Heißes Geschäft mit kalter Luft

von Redaktion

Wer jetzt noch eine Klimaanlage kaufen möchte, muss warten. In der Region sind die Geräte fast vergriffen. Besser sieht es da bei Ventilatoren aus. Die Nachfrage steigt jährlich massiv. Worin bestehen die Unterschiede und worauf sollte man achten?

Rosenheim/Oberaudorf/Tuntenhausen/Mühldorf – Pech für den Gemeinderat einer Inntal-Gemeinde: Für eine Sitzung am Abend wollte ein Mitarbeiter gestern noch auf die Schnelle ein mobiles Klimagerät bei Toni Anker erwerben. „Aber so kurzfristig ist das bei der derzeitigen Hitzewelle gar nicht möglich“, schildert der Geschäftsführer der EP-Elektrofachgeschäfte in Oberaudorf und Kiefersfelden. „Da hätte er schon einige Wochen früher dran denken müssen.“ Denn sämtliche Klimaanlagen seien im Moment restlos ausverkauft, seine Lieferanten kämen der starken Nachfrage kaum hinterher.

So gibt´s trotz „Klima“ keinen Schnupfen

Anker hat zuletzt 25 große Klimaanlagen für Privathaushalte verkauft und über seine Servicetechniker einbauen lassen. „Sie versorgen gleich mehrere Zimmer und sind eine Investition, die sich langfristig auszahlt“, ist er im Hinblick auf die angekündigten, künftigen heißen Sommermonate überzeugt. Wahre Energiefresser sind Anker zufolge mobile Klimageräte, die er nur für den kurzfristigen Einsatz empfiehlt. Der Gemeinde, die gern eines gehabt hätte, hat auf diese Weise zumindest Strom gespart.

Komplett ausverkauft sind die Klimaanlagen bei Globus in Mühldorf. Vor drei Wochen setzte dort nach Angaben des stellvertretenden Marktleiters, Rafael Moser, der Ansturm auf die mobilen Kühlgeräte besonders stark ein. Restposten gebe es noch an Ventilatoren. „Wir haben schon nachbestellt und bekommen auch noch weitere Ventilatoren nachgeliefert“, so Moser.

Ihre Order für 2020 generell noch einmal aufstocken will aufgrund der heißen und intensiver werdenden Sommermonate auch die Profi Eder GmbH in Tuntenhausen. „Nachdem wir schon die Bestellungen von 2018 auf 2019 erhöht haben, reichen trotz allem die Bestände nicht für die Nachfrage aus“, so Geschäftsleiter Gerhard Riedl. Selbst Nachlieferungen seien schon wieder ausverkauft. Lediglich kleine Ventilatoren gebe es noch. Alles andere sei nicht mehr lieferbar. Aber: Es sollen in den kommenden Wochen noch einmal Klimageräte im Warenlager eintreffen. „Wir werden uns auf die Bedürfnisse der Kunden nach Kühlung durch Ventilatoren und Klimaanlagen künftig noch besser einstellen“, kündigt Riedl an.

Die Verbraucherzentrale Bayern, die auch in der Region regelmäßig Energieberatungen durchführt, rät aus Gründen der Energieeffizienz und der Folgekosten eher zum Griff nach dem Ventilator, als gleich mit einer Klimaanlage aufzurüsten (siehe Infokasten).

Erfrischung für zehn Euro pro Sommer

Vanessa Präger, Expertin für Elektrokleingeräte bei Media Markt in Rosenheim verkauft derzeit besonders viele Ventilatoren und beantwortet entsprechend häufig Fragen der Kunden zu den kleinen Helfern. Sie weiß: „Der Stromverbrauch hängt von Größe und Leistung des Geräts ab. Pro Sommer muss man bei einem Ventilator bei häufigem Gebrauch mit etwa zehn Euro rechnen.“ Ob Tisch-, Stand-, Boden- oder Turmventilator, „entscheidend ist die Raumgröße. Nach ihr sollte sich auch die Größe der Rotorblätter und die Leistung des Ventilators richten.“ Ventilatoren erzeugten einen Luftstrom, der den natürlichen Feuchtigkeitsfilm auf der Haut schneller verdunsten lasse. „Das wirkt erfrischend, obwohl die Raumtemperatur selbst nicht abgekühlt wird.“ Bodenventilatoren würden die kühlere Luft am Boden nach oben pusten, die dann wieder hinunter falle: „Die Luft im Raum wird verwirbelt, was angenehmer empfunden wird als stehende Luft.“

