Bad Endorf – „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu gestalten“. Mit diesem optimistischen Motto will die Gesundheitswelt Chiemgau AG (GWC) mit Sitz in Bad Endorf die Herausforderungen der Zukunft meistern. Diese sind nach Ansicht von Vorstandssprecher Dietolf Hämel und Touristik-Vorstand Stefan Bammer ebenso grundlegend wie vielfältig.
Trotz Umbaukosten gutes Jahresergebnis
Bei der Hauptversammlung schilderten beide, welche Herausforderungen auf den Chiemgauer Medizin- und Touristikkonzern zukommen: Digitalisierung und soziale Medien veränderten die Erwartungshaltung von Patienten und Gästen, der Personalnotstand verschärfe sich zusehends, der Klimawandel setze völlig neue Rahmenbedingungen und die Gesetzeslage im Medizinbereich gleiche einer „Black Box“.
Der Grund für den Optimismus liegt in der soliden wirtschaftlichen Basis der GWC. Der Umsatz des Konzerns ist 2018 um 5,8 Prozent auf 58,6 Millionen Euro gewachsen, bei einer Eigenkapitalquote von 29 Prozent. Krediten in Höhe von 42,5 Millionen Euro, unter anderem für den Umbau der Therme, den Parkhausneubau sowie den Erwerb von Immobilien (wir berichteten) steht ein Anlage- und Umlaufvermögen von 75,1 Millionen Euro gegenüber. Der Bilanzgewinn beträgt gut 4,6 Millionen Euro. Von diesem werden nach Erhöhung der Dividende von 1,04 auf zwei Euro 150000 Euro an die Aktionäre ausgeschüttet und vier Millionen Euro in andere Gewinnrücklagen eingestellt, sodass ein Gewinnvortrag von 495000 Euro bleibt.
In erster Linie sei der Konzerngewinn durch eine Steigerung im Medizinbereich erzielt worden, der, wie Hämel sagte, „deutlich über dem Branchendurchschnitt“ lag. Diese guten Werte zu halten werde in Zukunft „erhebliche Anstrengungen“ erfordern. Einerseits werde es schwieriger, Einnahmen zu generieren. Als Stichwort nannte Medizin-Vorstand Hämel eine Pflegekostenfinanzierung, „bei der der Gesetzgeber die Reha-Einrichtungen vergessen“ habe. Der Markt werde zusehends reguliert und entwickle sich immer mehr „in Richtung Selbstkostenerstattung“. Auf der anderen Seite stehe die Personalnot, die ohne Gegensteuerung „ganze Betriebszweige in Gefahr“ bringen könne. Derzeit arbeiteten rund 1150 Beschäftigte für den Konzern, deren Löhne und Gehälter man gerade erhöhe. Sparen, so Hämel weiter, wolle man bei der GWC hier auf keinen Fall, denn ein Mittel „zur Kompensation der schwierigen Rahmenbedingungen“ sieht man im Leitbild der „besonderen persönlichen Betreuungsqualität“, mit der man sich von Mitbewerbern abheben will.
Wachstum in
Medizin und Touristik
Einen vielversprechenden Ansatz verfolgt man in dieser Richtung bereits mit der konzerneigenen Privatklinik ChiemseeWinkel Seebruck. Dort konnten durch Steigerungen in der Betreuungsqualität „Anlaufdefizite schon im zweiten Jahr überkompensiert“ werden. Auch deshalb sei die Klinik durch einen sogenannten Beherrschungsvertrag noch enger an den Konzern gebunden worden. Ein Schritt, der auf der Aktionärsversammlung eine Zustimmung von 100 Prozent erhielt. Laut Hämel ist man dabei, weitere Wachstumsfelder im Bereich Medizin zu generieren, etwa in der Kardiologie, durch verstärkte Berücksichtigung von Adipositas-Patienten oder auch in der Gender-Medizin, etwa durch Therapien speziell für Frauen. Keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen will man sich in der Touristik. So gelang es der GWC, die zuletzt abnehmende Besucherzahl wieder zu steigern. Im vierten Quartal 2018 stieg das Besuchervolumen im Vergleich zu 2017 und 2016 um rund 16 Prozent. Stefan Bammer zeigte auf, dass die Neugestaltung nun auch zunehmend jüngeres Publikum anziehe.
So denkt man an eine Erweiterung des Ströbinger Hofs auf eine Kapazität von 100 Zimmern. Ein angrenzendes Grundstück sei dafür schon erworben worden. Auch in der Touristik herrsche großer Innovationsdruck, etwa durch den Klimawandel. Im jüngsten Quartal seien infolge der warmen Witterung weniger Besucher gekommen, erläuterte Bammer. Das Außenbecken der Therme habe man daraufhin kurzerhand auf 25 Grad gekühlt, als „Alternative zum See“. Man geht davon aus, dass solche Ideen in der Zukunft gefragt sein werden. Johannes Thomae