Rosenheim – Mehr Akzeptanz für Wirtschaft, mehr Anerkennung für das, was die vorwiegend kleinen und mittleren Unternehmen in der Region leisten – das forderte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, bei seinem ersten Besuch in Rosenheim. Anlass war die turnusmäßige Sitzung des IHK-Regionalausschusses, die diesmal im Rathaus stattfand – Gastgeberin war Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. „Unsere Betriebe schaffen Arbeitsplätze. Sie sind die Quelle für die sozialen Leistungen von Staat und Kommunen. Sie sorgen damit für den Wohlstand von uns allen. Dafür verdienen sie mehr Achtsamkeit und Respekt“, stellte Gößl klar.
Gabriele Bauer dankte Gößl, dass die Wahl für seinen Auftaktbesuch bei den oberbayerischen IHK-Regionalausschüssen auf Rosenheim gefallen war. Sie sah darin einen „Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung“. Dies untermauere den Willen der IHK, „das partnerschaftliche Miteinander von Wirtschaft und Kommunen auch weiterhin zu unterstützen“, so Bauer. Die Oberbürgermeisterin lobte die verlässliche Zusammenarbeit in zahlreichen Projekten wie beispielsweise beim Digitalen Gründerzentrum Stellwerk 18, der Ausbildungsmesse IHK jobfit oder der Langen Nacht der Weiterbildung. „Die IHK mit ihrem wirtschaftlichen Sachverstand ist außerdem ein wichtiger Impulsgeber für die Kommunalparlamente“, stellte Bauer fest. Manfred Gößl ging auf die Struktur der Rosenheimer Wirtschaftslandschaft ein und betonte, die IHK sei allen gewerblichen Unternehmen verbunden – „von Soloselbstständigen bis zu den DAX-Konzernen“.
Der Hintergrund: 96 Prozent der IHK-Mitglieder haben weniger als 20 Mitarbeiter, die Mehrheit der Unternehmer sind Soloselbständige. Erst das Zusammenspiel von Kleinstunternehmen, vorwiegend familiengeführten Mittelständlern und Großunternehmen mache die Wirtschaft stark, bekräftigte daher Gößl.
Insgesamt 390000 Mitgliedsunternehmen zählt die IHK in ganz Oberbayern, davon über 27500 in Stadt und Landkreis Rosenheim. „Wir werden uns mit passgenauen Angeboten künftig noch mehr um die Einzelkämpfer und die Kleinstunternehmen kümmern, die ganz besonders mit der Fülle und Komplexität der aktuellen Gesetzgebung zu kämpfen haben.“
Der IHK-Chef betonte aber auch den Einsatz der Industrie- und Handelskammer für gesamtgesellschaftliche Themen. Gößl nannte Beispiele wie die berufliche Aus- und Weiterbildung, das Kümmern um lernschwache Schüler, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt oder das Eintreten für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
Gerade die in der Region kontrovers geführte Diskussion um den Brenner-Nordzulauf zeige, dass die IHK neben den ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte im Blick habe, so Gößl. „In der IHK-Positionierung zum Brenner-Nordzulauf haben sich der Regionalausschuss Rosenheim, der Verkehrsausschuss und die Vollversammlung klar und deutlich für einen umwelt- und insbesondere für die Anwohner verträglichen Ausbau ausgesprochen.“
In seinem abschließenden Überblick zu Themen, in die sich die IHK derzeit in der politischen Debatte einbringt, spannte Gößl den Bogen von der Energiepolitik, überbordender Bürokratie, effizientes Flächenmanagement bis hin zur notwendigen Digitalisierung von Verwaltungsabläufen. Beim Stichwort eGovernment ergriff Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, das Wort und appellierte an die anwesenden Politiker und Mitarbeiter von Wirtschaftsförderung und Verwaltung: „Für unsere Unternehmen ist eGovernment ein absolutes Effizienzthema. Hier gibt es noch jede Menge zu tun. Machen Sie deshalb die Digitalisierung in der Verwaltung zu ihrer Herzenssache.“ Zum Ausklang der Sitzung nutzen Unternehmer und Politiker die Gelegenheit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch.