Weilheim/Rosenheim/Mühldorf – Das Augsburger Unternehmen Schmid, das im Kreis Rosenheim eine große Filiale bei Bruckmühl betreibt, steht offenbar kurz vor der Übernahme des insolventen Weilheimer Modehauses K&L. Aus sicherer Quelle wurde unserer Zeitung bestätigt, es sei eine Investorenvereinbarung für die Übernahme im Rahmen eines Insolvenzplans mit der Schmid-Gruppe unterzeichnet worden.
K&L-Betriebsratschef Christian Strauß ist der Meinung, dass es für das Modehaus gut aussehe. Unserer Zeitung sagte er, man schaue „zuversichtlich nach vorne“ und glaube, dass alle 1000 Arbeitsplätze auf den bestehenden Flächen erhalten bleiben.
Übernahme in anderen Filialen keine Option
Für die rund 200 Mitarbeiter der ehemaligen K&L-Filialen in Rosenheim und Mühldorf-Stadtplatz kommt diese Nachricht allerdings zu spät: Sie wurden kürzlich geschlossen. Einzig die erst 2011 eröffnete K&L-Filiale in Mühldorf-Nord mit rund einem Dutzend Mitarbeitern bleibt in der Region bestehen (wir berichteten). Eine weitere Filiale bleibt in Neuötting. Den Mitarbeitern in Rosenheim und Mühldorf hat K&L die Weiterbeschäftigung in anderen Filialen angeboten, „sofern dort freie Stellen vorhanden sind“, wie einer Mitteilung Anfang des Jahres zu entnehmen war. Eine Alternative biete ein Sozialplan.
An den Standorten waren manche Mitarbeiter nicht begeistert über die neuen Aussichten: „Ich könnte bei K&L in Freilassing neu anfangen. Dazu müsste ich aber jeden Tag fast drei Stunden für Hin- und Rückfahrt in Kauf nehmen. Das lohnt sich für mich einfach nicht“, gab eine Verkäuferin bei K&L Rosenheim noch während des Räumungsverkaufs vor Kurzem gegenüber unserer Zeitung zu bedenken. So wie ihr ginge es auch anderen Kolleginnen und vor allem denjenigen, die in Teilzeit gearbeitet hätten.
In Mühldorf: Hoffen auf guten Ausgang
Keine Informationen hat man bislang zu den Übernahmeplänen am Standort Mühldorf-Nord erhalten, so eine Mitarbeiterin auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Wir hoffen auf einen guten Ausgang“, sagt sie, allerdings könne man im Moment nur abwarten. Die Filiale gehört zu den jüngsten der K&L-Gruppe, wurde erst 2011 eröffnet.
In der K&L-Zentrale in Weilheim wie auch bei Schmid in Augsburg hält man sich derzeit bedeckt. In Weilheim erklärt ein Sprecher, dass für den 24. Juli die Gläubiger am örtlichen Amtsgericht über den Insolvenzplan abstimmen werden. Es stehe im Raum, dass sie dann auch über den Investor beziehungsweise den neuen Eigentümer abstimmen. Volker Roes aus der Geschäftsführung von Schuh Schmid antwortete auf die Anfrage unserer Zeitung bis Redaktionsschluss nicht. Mit Spannung wird in Rosenheim erwartet, wie es mit den Räumlichkeiten von K&L nach dessen Auszug weitergeht: Die viergeschossige Filiale befindet sich in 1A-Lage an der Ecke Münchener Straße/Prinzregentenstraße, der Standort gilt laut der Münchener Beratungsstelle für Stadt- und Regionalentwicklung CIMA als „einer der exklusivsten Stellen“ in der Stadt, wie Büroleiter Christian Hörmann sagt. CIMA hat für Rosenheim bereits ein Einzelhandelskonzept entwickelt, das der Stadtrat 2018 beschlossen hat. Dennoch oder womöglich gerade wegen seiner prominenten Innenstadtlage des Gebäudes ist dessen Eigentümer-Gesellschaft auf der Suche nach neuen Mietern. Im Gespräch seien derzeit Lösungen für ein Hotel und Büros, hieß es gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Nach bislang unbestätigten Angaben soll auch der Bayerische Rundfunk nach Räumen angefragt haben. Abgesprungen ist in der Zwischenzeit die spanische Modekette Zara.
Marke K&L könnte erhalten bleiben
Nach Dirk Wichner, Einzelhandelsexperte beim Makler- und Immobiliendienstleister Jones Long LaSalle (JLL), kauften immer mehr Verbraucher online ein, weswegen auch beim Einzelhandel der Trend zu immer kleineren Verkaufsflächen gehe: Begehrt seien Läden mit 100, maximal 250 Quadratmetern. Die Eigentümer überlegen laut einem Sprecher daher, die K&L-Fläche mehrfach zu teilen, um sie attraktiver für neue Mieter zu machen. Während man in Rosenheim also Nachfolger für die Fläche sucht, ist noch unklar, wie es mit der Marke K&L nach einem Verkauf weitergeht. Laut dem Weilheimer Betriebsrat könnte neben den Arbeitsplätzen auch der Markenname weiter Bestand haben. Ob das Bekleidungssortiment nach einer möglichen Übernahme durch Schmid dann um Schuhe und Accessoires ergänzt wird, ist noch ein weiteres unklares Detail. In Mühldorf-Nord befindet sich in direkter Nachbarschaft zu K&L bereits ein großer Schuhhändler.