Come with (me)

Leitbetrieb für Lehre in allen Werken

von Redaktion

Otto Dunkel hat sein neues Zentrum für die Auszubildenden eröffnet. Drei Millionen Euro hat das ehrgeizige Projekt gekostet und soll sicherstellen, dass stets genügend Nachwuchsfachkräfte ausgebildet werden.

Mühldorf – Das Landratsamt Mühldorf hat die Zahl schwarz auf weiß: Jeder 20. Lehrling im Kreis Mühldorf wird bei ODU ausgebildet. Der Spezialist für Steckverbinder gilt als größter Arbeitgeber der Region, rund 120 Azubis lernen derzeit am Hauptstandort in Mühldorf einen technischen oder kaufmännischen Beruf. Ab Herbst dieses Jahres werden es laut Betriebsgeschäftsleiter Robert Klemisch 139 sein – gelehrt werden zwölf Berufe, vom Mechatroniker über den Fachlageristen bis zum Zerspanungsmechaniker.

Mädchen entdecken technische Berufe

Auf 500 Quadratmetern wurde nun in Mühldorf das neue Ausbildungszentrum errichtet: Ausgestattet ist es mit modernster Ausbildungstechnik, von der klassischen Werkbank über die Fräsmaschine bis zur 3D-Brille und Roboter. Das Gebäude ist zweistöckig; im Untergeschoss befindet sich der Bereich für die Oberflächenbeschichtung. Insgesamt umfasst der Bau eine Fläche von 950 Quadratmetern. Drei Millionen Euro hat ODU in das Zentrum investiert. Man hoffe, die Quelle an Nachwuchskräften werde damit nie versiegen, so Klemisch.

„Die bestmögliche Basis für ein gutes, solides Leben“ will man laut Geschäftsführer Dr. Kurt Woelfl mit der Investition schaffen. Dass das schon eine lange Tradition am Standort hat, beweisen Mitarbeiter wie Sabine Knechtel, die im Jahr 2001 der erste weibliche Azubi in einem technischen Beruf bei ODU war und heute noch als Werkzeugmacherin dort arbeitet.

In ihre Fußstapfen treten zum Beispiel die Lehrlinge Leonie Pfister und Anna Grundner, die in den Genuss der neuen Ausbildungsräume kommen: Leonie, deren Vater auch bei ODU arbeitet, lernt Werkzeugmechanikerin, Anna ist angehende Zerspanungsmechanikerin.

Die Zerspanungsmechanikerin programmiert computergesteuerte Maschinen und richtet die Maschine mit den richtigen Werkzeugen ein. Der Werkzeugmechaniker arbeitet eng mit der Konstruktionsabteilung zusammen und stellt Werkzeuge her, damit Rohmaterialien ihre Form erhalten. Auch Bernhard Wimberger erlernt diesen Beruf gerade bei ODU und findet richtig gut, „dass man am Ende des Tages ein fertiges Werkstück hat, das man in die Hand nehmen kann.“ Wimberger hat zunächst sein Abitur gemacht und ist über ein Praktikum zum Ausbildungsplatz gekommen. Wie er freut sich Anna Grundner darüber, zu wissen, wo die eigens hergestellten Teile später zum Einsatz kommen, „zum Beispiel bei BMW.“ Die Lehrlinge berichten von vielen Aktivitäten während ihrer Ausbildungszeit. So nehmen sie an Entwicklungs- und Kunstprojekten teil, an Exkursionen und Workshops und können im Azubi-Austausch bei befreundeten Unternehmen schnuppern. Die firmeneigene Kantine dürfen sie kostenlos nutzen. Der Lehrgang, der Anfang des Jahres abschloss, unternahm eine Azubireise zum Produktionsstandort ins rumänische Sibiu. Betreut werden die Azubis von insgesamt acht Ausbildern in Vollzeit sowie von sieben weiteren in Teilzeit. Man arbeite eng mit allen Schulen aus der Region zusammen, erzählt Robert Klemisch, speziell mit den Berufsschulen (siehe Infokasten). ODU beschäftigt weltweit rund 2300 Mitarbeiter, wo man langsam, aber stetig eine duale Ausbildung nach deutschem Vorbild etablieren möchte.

Duale Lehre auch in China und Mexiko

Keine leichte Aufgabe, da das Zusammenwirken von Lehrbetrieb und Schule hierzulande historisch gewachsen, andernorts aber vielfach unbekannt ist. Wie Klemisch schildert, ist das neue Zentrum in Mühldorf Leitbetrieb für alle weltweiten ODU-Werke. Von Mühldorf aus betreuen die Ausbilder auch den Aufbau der Lehrsysteme in Shanghai, China, in Sibiu, Rumänien, und in Tijuana, Mexiko. „Daraus ergeben sich neue Herausforderungen und sehr gute Perspektiven für die Azubis und die Ausbilder im internationalen Umfeld“, sagt Klemisch.

Zahlen & Fakten

Investition: Drei Millionen Euro

Auszubildende: 120

Ausgebildete Berufe: Zwölf. Ausgebildet werden Zerspanungs-, Werkzeug- und Industriemechaniker, Fachkräfte für Metalltechnik, Verfahrensmechaniker, Oberflächenbeschichter, Mechatroniker, Technische Produktdesigner, Industriekaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik, Fachlageristen, Kaufleute im Groß- und Außenhandel.

Kooperationen: Programm „Come with (Me)“ und IHK TOP-Bildungspartnerschaft (Herzog-Ludwig-Realschule Altötting, Staatliche Realschule Waldkraiburg, Comeniusschule Töging), Neue IHK-Bildungspartnerschaften (Mittelschule Ampfing, Herzog-Heinrich-Mittelschule Neumarkt-St. Veit, Mittelschule an der Dieselstraße Waldkraiburg, Weiß-Ferdl-Mittelschule Altötting)

Orientierung ab der fünften Klasse

ODU engagiert sich unter anderem bei „Come with ME!“, einem Projekt der bayerischen Metall- und Elektroindustrie mit dem Ziel, Jugendliche auf die (technische) Berufswahl vorzubereiten.Schüler ab der 5. Klasse werden dabei bis zum Ende der Schulzeit durch alle Phasen der Berufsorientierung begleitet. Bei Mädchen will das Projekt das Interesse an Technik wecken.

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