Zehntausende Pakete in der Hochsaison

von Redaktion

Immer mehr Menschen bestellen Waren online. Bekleidung ist dabei der Favorit. Reich Online Services aus Stephanskirchen betreibt erfolgreich Webshops für bekannte Wäschemarken und hat sich eine führende Position am Markt erarbeitet.

Stephanskirchen – Auch, wenn es der Einzelhandel nicht gern hört: Der E-Commerce boomt, und Experten sagen ihm eine noch weitaus größere Zukunft voraus. Oft verhält es sich mit dem Internethandel so wie bei Reich Online Services aus Stephanskirchen im Kreis Rosenheim. Der E-Commerce-Dienstleister ist aus einem alteingesessenen, stationären Handel heraus entstanden. Den Grundstein dafür legte die visionäre Geschäftsführerin von „Stoff Reich“, Karin Stäbler, in Rosenheim. Sie war es, die bereits Mitte der 1990er-Jahre das Potenzial des Internets erkannte und erste Waren übers Web verkaufte. Später gründete sie den Wäsche-Webshop onmyskin.de.

In zehn Jahren

zügig gewachsen

Das heutige Stephanskirchener Unternehmen ist endgültig im digitalen Zeitalter angekommen und gehört zu den führenden Anbietern im E-Commerce. Als Fullservice-Dienstleister arbeitet Reich Online-Services über Deutschlands Grenzen hinweg. Seit 2017 gehört er zur Schweizer Calida Group, die aus den Marken Calida und Aubade im Lingerie-Segment sowie den Marken Millet, Oxbow, Eider und Lafuma im Alpinsport- und Outdoorbereich besteht. Die Stephanskirchener betreiben für Calida deren Webshop mit vertriebskanalübergreifenden Services sowie die Onlineshops onmyskin.de und craft-sports.de.

Die Erfolgsgeschichte von Reich Online Services ist, so weit die Wurzeln auch zurückreichen, noch relativ jung: Aus anfänglich zehn Mitarbeitern im Jahr 2009 wurde rasch ein wachsender Betrieb mit 120 Beschäftigten.

Geschäftsführer Stefan Mues ist in Stephanskirchen seit gut einem Jahr an Bord. Er ist einer der Pioniere im E-Commerce, gründete vor 20 Jahren in Hamburg bereits ein Onlinehandel-Startup. Heute betrachtet Mues vieles in der digitalen Welt durchaus kritisch. Etwa, dass junge, digitale Unternehmen sich zunehmend durch Investorengelder finanzierten. Von außen betrachtet, seien viele von ihnen sehr erfolgreich – machten am Ende aber doch keinen Gewinn.

Zalando zum Beispiel, Europas größter Online-Modehändler, hat nach aktuellen Börseninformationen zwar seinen Umsatz im ersten Quartal 2019 ausgebaut und erlöste rund 1,38 Milliarden Euro –fuhr gleichzeitig aber einen Verlust von 17,6 Millionen Euro ein, und das bei über 27 Millionen Kunden. 2018 war es zum gleichen Zeitpunkt ein Minus von über 15 Millionen Euro. Die größten Anteilseigner sind derzeit eine schwedische Risikokapital-Beteiligungs- gesellschaft und ein dänisches Bekleidungsunternehmen, die Gründer selbst halten nicht einmal vier Prozent der Anteile. „Wichtig ist, strategisch nachhaltig und profitabel zu arbeiten, um seinen Platz am Gesamtmarkt zu finden“, schließt Mues, gerade in einer Zeit, in der die Großen im Onlinebusiness auf einen Schlag Hunderte von Mitarbeitern entlassen könnten, wenn die Wirtschaftlichkeit es erfordere. Ein Weg, der für ihn undenkbar ist: Man bekennt sich trotz des Schweizer Mutterkonzerns klar zum regionalen Standort und ist sich bewusst, dass man für die schwer zu findenden Fachkräfte attraktiv bleiben muss.

Viele Berufe sind

noch recht neu

„Im E-Commerce zählt vor allem das Know-how“, beschreibt Mues, nach welchen Kriterien er und Personalerin Julia Mini Mitarbeiter aussuchen. Auch wenn der Onlinehandel nicht mehr neu ist, viele Berufe sind es im E-Commerce aber doch. Die Anforderungen an sie wachsen ständig, der Markt steht nie still. Die Konkurrenz ist groß. Inzwischen seien, so Mues, etwa Sprachkenntnisse bei den Mitarbeitern wichtig. In Stephanskirchen könnten viele von ihnen auch in Englisch, Italienisch und Französisch kommunizieren, sogar auf Finnisch. Wer im E-Commerce arbeiten wolle, habe etwa als Webentwickler, Projektmanager, Fachkraft in Marketing und Sales, mit Kenntnissen in BWL und Online-Marketing, gute Karten, beschreibt Julia Mini.

Versand bleibt eine

Herausforderung

Am Firmensitz befindet sich auch das Warenlager. Von hier aus werden Wäsche und Outdoorbekleidung in derzeit 84 Länder auf der Welt verschickt. Ist eine Bestellung eingegangen, ist sie binnen einer Stunde versandfertig. Zu besonderen Zeiten wie an Weihnachten ist die Menge der wöchentlichen Sendungen fünfstellig. Der Versand ist zugleich die größte Herausforderung des Onlinehandels, wie Mues beschreibt.

Laut Infodienst Internetworld fallen im weltweiten E-Commerce jährlich rund 286 Millionen Rücksendungen an. Gerade Mode, die beliebteste Online-Warengruppe der Deutschen, wird besonders häufig retour geschickt. Von 100 Bestellungen bei Zalando kommen nach Brancheninformationen 60 wieder zurück. Bei Reich Online Services sind es laut Mues bis zu 20 Sendungen. Die Ware werde aufwendig wieder aufbereitet, um sie weiter verkaufen zu können.

Ungeachtet des großen Aufwands wächst der E-Commerce weiter. Allein bei der Calida Group wuchs der Bereich 2018 weltweit um 42,2 Prozent auf 10,8 Prozent Anteil vom Gesamtumsatz. In Stephanskirchen muss man mit diesem schnellen Wachstum Schritt halten. Dass ihnen das bislang gelungen ist, zeigen Auszeichnungen, ob Rosenheimer Wirtschaftspreis (2012), „Bayerns Best 50“ (2016) oder mehrfach der „Shop Usability Award“ (2017, 2018). Allein in den vergangenen drei Jahren war das Unternehmen neunmal dafür nominiert. Und lag damit noch vor Zalando.

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