Daher seien sie für größere Räume recht gut geeignet. Präger hat grundsätzlich einen Tipp für alle, die sich nicht zwischen einem Klimagerät wie einer mobilen Anlage oder einer zu installierenden Anlage entscheiden können: „Solange die Raumtemperatur die Körpertemperatur nicht überschreitet, reicht ein Ventilator. Er ist aber keine Klimaanlage.“

Für diejenigen, die eine Klimaanlage besitzen, sich aber vor zu starker Kühlung und einer Erkältung in der Folge fürchten, hat EP-Fachhändler Tino Anker aus Oberaudorf den Tipp, dass man´s zu Hause nicht so machen sollte wie im Hotel, wo man sich oft über ratternde und zu stark kühlende Klimaanlagen ärgere: „Nicht dauernd an- und ausschalten, sondern die gewünschte Temperatur einstellen und die Anlage 24 Stunden durchlaufen lassen.“ Denn wer stattdessen versuche, einen Raum von warmen 28 Grad in möglichst kurzer Zeit auf angenehme 22 Grad herunterzukühlen, verbrauche nicht nur jede Menge Strom, sondern riskiert auch eher eine Erkältung – „der Körper kann sich nicht so schnell umstellen.“

Die Qual der Wahl hat man aber in der Region derzeit ohnehin nicht, wie die fast ausverkauften Klimaanlagen zeigen. So ist es auch in den Obi-Märkten im Rosenheimer Aicherpark, Raubling und Stephanskirchen: „Es gibt derzeit keine Klimageräte mehr zu kaufen“, erzählt Aicherpark-Marktleiter Jörg Herges.

Extra aus Italien und Spanien geordert

„Der Bedarf ist da, die Nachfrage auch, aber die Industrie war offenbar nicht auf den Ansturm vorbereitet.“ Auch Tischventilatoren seien keine mehr zu haben. Besser sehe es schon bei Standventilatoren aus – da habe man soeben 400 Stück aus Italien und Spanien „mit viel Glück“ nachordern können. Ausgerechnet aus dem heißen Süden? „Dort ist man auf Hitzewellen einfach besser vorbereitet und hat größere Vorräte“, ist Herges Erklärung dafür. Da die Geräte nicht in Deutschland, sondern überwiegend in Asien hergestellt würden, müsse man entsprechend früh planen und bestellen – etwa ein Jahr im Voraus. „Unsere Order für den Sommer 2020 sieht 50 Prozent mehr Klimageräte und Ventilatoren vor“, so Herges.

Nicht nur Kühlgeräte für den Raum boomen

In die Zukunft denkt man auch bei TechnoExpert. Verkaufsleiter Sebastian Scheffer aus Rosenheim schildert, dass man schon nach der ersten Hitzewelle in diesem Jahr Ventilatoren nachbestellt habe, was wegen der großen Nachfrage am Markt nicht einfach gewesen sei: „Jetzt haben wir wieder Nachschub, können aber den Kunden nicht die gewohnte große Auswahl an Modellen bieten.“ Es seien schlichtweg nicht mehr als vier verschiedene Varianten zu bestellen gewesen. Einige Klimageräte konnte man von den Herstellern nachordern, sie würden Anfang August erwartet.

Allerdings boomten derzeit nicht nur Geräte zur Zimmer- und Hautkühlung, sondern auch solche für Schorle, Wasser und das Feierabendbier, beobachtet Scheffer: „Der Absatz von elektrischen Getränke-Kühlschränken steigt zurzeit deutlich an.“

Ventilator als günstigere Alternative

Klimageräte verbrauchen sehr viel Strom und verursachen damit erhöhte Kosten, so die Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern, die auch Beratungen in der Region durchführt, zum Beispiel in Kolbermoor und Traunreut. Wer ein Klimagerät benutzen will, sollte eine möglichst hohe Energieeffizienzklasse wählen. Die Effizienzklasse sei Teil des Energielabels und stehe auf jedem Gerät. Fest eingebaute Splitgeräte seien erheblich energieeffizienter als mobile Monoblockgeräte. Als beste Effizienzklasse gilt A+++. Monoblockgeräte seien in der Regel drei Klassen schlechter. Als Alternative empfiehlt die Zentrale einen Ventilator, der weniger Strom verbraucht, damit umweltfreundlicher ist und günstiger im Unterhalt.

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