Bad Aibling –„Statistisch gesehen gibt´s das bei uns in der Region nur alle 58 Jahre, dass sich die versammelte bayerische SHK-Branche hier trifft“, scherzt Rosenheims Innungsobermeister der Sanitär-, Heizungs- und Klimafachbetriebe, Gerhard Hardrath. Was er damit meint: Gerade tagen 400 bayerische Innungsbetriebe in Bad Aibling im Rahmen des neunten SHK-Kongresses, der morgen mit einer Fachtagung voller Schwerpunktthemen endet.
Eines davon: Die Energiewende. Denn bis zum Jahr 2050 strebt Deutschland einen klimaneutralen Gebäudebestand an; CO2-Emissionen sollen im Vergleich zu 1990 um mindestens 80 Prozent reduziert werden.
Es entstehen sogar ganz neue Berufe
Das betrifft in erster Linie die Gebäudetechnik, doch gleich danach auch die Sanitär-, Heizungs- und Klimaexperten, welche neue Technologien kennen, einbauen und warten müssen. Etwa hochmoderne Heizungsanlagen, welche in den kommenden Jahren, wie Branchendienste schätzen, verstärkt alte Ölheizungen ersetzen werden. Auch Wärmepumpen sind ein Thema, das sich demnach langsam, aber stetig durchsetzt. „Die Umsetzung der Klimaziele ist eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre“, so Dr. Michael Pietsch, Präsident des Spitzenverbands der Gebäudetechnik VdZ. In Folge dessen wachse auch das Angebot an klima- und ressourcenschonenden Heiz- und Lüftungstechniken. „Die Energiewende, vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien, ist für uns nichts total Neues“, resümiert Gerhard Hardrath, „wir kennen uns mit der Materie aus und beschäftigen uns laufend damit.“ Als Beispiel nennt er den Einsatz von Pellets und Hackgut zum Heizen und das Thema Solar. „Der Begriff Solateur ist einer von vielen neuen Berufsbezeichnungen, die unsere Branche kreiert hat“, beschreibt Hardrath die Wandlungsfähigkeit der SHKler. „Der Nachwuchs kommt auch deshalb gerne zu uns, weil er in der Branche etwas zur Energiewende beitragen kann.“
Der Innungsobermeister gibt aber auch zu: „Das leidige Thema Fachkräftemangel wird sich auch bei uns widerspiegeln.“
Das untermauert zum Beispiel eine aktuelle Studie, die das Münchner ifo Institut im Auftrag der Vereinigung der Deutschen Sanitärwirtschaft, des VdZ und des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie anlegte. Demnach kann sich die Branche zwar über steigende Umsätze freuen – deutschlandweit waren es 2017 in der Haus- und Gebäudetechnik inklusive Sanitär- und Heizungswirtschaft über 44 Milliarden Euro; für 2018 geht man von über 47 Milliarden Euro aus. Aber gleichzeitig, so die Studie, fehlten der deutschen SHK-Branche bis zum Jahr 2035 rund 30000 Arbeitskräfte, 2050 würden bereits 130000 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Gerhard Hardrath und seine Berufskollegen wissen, was das für den Endkunden bedeutet: „Wartezeiten für sie werden sich unweigerlich einstellen.“
Branche hat ihr Image erfolgreich gewandelt
Momentan sei es noch so, dass Wartezeiten eher aufgrund der guten Auftragslage unumgänglich seien: „Den bayerischen Betrieben geht es gut.“ An Aufträgen sollte es ihnen bis 2050 auch nicht mangeln, geht es nach den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums: Rund 13 Milliarden Euro müssen dessen Berechnungen nach insgesamt investiert werden, damit die Klimaziele erreicht werden. Geld, das in großen Teilen in die Gebäudetechnik fließen soll. Dass es den bayerischen SHK-Betrieben gerade sehr gut geht („wir erwarten das auch für die nächsten Jahre“), zeigt Hardrath zufolge auch die hohe Resonanz auf den Kongress in Bad Aibling, der samt Programm, Übernachtungen und „so manchem neuen Anzug extra für die Veranstaltung“ schätzungsweise für eine regionale Wertschöpfung von rund 350000 Euro sorge. Noch sei auch die Beschäftigtenzahl in der Region stabil.
Das liege unter anderem am aufgefrischten Image des Sanitärfachmanns, Klimatechnikers oder Heizungsbauers: „War früher die Arbeit schwer und schmutzig, hat sich der Beruf gewaltig gewandelt. Modernste Systeme, speziell in der Gebäudeleittechnik, verlangen ein großes Wissen, auch in der Elektronik“, zählt Innungsobermeister Hardrath auf. „Computer, Laptop und Smartphone sind heute unsere stetigen Begleiter. Anlagen werden stetig optimiert und verbessert. Die Zeiten der dreckigen Latzhosen sind vorbei.“
Berufsschulen
spielen wichtige Rolle
Das bestätigt auch die ifo-Studie: Die Digitalisierung habe die Branche stark vorangetrieben. Das mache sie für Schulabgänger interessant, weiß man auch bei dem VdZ. „Die geplanten Investitionen garantieren langfristige Planungssicherheit“, so Geschäftsführer Dr. Michael Herma. Junge Menschen seien gut beraten, in die SHK-Branche zu gehen.
Welch wichtige Rolle bei der Ausbildung die Ausstattung der jeweiligen Berufsschule spielt und ob diese den digitalen Wandel abbildet, wissen die Ausbildungsbetriebe.
Hardrath lobt in diesem Kontext die Berufsschule Bad Aibling, die als „Industrie 4.0“-Schule gilt. Nach Erweiterung und Modernisierung 2014 für 31,5 Millionen Euro erwartet Lehrlinge dort modernste Technik, vom Pelletsheizkessel über Gasthermen bis zu Heizungsregelungsprüfständen und Wärmepumpen: „Dass dies nicht selbstverständlich ist, bekomme ich als Vorstandsmitglied im Fachverband SHK Bayern immer wieder mit.“Elisabeth Sennhenn