Traunstein – Das heimische Metzgerhandwerk bekommt wieder wenige, aber gut ausgebildeten Nachwuchskräfte: Sechs Metzger und zwei Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Metzgerei wurden nach erfolgreicher Gesellenprüfung im Rahmen der Freisprechungsfeier der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land freigesprochen.
Innungs-Obermeister Josef Sprenger attestierte den erfolgreichen Gesellen ein gesundes berufliches Fundament für die Zukunft. Man begehe den besonderen Tag für die Gesellen bewusst gemeinsam miteinander. Für den würdigen Rahmen sorgte auch das aufgestellte Zunftkreuz der ehemaligen Metzger-Innung Laufen, das aus dem 17. Jahrhundert stammt.
Konsequente und solide Leistung
Stellvertretender Landrat Andreas Danzer überbrachte die Glückwünsche von Landrat Siegfried Walch und des Kreistages des Landkreises Traunstein. In seinen Glückwünschen betonte er, dass die Gesellen nun vor neuen Herausforderungen stehen würden. „Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis konsequenter und solider Arbeit.“ Die bestandene Prüfung schaffe Freiräume, Möglichkeiten und Perspektiven. Ob die Meisterprüfung, ein späteres Studium oder Fort- und Weiterbildungen – im Bildungssystem würden sich viele Chancen eröffnen.
Studiendirektor Friedrich Adler von der Staatlichen Berufsschule I beglückwünschte die Auszubildenden für ihren Entschluss, das Metzgerhandwerk zu erlernen. Auch wenn mit zurückgehenden Schülerzahlen die Beschulung nach Rosenheim verlagert wurde, sei man froh, dass man die Prüfung in Traunstein in der BS I durchführen könne. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Rosenheim.
Anton Reichthalhammer, stellvertretender Schulleiter an der privaten Berufsschule der Jugendsiedlung Traunreut, gab den jungen Leuten einige praktische Tipps mit: „Engagiert Euch in der Politik, in Verbänden und Vereinen.“ Er ermutigte sie, sich in der Lehrlingsausbildung einzubringen. Auch Prüfungsvorsitzender Peter Eicher junior lobte die erfolgreichen Gesellen. Der Gesellenbrief sei der verdiente Lohn für die Mühen der Ausbildung. Die heimischen Betriebe seien auf leistungswillige und -fähige Fachkräfte angewiesen. „Ihr Durchhaltevermögen und Fleiß verdienen große Anerkennung“, sagte Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter beim Freisprechungsakt und schloss in seinen Dank auch Familienangehörige, Ausbilder, Lehrer und die Mitglieder des Prüfungsausschusses ein.
Er betonte, dass die historische Bedeutung der Freisprechung im wahrsten Sinne des Wortes das Freisein von der Zucht des Lehrherrn, der Wanderschaft und des Eheverbotes bedeuteten. Er sprach die Gesellen unter lang anhaltendem Applaus von den Pflichten des Lehrverhältnisses frei, nicht ohne hinzuzufügen: „Macht Eurem Handwerk stets Ehre!“.
Im Nachgang erhielten die erfolgreichen Prüflinge ihren begehrten Gesellenbrief. Dass man im heimischen Metzgerhandwerk nicht auf „Masse“, sondern auf „Klasse“ setzt, wurde auch durch die Infos zu den jeweiligen Gesellen und ihren Arbeiten deutlich, die Peter Flechsenhar von der Traunreuter Berufsschule präsentierte. In der Sommerprüfung haben von fünf teilnehmenden Prüflingen vier bestanden. Der Notendurchschnitt liegt bei 3,20. Bei den Fachverkäufern war Sabine Perschl vom Ausbildungsbetrieb Perschl’s Fleisch und Wurstladl in Waging die einzige Teilnehmerin mit einem Notendurchschnitt aus Theorie und Praxis von 2,5.
In der Winterprüfung sind bei den Metzgern zwei Teilnehmer angetreten, die beide bestanden haben (Notendurchschnitt 3,75). Bei den Fachverkäufern war Alexandr Susakov vom Ausbildungsbetrieb Edeka Goggitsch in Piding der einzige Teilnehmer. Sein Schnitt aus Praxis und Theorie liegt bei 2,5, er ist damit Innungsbester bei den Fachverkäufern. Prüfungsbester Metzger und Innungssieger der beiden Prüfungen ist der praxisstarke Jonas Brandstätter vom Ausbildungsbetrieb Metzgerei Trinkberger in Palling mit einem Gesamtschnitt von 2,5. Ein Novum war der Integrationspreis, der als Ehrenpreis an Muhamada Zamir Qary Zada vom Ausbildungsbetrieb Metzgerei Hirschbichler in Inzell vergeben wurde.
Integrationspreis erstmals verliehen
„Super gut integriert“ war das Fazit von Fachoberlehrer Flechsenhar. Kreishandwerksmeister Kotter war begeistert von der Vergabe des Ehrenpreises und sah darin auch eine Anregung für andere Innungen in der Kreishandwerkerschaft, würdigte aber auch die erfolgreiche Integration des Geehrten als wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: „Tolle Sache, wir sind eine Gesellschaft und brauchen uns gegenseitig.“
„Ich ziehe den Hut vor Euch“, würdigte Obermeister Spreng zum Abschluss der Feier die Gesellen und schwor sie auf das Metzger-Handwerk ein: „Seid stolz auf unser Handwerk!“. Sie würden einen der schönsten und vielseitigsten Berufe ausüben, die es gibt. „Macht so weiter, dann habe ich keine Bedenken.“