Mit Geld vom Schwarm zum Erfolg

von Redaktion

Berliner Experte informierte im Chiemgau über neue Finanzierungswege

Traunstein – Ein lang gehegtes Projekt realisieren, Innovationen vorantreiben, neue Produkte entwickeln: Crowdfunding – einfach gesagt: das Sammeln von Geld bei einer interessierten Masse an Unterstützern, auch Schwarmfinanzierung genannt – macht heute vieles möglich, wo Gründer sonst bei der Bank vorsprechen müssten. Stimmtherapeutin Heidi Aghierha aus Chieming zum Beispiel verfolgt auf diese Weise Pläne zur Finanzierung eines Seminarhauses für Trainings, Singabende, und Angebote rund ums Thema „Stimme, Stimmung, Atmung“. Unternehmerin Bettina Edmeier aus Palling will ihre „Keimbackstube“ für hochwertige Bio-Brote ausbauen und sucht ebenfalls nach Finanzierungswegen. Werner Lucas vom neuen Traunsteiner Coworking-Space b1-connect will dessen Büro- und Geschäftsausstattung für Firmen-Workshops und mehr ausbauen. Für sie alle könnte Crowdfunding ein Weg sein, mit wenig Bürokratie und Aufwand sowie in kürzerer Zeit an Geld für ihre Ideen zu kommen.

Im Rahmen der kürzlich zu Ende gegangenen Traunsteiner Gründerwoche informierten sich die Chiemgauer Unternehmer und viele weitere Start-ups aus der Region zum Thema. Als ausgewiesenen Crowd-
funding-Experten hatten die Veranstalter, die Traunsteiner Wirtschaftsförderungs GmbH, Markus Streichardt von Startnext aus Berlin eingeladen. Es ist die größte Crowdfunding-Plattform für Geschäftsideen, Projekte und Startups im deutschsprachigen Raum.

Geld gibt´s nur, wenn das Ziel erreicht ist

Die Idee hinter Crowdfunding sei einfach, so Streichardt. Der Starter beschreibt seine Idee im Netz in einem Video, mit Bildern und Texten. Er legt ein Finanzierungsziel über den gewünschten Betrag, eine Laufzeit für die Kampagne und bestimmte Vorteile oder Dankeschöns fest, von denen die Spender in unter-schiedlicher Form profitieren. Ausgezahlt wird das Geld nur, wenn das Finanzierungsziel erreicht wird. Ansonsten geht das Geld zurück an die Unterstützer. 63 Millionen Euro hat Startnext seit 2010 für rund 7000 erfolgreiche Projekte eingesammelt. Die Plattform kann sich dabei auf eine Million Nutzer stützen. „Aktuell laufen zwischen 250 bis 300 Projekte und die Erfolgsquote liegt bei knapp 60 Prozent“, erzählt Streichardt.

Neben den Finanzierungs-Plattformen dienten vor allem Veröffentlichungen auf Social Media-Kanälen dazu, die zu finanzierenden Produkte bekannt zu machen. Aus dem Austausch mit den Nutzern und möglicher Kritik lasse sich ablesen, ob das Marketing stimmt und die beworbenen Projekte überhaupt Marktpotenzial ha-ben.

Für den Berliner Unternehmer steht fest: Dieser neue Weg der Projekt-Finanzierung verhelfe vielen innovativen Ideen zum Erfolg, die bisher als nicht realisierbar galten und die zum Teil bereits bundesweit Schule machen, wie das Beispiel des verpackungslosen Supermarkts zeige. Auch Banken zeigen sich durch diese Anschubfinanzierung zu-nehmend offen für weitere Kreditvergaben. Axel Effner

Crowdfunding – so funktioniert´s

• Info-Quellen recherchieren: Bücher, Checklisten zum Thema, Webinare, Sprechstunden auf einschlägigen Plattformen, Podcasts

• Überlegen: Wie lässt sich das Zielpublikum ansprechen? Wie würde man mit Kritik umgehen?

• Kritik als Input für Marketing und Marktpotenzial sinnvoll nutzen

•Die Crowdfunding-Idee breit auf Social Media Kanälen kommunizieren und die Presse miteinbeziehen

•Botschaft hinter dem Produkt erklären, der Idee „ein Gesicht geben“

• Geldgebern attraktive oder ungewöhnliche Dankeschöns in Aussicht stellen, etwa für höhere Summen

•Plattform gezielt aussuchen. Die Suche nach der richtigen erleichtert zum Beispiel die Website www.crowdfunding.de

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