Rosenheim/Piding – Seit zehn Jahren gibt es das „ohne Gentechnik“-Siegel (wir berichteten) – aufgedruckt ist es zum Beispiel auf immer mehr Milchprodukten. 2018 überholte die Menge an gentechnikfrei erzeugter Milch in Deutschland erstmals die konventionelle Milch mit einem Marktanteil von knapp 55 Prozent. Das blieb nicht ohne Folgen für die Milchpreise, die Molkereien ihren Lieferanten auszahlen.
Zu den zehn bestzahlenden Milchverarbeitern bundesweit gehören auch solche aus der Region: Auf Platz zwei mit einem Auszahlungspreis für gentechnikfreie Milch von 37,88 Euro je Kilo (gewertet wurde die Jahresanlieferung im Volumen von 500 Tonnen Milch) rangieren die Milchwerke Berchtesgadener Land mit Sitz in Piding. Platz 6 belegt mit einem Preis von 37,45 Euro für die Lieferanten von gentechnikfreier Milch das Rosenheimer Danone-Werk.
Niedrigere Preise im Norden und Osten
Zum Vergleich: Bayern hat, was die Auszahlungspreise angeht, die Nase vorn – im Schnitt wurden im Freistaat 36,84 Cent gezahlt. Im Bundesdurchschnitt zahlten die Molkereien im vergangenen Jahr 35,67 Euro an ihre Milchbauern aus. Am wenigsten zahlten nach Brancheninformationen vor allem Molkereien aus dem Norden und Osten Deutschlands.
„Ohne Gentechnik ist bei uns seit jeher Thema“, so Berchtesgadener Land-Vorstandsmitglied Bernhard Pointner. Das liege an der kleinbäuerlichen, traditionellen Struktur. Die Molkerei selbst verzichte schon immer auf Gentechnik in der Verarbeitung. Und die konventionell wirtschaftenden Zulieferer hätten sich 2010 dazu verpflichtet, ihre Kühe gentechnikfrei zu füttern.
Danone erklärt, dass der an die Milchbauern gezahlte Preis nicht nur in Rosenheim gelte, sondern dass an allen deutschen Danone-Molkerei-Standorten über dem Bundesdurchschnitt gezahlt werde. „Dabei orientieren wir uns an der Marktentwicklung“, führt Rosenheims Danone-Werksleiter Josef Antretter aus. „Wir haben feste vertragliche Beziehungen zu unseren Landwirten, von denen wir unsere Milch beziehen. Bei einem Großteil besteht diese Partnerschaft seit mehreren Generationen.“
Jährlich werden ins Rosenheimer Werk rund 70 Millionen Kilogramm Milch angeliefert, erzählt Antretter. „Sie kommt von etwa 220 Landwirten aus einem Umkreis von gut 15 Kilometern um das Werk.“ Dort hergestellte Milchprodukte, etwa Joghurt, werden in Deutschland und Nachbarländern wie Österreich verkauft.
Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist knapp die Hälfte der in Deutschland erzeugten Milch gentechnikfrei. Dazu kommt die Biomilch, die aufgrund der Öko-Verordnung gentechnikfrei sein muss. Immer mehr Milchviehhalter satteln auf „gentechnikfrei“ um. Mittlerweile kommen nach Erhebungen der AMI bei rund 40 Prozent der Milch keine gentechnisch veränderten Futtermittel mehr zum Einsatz. Vor sieben Jahren lag der Anteil gerade einmal bei rund drei Prozent. Vor allem die Forderung des Handels nach gentechnikfrei erzeugten Molkereiprodukten ist die treibende Kraft. Für die Verbraucher ist laut AMI gentechnikfreie Milch im Handel ohne Preisaufschlag zu bekommen. Die Landwirte jedoch bekommen mehr Geld, als wenn sie Milch „nur“ konventionell erzeugten.
Knapp 650000 Tonnen konventionell erzeugte Milch lieferten die bayerischen Bauern allein im Mai dieses Jahres an die Molkereien, 2018 waren es rund 663000 Tonnen. Die Erzeugerpreise haben leicht nachgegeben. So gab es im bundesweiten Schnitt 34,04 Cent pro Kilo konventioneller Milch, auch in dieser Kategorie gehört das Rosenheimer Danone-Werk zu den zehn Molkereien deutschlandweit, die 2018 die besten Preise zahlten: Mit 37,30 Cent pro Kilo steht Danone Rosenheim damit an zweiter Stelle unter den Top Ten. Auf Platz 6 landet mit 36,60 Cent je Kilo Milch die Molkerei Weihenstephan. Im Schnitt über 14 Cent je Kilo mehr erhalten Biobauern für ihre Milch. Laut AMI sank 2018 zwar der Preis für Biomilch um 0,58 Cent auf bundesweit 49,22 Cent (siehe Infokasten). Im langfristigen Vergleich ergibt das aber den zweithöchsten Wert. In den vergangenen zwei Jahren stieg der Anteil an Biomilch wegen der sehr guten Preise um rund 20 Prozent – mittlerweile hat sich der Boom etwas abgeschwächt bei einer Zuwachsrate von knapp fünf Prozent.
Auch bei der genossenschaftlichen Molkerei Berchtesgadener Land erwartet man in diesem Segment keine großen Sprünge im laufenden Geschäftsjahr: Pointner spricht in puncto Preisentwicklung von einer „Seitwärtsbewegung mit anhaltendem Mengendruck“. 2018 führte die Molkerei die Top-Ten-Liste der Bestzahler für Biomilch an, zahlte 51,53 Cent je Kilo an seine Demeter-zertifizierten Lieferanten. Für Naturland-Höfe gab es 50,13 Cent.
Die 80 biologisch-dynamisch arbeitenden Demeter-Bauern, angesiedelt zwischen Watzmann und Zugspitze, bekommen wegen des erhöhten Aufwands etwas mehr, erklärt BGL. Die Preise, schätzt Pointner, bleiben auf „maximal diesem Niveau.“ 30 Prozent machen Biomilch-Kunden bei BGL aus („Tendenz steigend“). Sie seien bereit, für Biomilch ein paar Cent mehr zu zahlen.
Konventionelle Milch
hat größten Anteil
Derzeit beliefern insgesamt 550 Bio-Höfe die Genossenschaftsmolkerei. Sie war 1973 die erste Bio-Molkerei im Freistaat. „Das ist für uns kein kurzer Trend, sondern Grundeinstellung“, stellt Pointner klar. Konventionell erzeugte Milch macht jedoch immer noch den Löwenanteil aus. Aber egal ob Bio oder konventionell, die Genossenschaft verfolgt ein Ziel, mit dem sie sich klar gegen den Trend in der Landwirtschaft stemmt: den nachhaltigen Erhalt kleinstrukturierter bäuerlicher Betriebe.
Die guten Milchpreise haben die Milchwerke BGL und die Molkerei Danone zwar gemein, dennoch könnten beide Betriebe nicht unterschiedlicher sein: Der eine agiert als regionale Genossenschaft, der andere Teil eines weltweit agierenden Konzerns, der börsennotiert ist.
Wie vor Redaktionsschluss bekannt wurde, befindet sich die Danone-Aktie seit vielen Jahren im Aufwärtstrend, bewegte sich zwischenzeitlich bei 72,50 Euro – momentan liegt das Kurspotenzial bei 87 bis 88 Euro.