbeitet das Gerät Material auf präziseste Weise.
BBW Lasertechnik ist zudem spezialisiert auf das als äußerst anspruchsvoll geltende Laserschweißen von Aluminium und Kupfer. „Gerade Kupfer war wegen seiner stark reflektierenden Oberfläche mit Lasern bis vor Kurzem kaum zu bearbeiten, heute spielt das Metall vor allem in der E-Mobilität eine große Rolle“, erklärt Hans Bürger. Mit 40 Laseranlagen bedient der Betrieb die Branchen Haushaltsgeräte, E-Mobilität, Automotive sowie Verteidigung, ist Auftragnehmer des Elektromaschinen- und Maschinenbaus. Überrascht hätten ihn zuletzt die Aufträge aus der Automobilindustrie, sagt Bürger, „wir dachten, nach dem Dieselskandal bricht dieses Segment für uns ein. Die Vorgaben zur Abgasnachbereitung haben uns wieder ganz neue Perspektiven verschafft.“
Damit es mit den guten Aussichten weitergeht, kümmert man sich intensiv um die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses. Derzeit werden zwölf Azubis zum Industriemechaniker ausgebildet. Die Bürgers investieren darüber hinaus gerade rund 200000 Euro in eine neue Lehrlingswerkstatt.
Hans und Andreas Bürger blicken optimistisch in die Zukunft, und aktuelle Marktprognosen geben ihnen recht: Die Lasertechnik gilt als Technologie des 21. Jahrhunderts; Marktforscher rechnen in Deutschland mit einem Branchenwachstum von rund sieben Prozent.
Es bleibe spannend, schließt Hans Bürger, weil man nie ganz vorhersehen könne, welche Branche mit neuen, herausfordernden Anfragen anklopfe. Nur eines soll sich so schnell nicht ändern: „Eine Produktion im Ausland ist theoretisch denkbar“, sind sich Vater und Sohn einig, „aber wir sind ein bekennender Familienbetrieb und unser Platz ist hier in der Region“.