München/Burghausen – Am Standort Burghausen hat Siltronic 120 von insgesamt 550 Leiharbeitern aus seiner Produktion abgemeldet. Laut einer Unternehmenssprecherin liege dies an der gesunkenen Auslastung bei der Herstellung von Wafern aus Silizium, die dort in verschiedenen Größen für die Halbleiterindustrie produziert werden. Unter den betroffenen Zeitarbeitern ist auch eine 30-jährige Waldkraiburgerin, die zuletzt in Vollzeit und im Schichtbetrieb bei Siltronic gearbeitet hatte, und das seit mehreren Jahren. „Von einem Tag auf den anderen war´s vorbei“, schildert sie unserer Zeitung. „Mir wurde gesagt, im September brauchen sie uns Zeitarbeiter wieder. Mal schauen, ob das auch stimmt.“
Wert der Aktie hat sich fast halbiert
Siltronic selbst geht Ende des Jahres wieder von einer Verbesserung der Lage aus. Für Aufregung sorgte jetzt allerdings ein erneuter Schwächeanfall der Siltronic-Aktie, in dieser Woche sackte ihr Wert teils um über 13 Prozent ab. Ende April war das Papier noch knapp 90 Euro wert, nun um die 55 Euro. Auch die Wacker-Aktie geriet daraufhin unter Druck, hält die Wacker Chemie doch über 30 Prozent Anteile an Siltronic. Ein weiterer Schock, nachdem das Münchener Unternehmen mit großer Produktion in Burghausen bereits im Frühjahr seine Anleger mit einer eher düsteren Prognose für die nähere Zukunft verschreckt hatte. Damals gab Konzernchef Christoph von Plotho bekannt, eine schwächere Nachfrage nach Halbleiterwafern – die in Burghausen für Abnehmer aus der ganzen Welt gefertigt werden – und steigende Energiekosten würden Siltronic 2019 belasten.
Weiter korrigiert der Halbleiterhersteller die Prognosen für wichtige Kennziffern im laufenden Geschäftsjahr nach unten. Die Gründe: Geopolitische Unsicherheiten sowie Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologieunternehmen, was sich negativ bemerkbar mache. Wichtige Kunden hätten Aufträge für das zweite Halbjahr deutlich reduziert. Siltronic beliefert unter anderem Hersteller von Speichern, Mobiltelefonen, Fahrzeugen, Computern, Unterhaltungselektronik sowie die Industrie.
Der Umsatz, den man nun erwartet, liegt zehn bis 15 Prozent unter dem von 2018. Damals waren es 1,45 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie hatte sich damals auf 12,44 Euro verdoppelt. Vorstand und Aufsichtsrat wollten auf der Hauptversammlung am 5. Mai in diesem Jahr vorschlagen, die Dividende auf fünf Euro je Aktie zu erhöhen. Am Ende sind es nun 3,80 Euro. Schon einmal stand Siltronic fast mit dem Rücken zur Wand, als zwischen 2010 und 2016 die Preise für Wafer unter Druck standen und in Burghausen die Produktion zeitweise 30 Prozent Unterauslastung verkraften musste. Doch Siltronic konnte unter Konzernchef von Plotho seine Stellung als einer der wenigen, weltweit führenden Wafer-Hersteller halten.
Die Wacker-Tochter erwartet nun zum zweiten Quartal einen „deutlichen“ und vom zweiten zum dritten Quartal einen weiteren Umsatzrückgang, wie es heißt. Kein gutes Signal an die Burghausener Zeitarbeiter. Elisabeth Sennhenn