Kein Hitzefrei für den Handwerker

von Redaktion

Sommerzeit, Hitzezeit. Und zugleich Hochsaison für alle Handwerksarbeiten, die an der frischen Luft getan werden müssen. Wie schützen sich Dachdecker und Gartenbauer vor der Hitze und was macht ein Techniker, der stets für seine Kunden im Einsatz ist?

Rosenheim/BadAibling/Ampfing – 34 Grad im Schatten, bis zu 14 Sonnenstunden am Tag: Das macht auch dem gestähltesten Handwerker zu schaffen. Wer bei diesen schon hochsommerlichen Temperaturen draußen arbeiten muss, oder viel im Auto unterwegs ist, der hat´s gerade nicht leicht.

Und es werden Erinnerungen wach an den Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr, in der Hoffnung, dass es heuer ein bisschen erträglicher wird.

Abgewechselt im Halbstunden-Takt

Carlotta Büchner vom Ampfinger Garten- und Poolbauunternehmen „Der Garten und mehr“ erzählt von einer Extremsituation vergangenes Jahr: „Auf einem mehrere hundert Quadratmeter großen Dach in der Münchener Innenstadt sollte ein Kunstrasen angebracht werden. Es hatte draußen 38 Grad, auf dem Dach herrschten aber gut und gern 45 Grad.“ Die Garten- und Landschaftsbauer hätten sich „halbstündlich“ abwechseln müssen, um diesen anstrengenden Arbeitstag zu überstehen. Für die 25 Mitarbeiter des Ampfinger Spezialisten, die auf Baustellen zwischen Mühldorf und München unterwegs sind, ist jetzt Hochsaison. Büchner sagt, mit den aktuellen Temperaturen kämen die Kollegen nur klar, weil sie um sechs Uhr morgens loslegten und mittags konsequent pausierten: „Wenn vor Ort kein Schatten ist, verbringen wir die Mittagspause im Fahrzeug.“ Das Team achte gegenseitig sehr aufeinander: „Viel trinken und Sonnenschutz, das ist das Mindeste.“ Und wenn es sehr heiß ist, stelle der Chef noch mal extra Getränke zur Verfügung – „und Eis!“

Damit machen sie schon vieles richtig. Studien belegen, dass bei hohen Temperaturen das Risiko für Herz-Kreislaufbelastungen sowie für Arbeitsunfälle steigt, so die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Beschäftigte hätten allerdings keinen Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder gar Hitzefrei, klärt Dr. Kersten Bux von der BAuA auf. Das Arbeitschutzgesetz verpflichte den Arbeitgeber aber dazu, „eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst zu vermeiden“ und restliche Gefährdungen möglichst niedrig zu halten. Das ist bei Außenarbeiten mitunter eine Herausforderung. Bux rät daher zu flexiblen Arbeitszeiten, vermeiden schwerer körperlicher Arbeit während der heißesten Stunden, mehreren kurzen Pausen zusätzlich und Verzicht auf Überstunden. Und zu ausreichend Flüssigkeit. Je nach Körpergewicht zwischen 1,8 und 2,5 Litern am Tag, bei Hitze mindestens einen Liter mehr. „Wasser marsch“ heißt es daher für alle, die zum Beispiel auf dem Dach arbeiten.

So ist etwa Stefan Glas, Geschäftsführer von Holzbau Glas aus Bad Aibling besonders wichtig, dass seine 20 Zimmerer, Schreiner, Holzbautechniker, Dachdecker und Azubis ausreichend Wasser zu sich nehmen. Die Zeiten, in denen eher mal das kühle Bier auf der Baustelle die Runde machte, seien eh vorbei. Das Glas-Team organisiert sich bei großer Hitze von alleine um, „sie sprechen sich kurzfristig untereinander ab und sind dann öfter schon gegen sechs Uhr früh auf der Baustelle.“ Das ist auch die Devise beim Rosenheimer Malerbetrieb Hübsch. Fassaden streichen in der prallen Sonne – das klappt nur, wenn die Maler frühmorgens die Pinsel schwingen, schildert Malermeister Oliver Hübsch, der mit seinem Bruder Helmut in dritter Generation die Geschäfte der Maler- und Gerüstbauerfirma führt. „Jetzt ist für uns absolute Hochsaison.“ Also müsse rangeklotzt werden, um alle Aufträge über den Sommer fertig zu bekommen. „Es hilft nichts, da müssen wir durch“, gibt sich Hübsch pragmatisch.

