Zeit ist das neue Geld

von Redaktion

Deutscher Gewerkschaftsbund: Streiks und Arbeitswelt der Zukunft im Mittelpunkt

Rosenheim – Während bei der Firma Alpenhain in Pfaffing gestreikt wurde, stand in Rosenheim die Sommerpressekonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an. DGB-Regionalgeschäftsführer Günter Zellner und Vertreter verschiedener Gewerkschaften stellten aktuelle Themen dar. Fazit: Drastische Maßnahmen wie die Arbeitsniederlegung beim Käse-Werk sind anderswo in der Region derzeit (noch) nicht zu vermelden – zahlreiche Herausforderungen halten die Gewerkschaftler auf Trab.

Wohnraumproblem

ist auch ein Thema

Ein wichtiges Thema für die Gewerkschaften – obwohl kein klassisches Gewerkschaftsthema – ist die aktuelle Wohnraumproblematik. „Das bewegt uns, weil ein Teil der Lohnerhöhungen, die wir verhandeln, für steigende Mieten draufgeht“, so Zellner. Viele Menschen könnten sich das Leben in einer Stadt einfach nicht mehr leisten.

Um ein ganz klassisches Gewerkschaftsthema – die Lohngerechtigkeit –geht es bei Alpenhain, wie Manuel Halbmeier von der NGG Rosenheim-Oberbayern berichtete. „Dort haben Mitarbeiter an der gleichen Maschine teils zwei bis drei Euro Lohnunterschied“, erklärte er. Weibliche Arbeitnehmer würden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichteten. Um die Geschäftsführer wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, sehe man sich im aktuellen Streik gut organisiert und stark gerüstet.

Neben der gerechten Bezahlung beschäftigen sich die Gewerkschaften immer intensiver mit dem Thema „Zeit“. So strebt die NGG auch bei Alpenhain einen Tarifvertrag an, bei dem Überstunden nicht ausgezahlt, sondern in Freizeit abgegolten werden können. Eine Kampagne trägt den Titel „Arbeitszeit ist unsere Währung“. Ein ähnliches Umdenken bei den Arbeitsnehmern spürt auch Christian Naß von der IG Metall in Rosenheim. Seine Gewerkschaft hat für die Beschäftigten in der Metallbranche unter anderem eine jährliche Zusatzzahlung von 27,5 Prozent des Grundgehalts herausgehandelt. In diesem Tarifvertrag namens „T-Zug“ gibt es aber eine Wahlmöglichkeit: Wer Kinder unter acht Jahren hat, einen Angehörigen pflegt oder in Schicht arbeitet, kann alternativ auch acht zusätzliche freie Tage im Jahr haben. Viele Firmen böten die Wahlmöglichkeit „Zeit oder Geld“ daher nun allen ihren Beschäftigten an. Für den Gewerkschafter der IG Metall ist die Transformation der Arbeitswelt ein weiteres, akutes Thema. In einem „Transformationsatlas“ hat man daher herausgearbeitet, welche Bereiche sich wie veränderten, wo neue Tätigkeiten entstünden und wo welche wegfielen.

Daniel Schicker von der IG BCE Altötting erweiterte diese Zukunftsfragen um das Thema „Energiewende und Energiesicherheit“. Das sei insbesondere in den Chemiebranchen eine große Herausforderung. „Alleine für den Standort Burghausen benötigt man ein Prozent des deutschen Stroms“, verdeutlichte er. Wo solle der Strom herkommen, wenn in Deutschland die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, wie die Regierung nach dem Unglück in Fukushima angekündigt hatte, fragte er. Um die Energieversorgung zu gewährleisten, werde seiner Meinung nach in der Regierung viel zu wenig getan.

Mit der „Roadmap 4.0“ setzt man sich auch bei der IG BCE mit der Zukunft der Arbeit auseinander. Für Schicker ist aber klar: Für mehr Zeitsouveränität der Beschäftigten brauche es auch eine qualifizierte Personalbedarfsplanung.

Personalmangel

in Krankenhäusern

Schlicht und einfach Personalmangel herrsche im Bereich der Pflege auch in den regionalen Krankenhäusern, wie Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer von ver.di Rosenheim, berichtete. Eine Petition mit dem Titel „Stoppt den Pflegenotstand in Bayern“ habe zwar die erforderliche Menge an Unterschriften erreicht, sei aber vom Innenministerium nicht zugelassen worden und eine Klage dazu habe der Bayerische Verfassungsgerichtshof wegen formaler Kriterien abgewiesen. „Wir geben das Thema aber nicht auf“, machte Metzger klar.

Schwierige Arbeitsbedingungen herrschen bei vielen der rund 600000 angestellten Gebäudereinigern in Deutschland, wie Heike Stoffels von der IG BAU berichtete. Bei den Verhandlungen zum Rahmentarifvertrag war man sich bei Überstundenzuschlägen für Teilzeitkräfte und Weihnachtsgeld nicht einig. Nun stellt man stellt sich auf Streik ein. „Das wird auffallen, wenn der Dreck liegen bleibt“, so Stoffels.

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