INterview mIt Sanierungsfachmann Hans-Joachim Ziems

von Redaktion

Wie haben Sie den Konzern vorgefunden?

Ein technologisch hochqualifiziertes Unternehmen mit vielen kompetenten Mitarbeitern, aber eine Organisation ohne einheitliche Koordination, die mit ihrem schnellen Wachstum nicht Schritt gehalten hat.

Was haben Sie in die Wege geleitet?

Wir sind selbst ins Management gegangen, um ein komplettes Sanierungskonzept zu entwickeln und die Umsetzung zu steuern.

Als Sanierungsexperte sind Sie gefragt. Was zeichnet Ihre Arbeit aus?

Wir übernehmen in Krisenfällen Verantwortung für die Erstellung und Umsetzung von Restrukturierungskonzepten und verstärken mit unseren Mitarbeitern das Unternehmensmanagement. Mit über 20 Jahren Sanierungserfahrung erkennen wir schnell die Schwachstellen in Unternehmen und können entsprechend effizient einschreiten.

Sind Sie von Anfang an geholt worden, um einen Verkauf in die Wege zu leiten? Wie sahen die Versuche der Sanierung aus?

Es war absehbar, dass das Unternehmen im Kerngeschäft wohl auf Dauer zu klein sein würde, um das notwendige Wachstum auch langfristig und profitabel zu sichern. Daher wollten wir einen Teil des Unternehmens verkaufen, um das Kerngeschäft sanieren zu können. Da bot sich der Partner Continental als Käufer für die Automotive-Sparte an. Im zweiten Schritt hätten wir nun das Kerngeschäft selbst sanieren können, um vielleicht später einen Käufer oder Partner zu finden. Parallel haben wir Gespräche mit Ericsson geführt. Es war eine interessante Option, gleich an einen Strategen zu verkaufen.

Wie gehen Sie mit der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und der Inhaberfamilie um?

Wir wollen immer zuerst das Unternehmen retten. Davon profitieren Mitarbeiter, Gläubiger und Gesellschafter.

Wie kam der Deal mit Ericsson zustande?

Der Antennenmarkt befindet sich zurzeit in einer massiven Konsolidierungsphase mit hohem Preisdruck. Die beiden europäischen Traditionsunternehmen Ericsson und Kathrein verbinden eine langjährige technologische Partnerschaft und starke industrielle Synergien. Für Ericsson ist die Stärkung der eigenen Antennenkompetenz ein weiterer wichtiger Schritt in der Portfolio-Strategie für Mobilfunknetze.

Und letztlich: Nach welchem Credo arbeiten Sie?

Unternehmenskrisen erfordern schnelle und pragmatische Entscheidungen. Egal, wie aussichtslos eine Situation erscheint: Man darf nicht aufgeben und muss nach einer Lösung suchen. Dafür stehen wir.

Interview: Silvia Mischi

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