Wasserstoff für Tirol und Oberbayern

von Redaktion

Fahrzeugbranche und Wissenschaft forschen an alternativen Antrieben, zum Beispiel Wasserstoff. Bei Kufstein entsteht eines der größten Wasserstoffzentren Europas. Zu den Partnern gehören die Spedition Dettendorfer und der Inntaler Logistik Park.

Kufstein/Nußdorf – Während man in Sachen E-Mobilität schon ein paar Schritte weiter ist, erproben Fahrzeugindustrie und Energiewirtschaft gerade die Möglichkeiten, die Wasserstoff bietet. Ein grenzübergreifendes Großprojekt zwischen Tirol und Oberbayern bringt jetzt neuen Schwung in die Szene: In Langkampfen bei Kufstein baut die Tiroler Wasserkraft AG TIWAG für 20 Millionen Euro eine der größten Power2X-Anlagen Mitteleuropas. Power2X beschreibt, dass Strom in andere Energieformen umgewandelt wird – etwa in Wasserstoff. Ein Wasserstoffzentrum bildet auch das Kernstück des Tiroler Innovationsprojekts, das zur größten Wasserstofftankstelle des Landes werden soll. 2020 soll es mit dem Bau losgehen.

Inntal soll von neuem Antrieb profitieren

Gerade auch dem benachbarten Oberbayern und insbesondere dem Inntal soll das Projekt zugute kommen. Mit an Bord als einer der größten Partner ist der Inntaler Logistik Park in Kufstein nahe der Autobahn A1, eine 100-prozentige Tochterfirma der Nußdorfer Spedition Dettendorfer. Während man heute schon daran arbeitet, dass in Zukunft an der Lkw-Tankstelle des Logistik Parks mit Wasserstoff aufgetankt werden kann, beteiligt sich das Transportunternehmen Dettendorfer demnächst mit Test-Lkw am Projekt. Geschäftsführer Georg Dettendorfer schildert unserer Zeitung, dass dann mit Wasserstoff angetriebene Prototypen von MAN in den Pilotbetrieb genommen würden. „Wasserstoff ist ein vielversprechender alternativer Antrieb ohne CO2-Emissionen“, so Dettendorfer zu seiner Motivation, sich am Projekt zu beteiligen. Dieses sieht er letztlich als „wichtigen Baustein für die Verringerung der Emissionen entlang der Fern- und Nahverkehrsrouten.“ TIWAG-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser zeigt sich überzeugt, dass die Energiewende nur dann langfristig ein Erfolg werde, wenn nicht nur im Stromsektor, sondern auch im Wärme- und gerade im Mobilitätsbereich fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt werden.

Wasserstoff wird aus verschiedenen Energiequellen hergestellt. Eingesetzt in Fahrzeugen, kann er wieder in Energie umgewandelt werden. Werden bei diesem Vorgang etwa Brennstoffzellen eingesetzt – wie es im Moment viele Hersteller tun – wird der gasförmige Wasserstoff mit Sauerstoff in der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt. Diesen nutzt das Fahrzeug für den Elektroantrieb. Aus dem Auspuff kommt dann reiner Wasserdampf.

Kritiker werfen dieser Antriebsart vor, ihr Wirkungsgrad sei durch diese Umwandlung schlechter als bei anderen Antrieben. Eine zentrale Frage ist stets auch, welche Energiequellen als Ausgangsprodukte für Wasserstoff verwendet werden. Neben regenerativen Energien können dies auch fossile Brennstoffe sein. Dazu gehört zum Beispiel Erdgas.

In Langkampfen, erklärt Dettendorfer, nutze man Wasserkraft aus dem Inn zur Stromerzeugung für die Produktion von Wasserstoff, ebenso für die Gewinnung von Wärme und Kälte. Beigemischt werden könne allerdings auch ein geringer Prozentsatz Erdgas, denn das Wasserstoffzentrum der TIWAG sei auch an das bestehende Kufsteiner Erdgasnetz angeschlossen. Vorgesehen seien am Pilotstandort auch Ladesysteme. Später könnten dort nicht nur Lastkraftwagen Wasserstoff tanken, sondern auch E-Autos die Schnellladestationen nutzen. Zwar stehe man noch ganz am Anfang, aber Dettendorfer denkt schon weiter: Das Projekt könne in Zukunft auch in Bayern Schule machen. „Wir müssen schließlich die Klimaschutzziele Deutschlands zunächst bis 2030, dann bis 2050 erreichen“, sagt Dettendorfer und führt an, dass man künftig mit einer CO2-Besteuerung rechnen müsse: „Wer dann zum Beispiel auf Wasserstoff setzt, hat einen klaren Vorteil.“ Einen solchen habe künftig auch die Region rund um die Wasserstofftankstelle, das Inntal auf jeden Fall. Der Unternehmer kann sich vorstellen, später über die Inntaler Tochterfirma die Vertriebslogistik für Wasserstoff auszubauen.

Warten auf

serienreife Lkw

Dettendorfer weiß, Wasserstoff hat auch gewisse Nachteile. „In erster Linie geht es dabei um die Reichweite. Je zehn Kilogramm Wasserstoff im Tank kommt ein Lkw etwa 100 Kilometer weit.“

Versuche zeigten, dass ein Laster mit 40 bis 60 Kilo Wasserstoffladung knapp 500 bis 600 Kilometer am Stück fahren könne. Er hofft, dass Hersteller wie MAN spätestens 2024 in der Lage sein werden, serienmäßig Wasserstoff-Nutzfahrzeuge zu liefern.

Der Motoren- und Anlagenbauer MAN Energy Solutions will nach eigenen Angaben das Geschäft mit nachhaltigen Technologien bis 2030 auf mehr als 50 Prozent Anteil am Gesamtgeschäft ausbauen. Bis Ende des Jahres warten TIWAG und ihre Partner noch auf eine Förderzusage der EU, die für das Projekt bis zu fünf Millionen Euro zuschießen könnte.

In Etappen immer weniger CO2

Die Bundesregierung will die CO2-Emissionen laut Klimaschutzplan vom November 2016 stufenweise reduzieren. So sollen bis zum Jahr 2020 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgas als 1990 ausgestoßen werden. Bis 2030 sollen es schon 55 Prozent sein, bis 2040 mindestens 70 Prozent weniger CO2. Im Jahr 2050 soll Deutschland weitgehend treibhausgasneutral sein. Der Klimaschutzplan 2050 sieht dafür Zwischen- und Sektorziele vor. So zum Beispiel Klimaziele für die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft. Die Ziele für die deutsche Klimapolitik ergeben sich unter anderem aus der UN-Klimarahmenkonvention sowie aus EU-Vereinbarungen. Quelle: Umweltbundesamt

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