Langes Warten auf Fachkräfte

von Redaktion

Fachkräftemangel ist auch im Raum Rosenheim großes Thema. Bis freie Stellen wieder mit einer Fachkraft besetzt sind, dauert es im Schnitt 130 Tage, in Mühldorf 123 Tage. Die Arbeitsagenturen haben dazu eine Engpassanalyse erstellt.

Rosenheim/Mühldorf – Fachkräftemangel – bei diesem Thema raufen sich viele Firmenchefs die Haare. Denn es dauert lange, mitunter sehr lange, bis freie Stellen wieder adäquat nachbesetzt sind. Über vier Monate warten Arbeitgeber im Agenturbezirk des Rosenheimer Arbeitsamts zum Teil auf Fachkräfte: Wie die Agentur für Arbeit Rosenheim in ihrer Engpassanalyse nun ermittelt hat, liegt die Wartezeit im Schnitt bei 130 Tagen.

„Verschiedene Faktoren wie der demografische Wandel, die hohe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sowie die steigende Zahl der Erwerbstätigen lenken den Blick verstärkt auf die Fachkräftesituation im Agenturbezirk Rosenheim, die in einigen Berufssegmenten bereits durch Engpässe geprägt ist“, sagt Dr. Nicole Cujai, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim.

Ähnlich ist das Bild im Agenturbezirk Traunstein, zuständig auch für den Landkreis Mühldorf. Dort beträgt die sogenannte Vakanzzeit – die Zeit vom gewünschten Einstellungstermin bis zur Abmeldung der Stelle bei der Arbeitsagentur durch den Arbeitgeber – im Mittel 123 Tage.

Großer Bedarf: Bau,

IT und Medizin-Berufe

Die aktuelle Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt nun, in welchen Berufen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung auftreten und wie sich die Situation regional darstellt. Da Arbeitgeber vor allem Fachkräfte suchen und das mittlerweile oft sehr lange, werden die Helferstellen und die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Helfer bei der Engpassanalyse außer Betracht gelassen.

Die Vakanzzeit spielt bei dieser Auswertung eine wichtige Rolle. Nicole Cujai: „Denn allein ein hoher Bestand an offenen Arbeitsstellen signalisiert noch keinen Fachkräftemangel.“

Laut der Analyse waren 2018 durchschnittlich gut 3400 Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Rosenheim gemeldet. Bei mehr als der Hälfte der Stellen betrug die durchschnittliche Vakanzzeit 130 Tage. In den Berufssegmenten medizinische- und nicht medizinische Gesundheitsberufe (177 Tage), fertigungstechnische Berufe (170 Tage), Bau- und Ausbauberufe (169 Tage), Fertigungsberufe (162 Tage) sowie IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe (147) blieben die Stellen durchschnittlich am längsten unbesetzt.

Ähnlich im Bezirk der Arbeitsagentur Traunstein: Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe lagen bei einer Vakanzzeit von 161 Tagen, fertigungstechnische Berufe bei 161 Tagen, Sicherheitsberufe bei 156 Tagen, Fertigungsberufe bei 149 Tagen, Bau- und Ausbauberufe bei 138 Tagen und IT und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe bei 135 Tagen.

Ein Lied davon singen kann Josef Willkommer, Geschäftsführer der Tech-Division GmbH mit Sitz in Kolbermoor: „Die Suche nach Fachkräften gestaltet sich allgemein schwierig. Im Technologie- und IT-Umfeld, in dem wir uns bewegen, ist dies zum Teil noch deutlich schwieriger. Gerade erfahrene IT-Spezialisten sind kaum zu kriegen“, erklärt Willkommer. Und er fügt hinzu: „Zum Teil sind bei uns Stellen auch deutlich länger als die genannten 147 Tage ausgeschrieben. In der Konsequenz bedeutet dies, dass wir bei Projektanfragen noch selektiver vorgehen und durchaus auch mal Anfragen oder Projekte aus Kapazitätsgründen ablehnen müssen.“

Anforderungen

werden immer höher

Hinzu kommt: Die Anforderungen an die Fachkräfte werden immer höher. „Die Digitalisierung und veränderte Arbeitsplatzanforderungen machen die Suche nach dem passenden Arbeitnehmer nicht unbedingt einfacher“, so Nicole Cujai. Sie weist deshalb auf ein neues Programm hin: Seit diesem Jahr könnten Arbeitgeber, unabhängig von der Betriebsgröße, bei der Arbeitsagentur aufgrund des Qualifizierungschancengesetzes unter bestimmten Voraussetzungen eine finanzielle Unterstützung beantragen, wenn sie ihre Mitarbeiter direkt am Arbeitsplatz weiterbilden. „Dieses kann in Form einer Anpassungsqualifizierung oder bis hin zum Berufsabschluss erfolgen.“

Lebenslanges Lernen erforderlich

Dr. Cujai betont, dass es unbedingt erforderlich sei, dass sowohl der Arbeitgeber als auch die Arbeitskräfte mit der Zeit gehen. „Wie verschiedene Analysen über die Auswirkungen der Digitalisierung ergeben, können immer mehr standardisierte Tätigkeiten von Computern und computergesteuerten Maschinen übernommen werden“, so die Agenturleiterin. „Lebenslanges Lernen muss selbstverständlich sein, damit der Anschluss an die Veränderungen der Arbeitswelt nicht verpasst wird. Jeder Arbeitgeber könnte so selber ein „Fachkräftemacher“ sein.

„Besonders beschäftigte Hilfskräfte haben durch die Unterstützung der Agentur die Chance, bei voller Gehaltsweiterzahlung einen Berufsabschluss nachzuholen. Deshalb rate ich jedem Weiterbildungswilligen, mit seinem Arbeitgeber ein Gespräch über die eigene berufliche Zukunft zu führen und die Fördermöglichkeiten zu nutzen“, so Nicole Cujai.

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