Rosenheim/Bad Reichenhall – Wasser wird weltweit zu einem immer knapperen Gut. Da passt es ins Bild, dass der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, der 2019 sein 100-jähriges Bestehen feiert, sich den Schutz der Ressource Wasser besonders auf die Fahnen geschrieben hat. Klaus Steiner, vormals Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Reichenhall, ist soeben zum neuen VBEW-Vorsitzenden gewählt worden. Der VBEW repräsentiert mit seinen 394 Mitgliedsunternehmen die bayerische Strom-, Gas-, Fernwärme-, Wasser- und Abwasserwirtschaft. Zu den Mitgliedern zählen kleine und mittlere, kommunale, private und genossenschaftliche Energie- und Wasserversorgungsunternehmen ebenso wie Konzerne. In der Region Südost gehören dazu zum Beispiel die Stadtwerke Rosenheim und Mühldorf sowie sämtliche Innkraftwerke. Steiner sprach mit unserer Zeitung über die Herausforderungen der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft.
Der VBEW ist gerade 100 Jahre alt geworden. Was waren die größten Meilensteine in der regionalen Energie- und Wasserversorgung in den vergangenen Jahrzehnten?
Die bayerischen Energie- und Wasserversorger haben in den letzten 100 Jahren eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Strom, Gas und Wasser sowie eine sichere Abwasserentsorgung aufgebaut. Die Energie- und Wassernetze zählen zu den zuverlässigsten weltweit. Diese hohe Versorgungssicherheit ist ein starker Standortfaktor für Bayern. Die größten Meilensteine dabei aufzuzählen fällt schwer, dafür waren es einfach zu viele. In der Stromerzeugung ist hier aber sicher die Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerkes im Jahr 1924 zu nennen. Im Bereich der Gasversorgung die Umstellung vom Stadtgas auf das umweltfreundlichere Erdgas in den 1960er und 1970ern.
Welches sind momentan die größten Herausforderungen?
Im Bereich der Wasserversorgung und auch der Abwasserentsorgung stellen die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels sowie die Thematik um Spuren- und Schadstoffe mit die größten Herausforderungen dar. In Zukunft kommt es vor allem darauf an, die Ressource „Wasser“ noch besser vor unserer Art zu wirtschaften zu schützen. Darüber hinaus liegt ein zum Teil erheblicher Sanierungs- und Investitionsbedarf vor. Die VBEW-Mitgliedsunternehmen benötigen dazu den politischen Willen und angemessene Wasserentgelte, um eine adäquate Investitionsquote ermöglichen zu können. Dafür bedarf es aber auch der Schaffung von Akzeptanz in der Öffentlichkeit.
Was beschäftigt die regionalen Versorger am meisten?
Für die Energieversorger in Bayern steht die Umsetzung der Energiewende auf der Agenda ganz oben. Bis vor wenigen Jahren bestimmte die Stromerzeugung aus großen zentralen Kraftwerken das Bild in Bayern. Insbesondere durch die Stilllegung der Kernkraftwerke in Bayern, die in manchen Jahren nahezu 70 Prozent des Strombedarfs in Bayern gedeckt haben, ändert sich die Stromerzeugungsstruktur grundlegend. Immer mehr kleinere Anlagen decken einen immer größeren Anteil des Strombedarfs in Bayern. Neben allen Anstrengungen, vor allem unsere Stromversorgung auf die Grundlage von erneuerbaren Energien zu stellen, darf nicht vergessen werden, dass der Verkehr mit großem Abstand der bedeutendste Sektor für den energiebedingten CO2-Ausstoß in Bayern ist. Der VBEW setzt sich daher insbesondere für die emissionsarme Elektro- und Erdgasmobilität ein.
Wie unterscheidet sich dabei die Interessenlage kleinerer Versorger von denen der Konzerne? Gibt es dabei Unterschiede im Hinblick darauf, dass manche VBEW-Mitglieder genossenschaftlich, andere wiederum privat und kommunal betrieben sind?
So große Unterschiede in den Interessen, wie man manchmal so glaubt, gibt es gar nicht. Alle Unternehmen, egal, ob sie genossenschaftlich, privat oder kommunal organisiert sind, benötigen stabile Rahmenbedingungen um ihr Geschäft nachhaltig betreiben zu können. Daran hat es in den vergangenen Jahren insbesondere im Bereich der Energiewirtschaft gehapert. Das hat alle Unternehmen getroffen.
Was haben Sie sich persönlich als neuer Vorsitzender vorgenommen?
Erstens: Die Energiewende ernsthaft und glaubwürdig vorantreiben. Wir vertreten sowohl die Energieerzeugung als auch die -verteilung und den Vertrieb und die Wasserwirtschaft. Deshalb können wir ganzheitlich die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und auf die wirtschaftliche Entwicklung erfassen. Darin unterscheiden wir uns von anderen Akteuren, die sich auf die Förderung einzelner Wertschöpfungsstufen konzentrieren. Zweitens: Unsere Mitgliedsunternehmen haben sich von reinen Energie- und Wasserversorgern zu Multitalenten entwickelt, die ihre Kunden mit einer Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen umsorgen. Rund um die großen Zukunftsthemen Digitalisierung, Dezentralisierung, Dekarbonieserung wollen wir Diskussionsbeiträge zur Weiterentwicklung eines vernünftigen Rahmens für unsere Geschäftsmodelle liefern. Da dürfen wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
Interview: Elisabeth Sennhenn