Osram verkauft Leuchtengeschäft Siteco

von Redaktion

Neuer Eigentümer des Traunreuter Standorts ist Stern Stewart Capital aus München – Perspektive für die 900 Mitarbeiter

München/Traunreut –Der Münchener Osram-Konzern hat nach langem Hin und Her nun einen Käufer für sein schwaches Leuchtengeschäft Siteco gefunden. Das Traunreuter Unternehmen wurde an die Beteiligungsgesellschaft Stern Stewart Capital veräußert. Zum Verkaufspreis wollen sich beide Unternehmen nicht äußern.

Für die 900 Traunreuter Mitarbeiter bedeute dies „eine gute Perspektive“, so Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender der Osram Licht AG, gestern in einer Mitteilung. Zunächst werden alle Beschäftigten übernommen.

Droht ein Schicksal wie bei Ledvance?

„Was der neue Eigentümer für später plant, ist uns nicht bekannt“, sagte gestern ein Osram-Sprecher den OVB-Heimatzeitungen. Jochen Hafner von der Rosenheimer IG Metall sagt, eine Münchener Beteiligung sei eher begrüßenswert als etwa ein chinesischer Investor, und erinnert an die Osram-Tochter Ledvance, die erst einmal ausgegliedert wurden. Jetzt wird der Standort in Augsburg dicht gemacht. Über 600 Mitarbeiter des Lampenwerks und 100 Logistik-Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen, deutschlandweit baut Ledvance 1300 von 2300 Stellen ab.

Fakt ist, und das betont auch Hafner zur Beruhigung: Der Name Stern Stewart Capital ist in Traunreut kein unbekannter. Die Investmentsparte der Münchener Strategieberatung Stern Stewart & Co. unterstützt Osram bereits seit 2016 bei Projekten, seit 2017 auch im Transformationsprozess bei Siteco selbst. Osram-Sprecher Jens Hack machte gegenüber unserer Zeitung deutlich: „Stern Stewart verfolgt einen klaren unternehmerischen Ansatz.“

Durch die Trennung von Osram gewinne Siteco an unternehmerischer Freiheit, teilt der Konzern mit, „zudem verbessert sich die Kostenposition durch den Wegfall bisheriger Konzernstrukturen.“

Siteco lief über viele Jahre unprofitabel, galt unter Branchenkennern als Problemsparte. Das Geschäft mit Leuchten für Bürogebäude, Fabriken und Straßen litt unter rückläufigen Umsätzen, vor allem in den USA. Zwar machte Siteco seit Jahren Umsätze im dreistelligen Millionenbereich, 2018 über 204 Millionen Euro. Jedoch schloss kaum ein Geschäftsjahr mit nennenswertem Gewinn ab: 2012 schrieb man knapp 24 Millionen Euro Verlust, 2013 bildet ein Ausnahmejahr mit einem Gewinn von knapp über 31 Millionen Euro. Danach erzielte Siteco nur noch Gewinne im einstelligen Millionenbereich, 2017 und 2018 tendieren die Gewinne gegen Null. Gewerkschafter Jochen Hafner warnt: „Auch ein Beteiliger will am Ende Geld sehen.“ Und erinnert daran, dass die Mitarbeiter zuletzt große Zugeständnisse machten, um ihr Werk zu erhalten: „Das geht insgesamt seit 2005 so. Immer wieder haben die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet; speziell seit dem Sanierungsprogramm ab 2012.“ Insgesamt haben die Beschäftigten in Traunreut viel mitgemacht; haben mehrere Führungswechsel, Namensänderungen und Schließungsgerüchte überstanden. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte von 2012 an kontinuierlich von 1085 auf 779 (2018). Im Moment werden laut Hafner noch Kollegen aufgrund des im Hintergrund laufenden Restrukturierungsprogramms in Altersteilzeit verabschiedet. „Bald muss Ruhe einkehren“, fordert Hafner, damit man sich auf die Produkte und Kunden konzentrieren könne.

Solide Finanzen zugesichert

Siteco ist bislang tarifgebunden. „Wir hoffen, dass das so bleibt“, sagt der Gewerkschafter. Osram sei seinerzeit nicht leicht von einem Tarif zu überzeugen gewesen. Demnächst plane man ein Gespräch mit dem neuen Eigentümer, dem Betriebsrat und der IG Metall, das den Zukunftskurs auslote. Osram indes will sich zum Hightech-Unternehmen wandeln, fokussiert sich auf Photonik. Man betont mit dem Investor, Siteco verfüge nach der Transaktion „über solide finanzielle Mittel“. Stern Stewart Capital versicherte, in den kommenden Jahren keine Dividenden aus der Siteco zu entnehmen. Elisabeth Sennhenn

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