Kathrein-Gesellschaft kämpft um Erhalt

von Redaktion

Während der Verkauf der Mutterfirma von Tag zu Tag näher rückt, kämpfen die drei verbliebenen Kathrein-Gesellschaften um ihren Selbsterhalt. Zum Beispiel der einstige SATBereich, der jetzt unter dem Namen Kathrein Digital Systems firmiert.

Rosenheim – Es geschah still hinter den Kulissen: Während der Verkauf der Kernsparte Mobilfunk an Ericsson im Vordergrund stand, hat die Kathrein-Geschäftsführung um Sanierer Hans-Joachim Ziems die drei weiteren vom Verkauf unberührten Geschäftsfelder Satellitenempfang, Rundfunkantennen und Internet der Dinge, verselbstständigt.

Nun wurde der einst in Thansau beheimatete SAT-Bereich umbenannt in Kathrein Digital Systems und zog in Rosenheim.

Mitarbeiter kämpfen um Ruf der Marke

Die derzeit 91 Mitarbeiter tun laut IG Metall alles dafür, mit ihrer Gesellschaft erfolgreich zu bleiben und haben jetzt sogar einen Österreich-Vertrieb auf die Beine gestellt, um den dort günstigen Markt für sich zu nutzen.

Spezialisiert ist Kathrein Digital Systems auf TV-Empfangsanlagen und -antennen, gilt als Marktführer für den digitalen Empfang von Satellit, Terrestrik, Kabel oder IP. Ein Schwerpunkt bildet die smarte Vernetzung der Signale in Gebäuden und Wohnmobilen. Die Gesellschaft selbst zählt ihre Lösungen und Systeme „zur absoluten Spitzenklasse“, die Qualitätsstandards in der Fertigung sind laut eigenen Aussagen „unübertroffen“. Unabhängig davon will Sanierer Ziems diesen etablierten Bereich ebenso verkaufen, wie er in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte: „Die Rundfunk- und SAT-Sparte werden wir ebenfalls veräußern.“

Derweil kämpfen die laut Ziems hoch qualifizierten Mitarbeiter der neuen Kathrein-Gesellschaften um den guten Ruf ihrer Produkte am Markt. Denn, wie es aus Branchenkreisen heißt, gilt das Image des einstigen Antennen-Weltmarktführers Kathrein als angekratzt, und es werde auch noch dauern, bis sich die Lage wieder beruhigt habe. Darauf angesprochen, heißt es von der Kathrein SE: „Entscheidend im Verkauf sind Produktqualität und Lieferfähigkeit. Dass Kathrein seit Jahrzehnten dafür steht, wissen auch unsere Kunden.“ Man versuche darüber hinaus, „eventuellen Unsicherheiten auf Kundenseite durch eine offene Kommunikation entgegenzuwirken.“

Dennoch hat das Unternehmen ein weiteres, großes Problem, das die eigenständigen Gesellschaften weniger hart trifft: Hinter vorgehaltener Hand heißt es, von der Belegschaft sei das größte fachliche Know-how bereits abgewandert, in den verbleibenden drei Bereichen hingegen sei noch das meiste hoch qualifizierte Personal zu finden.

Und so wissen die nun eigenständigen Gesellschaften wie Kathrein Digital Systems die neue Unabhängigkeit zu schätzen: Geschäftsführer Michael Auer hebt die Vorteile der Eigenständigkeit hervor: „So können wir künftig unsere Freiräume und unsere Flexibilität optimal nutzen.“ Man habe Stärken, die man zum Nutzen der Kunden voll entfalten könne. Der neue Firmenname sei Programm: Als Vollsortimenter und Systemlieferant ist unser Portfolio sehr breit gefächert.“ Das Digital Systems-Team geht seinen Weg trotz Ziems‘ Verkaufsplänen und hat mit dem Österreich-Vertrieb große Pläne: „Österreich ist und war für uns neben dem deutschen Markt schon immer ein wichtiges Standbein. Deswegen war es uns wichtig, hier weiter mit einem starken Team vertreten zu sein“, sagt Uwe Thumm, Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für Vertrieb. „Aber auch das weitere internationale Geschäft, das für uns noch viel Potenzial bietet, wollen wir verstärkt mit eigenen Niederlassungen und Partnern in den jeweiligen Regionen angehen“, verrät er.

Hat der Name Kathrein Bestand?

Auf die Frage, ob es einen Zeitrahmen für den Verkauf von Kathrein Digital Systems gebe, antwortete eine Sprecherin, es solle eine nachhaltige Lösung gefunden werden, „die allen Stakeholdern gerecht wird.“ Daher könne man derzeit auch keinen Zeitraum angeben, in dem ein Verkauf abgeschlossen sein wird. „Ob der Name Kathrein Bestand hat“, so die Sprecherin weiter, „hängt auch vom Investor ab, daher können wir auch dazu derzeit noch keine Angaben machen.“

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