Das Ringen um Fachkräfte von morgen

von Redaktion

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) stellte beim Maschinenbauer Brückner in Siegsdorf aktuelle Zahlen und neue Strategien zur Fachkräftesicherung vor. An Ideen mangelt es regionalen Betrieben nicht.

Siegsdorf – Weniger Bürokratie. Neue Wege, um junge Leute für Ausbildung und Weiterqualifizierung zu begeistern. Mehr Möglichkeiten, ausländische Fachkräfte, Mütter und Ältere in die Unternehmen zu holen. Dies und mehr sind Ideen regionaler Unternehmen, wie Fachkräfte neu gewonnen oder gebunden werden könnten. Sie trafen sich vor Kurzem auf Einladung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) beim Maschinen- und Anlagenbauer Brückner in Siegsdorf. Ihr gemeinsames Thema: Das Ringen um Fachkräfte.

71000 Fachleute fehlen in Oberbayern

Nach einer aktuellen Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) werden im Jahr 2025 rund 2,9 Millionen Fachkräfte am deutschen Arbeitsmarkt fehlen. Allein in Bayern können dadurch 350000 Stellen nicht mit qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. In Oberbayern beträgt der Anteil 71000.

Die Situation in der Region und Lösungswege in den unterschiedlichen Branchen beleuchteten die Inhaber regionaler Unternehmen, darunter Dr. Peter Schöttl vom Futtermischtechnik-Spezialisten Siloking aus Tittmoning und Frank Eberle von Alpma Alpenland Maschinenbau aus Rott.

Wo es aktuell hakt, machte Stefan Neumann, kauf-männischer Geschäftsführer bei Brückner und stellvertretender Vorsitzender der vbw-Bezirksgruppe München-Oberbayern, deutlich. Trotz steigender Beschäftigung und sinkender Arbeitslosenzahlen sei die Zahl der offenen Stellen in den letzten sieben Jahren um mehr als ein Drittel auf 37000 gestiegen.

Die größte Nachfrage in Oberbayern machte Neumann im Bereich Produktion und Fertigung mit 10000 offenen Stellen aus. Danach folgen Verkehr und Logistik sowie der kaufmännische Bereich mit jeweils rund 6000 unbesetzten Posten. „Ähnliches gilt für den Gesundheits- und Sozialbereich“, so Neumann. Eine deutliche Schere tue sich auf zwischen dem sich abzeichnenden Überschuss an Akademikern und dem sich verschärfenden Mangel an beruflich Qualifizierten. Immer schwieriger wird es für die Betriebe zudem, Fachpersonal am jeweiligen Betriebsstandort zu finden. „Produktions- und Wachstumspotenziale können dadurch nicht mehr ausgeschöpft werden“, bilanzierte Neumann. Zur Sicherung künftiger Fachkräfte sieht der vbw fünf Handlungsfelder: Eine breite Bildungsoffensive zur talentorientierten Ausbildung junger Menschen, bessere Beschäftigungschancen für Arbeitslose, Erleichterungen für den Wiedereinstieg von Müttern und längere Erwerbstätigkeit älterer Menschen.

Dazu komme die Notwendigkeit, Arbeitszeitpotenziale besser und flexibler auszuschöpfen und Fachkräftelücken gezielt mit qualifizierten Zuwanderern zu schließen.

Andreas Reisert, Geschäftsführer der AR Systemgastronomie aus München, sah geringere bürokratische Hürden, günstigeren Wohnraum und bessere ÖPNV-Anbindungen als Voraussetzungen, um Gastronomie-Berufe im Großraum München attraktiv zu machen.

Berufliche Bildung als beste Ausgangsbasis

Frank Eberle, Geschäftsführer des Molkerei- und Käsereimaschinenbauers Alpma, brach angesichts immer komplexer werdender Maschinen und Berufe eine Lanze für Ausbilder, Coaching-Angebote und „Umfeld-Arbeit“, um junge Auszubildende an das Unternehmen zu binden und auf die wachsenden Anforderungen in einer digital-globalisierten Berufswelt vorzubereiten. Wichtig sei, junge Leute für die berufliche Bildung zu gewinnen.

Dr. Peter Schöttl, Geschäftsführer von Siloking Mayer, führte den wachsenden Konkurrenzdruck in der Metall- und Elektroindustrie bei der Stellenbesetzung ins Feld. Die betreffe Lackierer, Fachlageristen, Controller sowie Finanz- und Lohnbuchhalter. Bei wachstumsbedingten Neueinstellungen greife man zunehmend auf Mitarbeiter aus dem Ausland zurück. Auch mit Flüchtlingen gebe es gute Erfahrungen.

Zur Umsetzung konkreter Maßnahmen wollen vbw und die Bayerische Staatsregierung mit der „Initiative Fachkräftesicherung+“ bis 2023 rund 250000 zusätzliche Fachkräfte mobilisieren.

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