Bad Feilnbach/Stephanskirchen – „Das passiert mir nicht noch einmal“, ist sich Erwin Daburger aus Au (Gemeinde Bad Feilnbach) sicher. Er ist noch geschockt über den Legionellennachweis in seinem Mehrfamilienhaus und den dazugehörigen Ferienwohnungen. Summasummarum 35 Wohneinheiten sind von diesem jüngsten Legionellenfall betroffen. Bei den hohen Temperaturen derzeit keine Seltenheit.
Sachverständiger „Wasserhygiene“ Robert Färber weiß um die „unsichtbare Gefahr“, die aus den regionalen Wasserhähnen sprudelt. Der bundesweit agierende Experte hat Daburger geholfen. Mittlerweile ist die Reinigung schon erfolgt. Aber die Arbeiten noch nicht abgeschlossen: „Ich werde jetzt automatische Spülungen installieren lassen. Ich will auf Nummer sicher gehen“, betont der Auer. Die Alternative dazu wäre spätestens alle drei Tage jeden Wasserhahn in den Wohnungen für drei Minuten laufen lassen, damit sich keine Legionellen in den Leitungen vermehren können. Denn: Zu den Erregereigenschaften der Legionellen gehört, sich im warmen Wasser bei Temperaturen zwischen 30 und 45° Celsius zu vermehren.
Wassertemperatur
ab 2020 herabgesetzt
Während Warmwasser in den Häusern zirkulierend installiert wird, gibt es dies bei Kaltwasser nicht. Noch nicht. Das wird sich aber laut Färber in den kommenden Jahren ändern. Per Gesetz wird ab 2020 die technische Grenze des Wassers von 25 auf 20 Grad reduziert. Aktuelle Messungen beweisen, dass nach 420 Sekunden die Wassertemperatur beim herauslaufenden Wasser wieder ansteige. Ein klares Zeichen dafür, dass das Wasser immer wärmer zu den Nutzern transportiert wird. Schließlich herrschen auf den Straßen, worunter sich die Leitungen befinden, über 35 Grad Celsius. „Hier werden die Wasserversorger, wie die Stadtwerke, aktiv werden müssen. Für Abhilfe könne mit Kühlaggregaten et cetera gesorgt werden. In Holland hat man das Problem schon länger erkannt und mit zwei Schächten, einem für Warm- und einem für Kaltwasser, reagiert“, so Färber.
Überdies: Enthärter im Kaltwasser sind für Legionellen und Leitungen alles andere als gut. Lochfras würde in Kupfer gefördert. Der Kalk im Trinkwasser der Region bilde sogar eine Art Schutz. Da er erst ab 60 Grad Celsius abfalle.
Färber fährt pro Monat 15000 Kilometer, allein vergangene Woche 3079 von Stephanskirchen nach Ingolstadt, Augsburg und Hamburg, im Auftrag der Legionellen.
Neben der Wärme sind vor allem alte Leitungen ein Grund bei Nichtnutzung der Spülungen und Wasserhähne, wenn es zu Legionellen kommt. Diese bestehen zu 90 Prozent aus verdünnten Stahlrohren. Edelstahl wäre aber besser bei Sanierungen oder Neubauten, so Färber. Alle drei Jahre müssen Häuser ab drei Wohnungen (Eigentumswohnungen zählen nicht) beprobt werden, gewerbliche Einrichtungen sowie öffentliche wie Schwimmbäder, Sportheime oder Feuerwehren wegen der Duschen beprobt werden. „Allerdings nur von Laborbeauftragten. Sonst ist dies nicht rechtswirksam“, so Färber. Zubereitung von Lebensmitteln oder gar Babynahrung und auch ein Duschverbot sind die Konsequenz bei einem Legionellenbefall. Maßnahmen sind dann sowohl chemische oder thermische Reinigungen: „Aber: Diese bekämpfen nur den aktuellen Fall und nicht die Ursache“, beschreibt der Experte gegenüber unserer Zeitung. Diese ist neben guten Leitungen eigentlich ganz einfach: spülen und nutzen. Drei Minuten das Wasser laufen lassen – und zwar warm und kalt!
Die Pflichten des Betreibers einer Trinkwasser-Hausinstallation bei der Untersuchungspflicht in Bezug auf Legionellen sowie das Vorgehen des Gesundheitsamtes bei einer Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes für Legionellen stützen sich auf die Trinkwasserverordnung. Das Gesundheitsamt, dort muss ein Legionellenfall gemeldet werden, berät die Verantwortlichen und überwacht die Einhaltung der Pflichten.
Gesundheitsamt bei Befall zu informieren
So sei zum Beispiel die Trinkwasser-Hausinstallation durch einen Fachbetrieb zu überprüfen und eine „Gefährdungsanalyse“ zu erstellen. Diese diene als Grundlage für Sanierungsarbeiten in der Trinkwasserhausinstallation.
Und: „Vermieter sind verpflichtet, den Mietern, unaufgefordert, die Ergebnisse der Beprobungen auf Legionellen offenzulegen“, betonen Färber und das Rosenheimer Gesundheitsamt auf Nachfrage unserer Zeitung. Dreimal müssen die Nachprobungen in Ordnung sein, erst dann gibt die Behörde wieder grünes Licht für die Wasserversorgung im betroffenen Haus.