Branchen engagieren sich gegen Hautkrebs

Hübschs Mitarbeiter, viel mehr aber noch Arbeiter am Bau, die bei Hitze gern mal den Oberkörper frei machen, sind statistisch gesehen verstärkt dem Risiko einer Hautkrebserkrankung ausgesetzt. Seit 2015 können bestimmte Formen, diedurch Sonneneinstrahlung verursacht werden, als Berufskrankheit anerkannt werden. Die Baubranche gab vor Kurzem bekannt, dem Hautkrebs den Kampf anzusagen: Die Verbände des deutschen Baugewerbes haben mit der IG Bau und den Berufsgenossenschaften eine Sozialpartnerschaft abgeschlossen, die Aufklärung und Prävention in Sachen Hautkrebs vorantreibt. Laut Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe sollen Unternehmen dabei einmal jährlich ihre Mitarbeiter zur ärztlichen Vorsorge schicken, auch die Kosten dafür tragen. Die Initiative tragen neben der Baubranche unter anderem Verbände aus Garten- und Landschaftsbau, Gerüstbau, Abbruch, Agrar und Umwelt, Landwirtschaft und Forsten mit. Ursprünglich war eine Pflichtvorsorge in der Diskussion, diese ist laut Pakleppa in Absprache mit dem Bundesarbeitsministerium vom Tisch.

Früh mit der Arbeit beginnen heißt auch, weniger von der schädlichen UV-Strahlung, die in der Mittagszeit ihren Höchststand erreicht, abzubekommen. Dennoch können Betriebe nicht völlig frei wählen, wann es losgeht: Sechs Uhr morgens sei in seinem Gewerk der frühest mögliche Zeitpunkt, und zwar aus Lärmschutzgründen, erklärt Zimmerer- und Dachdeckermeister Glas. Er ergänzt, dass die Kunden aber viel Verständnis dafür hätten, wenn schon vorm Frühstück gehämmert und gewerkelt werde.

Kunden: Verständnis und kalte Getränke

Verständnis und Wertschätzung für die körperlich teilweise sehr schwere Arbeit trotz Hitze: Carlotta Büchner aus Ampfing findet auch, dass die Kunden seit einiger Zeit „verstärkt mehr Respekt vor unserer Leistung zeigen.“ Manche brächten Getränke, „andere haben sogar schon gekocht für uns.“ Insgesamt, sagt sie, seien ihre Kollegen aber von Haus aus Menschen, „die gern draußen arbeiten, egal bei welcher Witterung. Sonst hätten sie sich diesen Beruf nicht ausgesucht.“ Denn Sonne und frühes Arbeiten im Sommer seien das eine – „Im Winter ist es für uns eigentlich viel anstrengender.“ Denn da räumt das Team im öffentlichen und gewerblichen Raum sowie auf Bundesstraßen. „Dann ist es nicht nur richtig kalt, sondern wir fangen sogar schon um vier Uhr an“, lacht Büchner.

Vertriebler und Techniker, sind in der Regel viel im Auto unterwegs, stets auf dem Weg zum nächsten Kunden. Bei Hitze kein Vergnügen. Gut gelöst hat man das Problem bei Knogler Kaffeemaschinen aus Raubling, die im Raum Rosenheim Service rund um die Kaffeemaschine in Gastronomie und Haushalt anbieten. Geschäftsführer Stephan Knogler fasst seine Hitze-Strategie in einem knappen Satz zusammen: „Wir arbeiten einfach in unseren gut klimatisierten Kellerräumen.“

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