Traunstein – Der Beruf des Zimmerers erfreut sich großer Beliebtheit – von Fachkräftemangel keine Spur: In Traunstein wurden – gemäß einer jahrhundertealten Tradition – 61 junge Gesellen freigesprochen. Nach 37 neuen Gesellen im vergangenen Jahr zeigte sich mit der rund 60-prozentigen Steigerung, dass junge Menschen, aber auch ihre Erziehungsberechtigten die Attraktivität des Berufsbildes in den letzten Jahren für sich „entdeckt“ haben.
Tradition und Moderne in einem
Tradition, der Werkstoff Holz und gute Zukunftsaussichten scheinen „zu ziehen“. Prüfungsbester ist Mathias Hager, gefolgt von Sebastian Stuttrucker. Der vor wenigen Monaten neu gewählte Obermeister Martin Kollmeier würdigte die Leistung der jungen Gesellen, die wie üblich fast ausschließlich in bayerischer Tracht oder der traditionellen Zimmererkluft gekommen waren: „Mit dem Gesellenbrief steht Ihnen die Welt offen.“
Das Handwerk sei in der sozialen Marktwirtschaft ein starker, leistungsfähiger Partner und biete zukunftsweisende Antworten auf Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Wohnungsknappheit. Er dankte den Lehrern, Ausbildern und Prüfern, die mit zum Gesamterfolg beigetragen haben.
Dem geplanten Bildungscampus unter der Federführung des Landkreis Traunstein und der Handwerkskammer attestierte er, dass dies ein „Leuchtturmprojekt“ sei. „Das strahlt weit über den Landkreis hinaus.“ Es werde die Attraktivität der beruflichen Bildung deutlich steigern.
Auch der Berufsschulstandort Traunstein werde damit auf Dauer gesichert. Explizit stellte er dabei den „unermüdlichen Einsatz“ von Traunsteins Landrat Siegfried Walch und Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter heraus.
Aus Beruf
wird Berufung
Wolfgang Kurfer, Schulleiter der Berufsschule I in Traunstein, sagte, Zimmerer würden in den drei Lehrjahren das gesamte Wissen erlernen, das sie für den Beruf künftig bräuchten. Sie seien Experten in Sachen Klimaschutz und energiesparendem Bauen.
Der erworbene Berufsabschluss würde ihnen ein Leben lang nutzen. „Ich wünsche Euch, dass aus Eurem Beruf eine Berufung wird“, so Kurfer, der sich auch bei den Ausbildern in Schule, Bildungszentrum und Berufsschule bedankte. Er überreichte dem langjährigen Obermeister Josef Lechner ein kleines Präsent, dankte für die langjährig gute Zusammenarbeit und bot dem neuen Obermeister Kollmeier die gleich gute Zusammenarbeit an.
Traunsteins Zweiter Bürgermeister Hans Zillner blickte in seinem Grußwort zurück: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ und verwies auf eine anstrengende dreijährige Lehrzeit. „Ihr werdet nicht aus Mangel an Beweisen freigesprochen, sondern weil Ihr den Berufsabschluss geschafft habt!“ Sie könnten darauf stolz sein, den Anforderungen des Zimmererhandwerks „vorerst“ gewachsen zu sein. Denn es heiße auch für die jungen Gesellen, dass sie sich permanent weiterbilden und lernen müssten. Mache doch auch der digitale Wandel nicht vor dem Handwerk halt.
Er betonte als Vertreter der Stadt Traunstein und in Stellvertretung des Oberbürgermeisters Christian Kegel seine Freude darüber, dass die Innung wie auch die Berufsschule I und das Bildungszentrum der Handwerkskammer ihren Sitz in der Großen Kreisstadt haben.
Die offizielle Freisprechung nahm der ehemalige stellvertretende Kreishandwerksmeister Werner Scharf vor, der die Ex-Lehrlinge von den Pflichten ihres Lehrverhältnisses freisprach und sie in den Stand der Gesellen hob. „Ihr habt einen wunderbaren Beruf gewählt, Ihr habt bewiesen, dass Ihr es könnt.“
Scharf ging auf die aktuell schweißtreibenden Temperaturen ein und forderte die jungen Gesellen auf, sich bei den nicht einfachen Arbeitsbedingungen selbst zu beklatschen. Er betonte, dass es auch in der Selbstständigkeit große Chancen für die jungen Fachkräfte gäbe. „Working for Future“ sei ihm lieber als „Fridays for Future“, Zimmerer könnten konstruktiv an Problemlösungen im Klimaschutz mitwirken.
Wunsch der Schreiner: Stets ein gutes Holz
Im Nachgang sprach er die Gesellen von den Pflichten des Lehrverhältnisses frei und hob sie unter lang anhaltendem Applaus in den Gesellenstand. „Allwei a gsunds Hoiz und a guade Schneid“ war der gute Schreinerwunsch, den der Schreinermeister den jungen Zimmerern mitgab – arbeiten doch auch die beiden Gewerke oft Hand in Hand.
Prüfungsausschussvorsitzender Ludwig Hartl sagte, Gesellen wie auch ihre Eltern könnten stolz auf das Erreichte sein. Erfreut über die Rekordzahl der erfolgreichen Teilnehmer ging er auf die größtenteils sehr ordentlichen Ergebnisse bei der Gesellenprüfung ein.
64 Prüflinge waren angetreten, 61 haben diese erfolgreich abgelegt. Den auch körperlich anspruchsvollen Beruf trauen sich 60 männliche Teilnehmer und eine Teilnehmerin zu. Bei einem Durchschnitt von 2,75 (Theorie) und 2,16 (Praxis) ergibt sich ein Gesamtdurchschnitt von 2,45.
Zahlreiche Einser-Ergebnisse
Die breite Masse präsentierte sich im „Zweier-Feld“ mit wenigen Ausreißern nach oben und erfreulich vielen Einser-Ergebnissen. Prüfungsbester ist Mathias Hager vom Ausbildungsbetrieb Virgil Niedermayr in Freilassing mit einem Notendurchschnitt von 94,60 Prozent. Hager ist damit Innungssieger. Ihm folgt Sebastian Stuttrucker, der seine Lehre bei der Firma Wimmer Holzbau in Fridolfing erfolgreich durchlief. Sein Prüfungsdurchschnitt von 93,15 Prozent ist ebenfalls exzellent.
Die besten Ergebnisse in der Praxis lieferten Lukas Hasenknopf vom Ausbildungsbetrieb Resch in Bischofswiesen (96,80 Prozent) und Thomas Heindlmeier (96,60 Prozent) vom Ausbildungsbetrieb Konrad Kecht in Chieming.
Im Nachgang wurde noch Berufsschullehrer Matthias Berndl geehrt, der Vollzeit an die Berufsschule Altötting geht.