Mühldorf/Waldkraiburg – Anlässlich des heutigen großen Treffens von bayerischen und regionalen Betriebs- und Personalräten in Waldkraiburg zum Thema „Zukunft der Arbeit“ (wir berichteten) hat unsere Zeitung mit dem Mühldorfer DBG-Kreisvorsitzenden Richard Fischer unter anderem darüber gesprochen, was die Betriebsräte vor Ort derzeit besonders beschäftigt. Fischer beobachtet etwa: „Menschliche Arbeitskraft wird immer abhängiger von Digitalisierung.“ Auf der einen Seite hieße dies eine Erleichterung der Arbeit, zum anderen „totale Abhängigkeit von vorgegebenen Systemen“. Immer weniger Menschen würden in Vollzeit arbeiten, „aber stundenmäßig rund um die Uhr, während immer mehr Menschen in Teilzeitjobs oder Minijobs mit geringer Stundenzahl beschäftigt sind“. Die Fachkräfte seien da, würden jedoch nicht in ausreichendem Maße beschäftigt: „Hier muss ein Umdenken vonseiten der Arbeitgeber eintreten.“
An manchen Standorten in der Region gibt es durch Übernahmen und Stellenabbau viel Unsicherheit, etwa in Weiding. Haben die Arbeitnehmervertreter im Blick, was künftig auf die Beschäftigten zukommt? Etwa auch im Zuge des erwarteten Konjunkturabschwungs ?
Da gibt es mehrere Bereiche, die Betriebsräte beschäftigen. Zum einen die Flucht von Arbeitgebern aus der Tarifbindung, die dazu führt, dass Tarifverträge nicht mehr eingehalten werden. Zum anderen die Belastung der Beschäftigten durch steigende Überstundenanforderungen. Außerdem die Abhängigkeit verschiedener Unternehmen von der Autoindustrie, etwa durch den Rückgang der Produktion. Dadurch ergibt sich eine Unsicherheit für die Beschäftigten, den Erhalt des Arbeitsplatzes betreffend, was zu Kündigung oder Kurzarbeit führen kann. Zum Standort Weiding wäre zu sagen, dass diese Situation schon in der Vergangenheit keine Ausnahme war. Eine Teilung von Unternehmen fördert die Möglichkeit, Standorte aufzulösen oder zu verlagern, etwa durch Subunternehmen und den schrittweisen Abbau von Arbeitnehmerrechten.
Hängen gute Weiterbildung und Arbeitsplatzsicherheit in der Region von Engagement und der Größe der Firmen ab?
Jedem Betrieb muss daran gelegen sein, gut ausgebildete Mitarbeiter zu haben. Gerade im Bereich der Digitalisierung müssen alle mitgenommen werden. Hier sind es vor allem größere Unternehmen und Konzerne, die auch aufgrund der Einflussnahme von Betriebsräten besser und schneller dazu in der Lage sind. Während es in kleineren Firmen oder familiengeführten Unternehmen vom „Goodwill“ des Chefs abhängig ist und von den finanziellen Möglichkeiten.
Welches sind aus Ihrer Sicht die größten künftigen Herausforderungen?
Das Thema Datenschutz im Interesse der Arbeitnehmer, die Erfassung von Arbeitsleistung anhand der Stunden, genauso wie die Ausweitung der Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte. Wir brauchen ordentliche Beschäftigungsverhältnisse statt beispielsweise Leiharbeit. Es muss klar sein, wohin unser Weg führt. Wollen wir durch Algorithmen die menschliche Arbeitskraft verdrängen oder wollen wir zum Beispiel in der Pflege den menschlichen Kontakt behalten. Interview: Elisabeth Sennhenn