Rosenheim/Bad Feilnbach – Vor rund drei Jahren machten sich 52 junge Menschen auf, einen Beruf zu erlernen, den Beruf des Schreiners. Bis auf einen von ihnen haben sie alle nun ihr Ziel erreicht und wurden feierlich als Handwerksgesellen freigesprochen. Erster Gratulant war Peter Moser, Obermeister der Schreinerinnung, der auch die Laudatio hielt und den neuen Gesellen den Ratschlag mit auf ihren künftigen Weg gab: „Nicht stehenbleiben, sondern sich den Anforderungen des Marktes anpassen, das ist auch im Handwerk die Zukunft.“
Verfahren im
Wandel der Zeit
Selbst wenn der Werkstoff Holz sich in den tausenden von Jahren, seitdem er von Menschheit bearbeitet wird, nicht geändert hat, so haben sich doch die Verfahren zu seiner Bearbeitung insbesondere mit der Digitalisierung vielfach verändert. Schon spricht die Branche vom „E-Handwerker“. Lasergesteuerte Maschinen haben im Schreinerhandwerk Einzug gehalten.
Computerkenntnisse mehr erforderlich
Während noch vor 30 Jahren viel Gefühl für den Einsatz des Hobels verlangt wurde, sind heute auch Kenntnisse im Umgang mit Computern gefordert und verlangen dem Schreiner ein neues und komplexes Know-how ab. Wenn einmal alles programmiert ist, geht die Arbeit dem Schreiner viel schneller von der Hand und wird damit deutlicher günstiger als die traditionelle Produktion von Hand. Daher verfügt die Rosenheimer Berufsschule auch über einen hochmodernen und innovativen Maschinenpark, um ihren Auszubildenden bereits heute das Schreinerwissen von morgen mitzugeben.
Die Entwicklung in der Branche setzt sich laufend fort. Deswegen ist der Ratschlag des Obermeisters, in der eigenen Entwicklung nicht stehen zu bleiben, sich stetig weiter zu bilden für die Zukunft der jungen Gesellen Gold wert, damit auch künftig die alte Volksweisheit „Handwerk hat goldenen Boden“ Bestand hat.
Spaß hat ihnen die Ausbildung gemacht, sagen die 51 Absolventen, unter ihnen zehn junge Frauen. Leicht waren die Prüfungen, die sie bestehen mussten, allerdings nicht.
Dazu Prüfungsausschussvorsitzender Sebastian Fischer: „Der Notendurchschnitt in der praktischen Prüfung lag bei 2,5 und in der theoretischen Prüfung bei 3,6. 13-mal konnten wir die Note Eins für die Erstellung der Gesellenstücke vergeben. Innungssieger der Gesellenprüfung 2019 wurde schließlich Jacob Schmid, von der Schreinerei Sebastian Reisinger aus Brannenburg.“ Er erhielt die Praxisnote „Eins“, die Theorienote „Zwei“ und bekam für sein Gesellenstück mit 97,4 Punkten ebenfalls die Note „Eins“.
Insgesamt standen drei Absolventen auf dem Einserpodest, denn Johanna Daxenberger (Schreinerei Sedlmeier aus Rott) und Sebastian Lechner (Schreinerei Moser aus Nußdorf) folgte dem Erstplatzierten mit nur wenigen Punkten Abstand.
Dann wurde es noch einmal richtig feierlich im Saal des Gasthauses Weingast in Bad Feilnbach, als Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots die nunmehr ehemaligen Auszubildenden nach einem alten Handwerkerritual freisprach und sie gleichzeitig als neue Gesellen in die Fachfamilie der Schreiner innerhalb des deutschen Handwerks aufnahm.
Neben der steht auch alljährlich die Siegerehrung für den Innungs-Wettbewerb „Die Gute Form“ auf der Tagesordnung der Schreinerinnung, an der traditionell die Lehrabschlussprüflinge teilnehmen. Mit der Anfertigung eines besonderen Möbelstücks stellen sie ihre erlernte Kunst unter Beweis. Der dritten Preis mit einem Barschrank aus heller Tanne ging an Thomas Ofenmach. Den zweiten Platz errang mit einem Notenpult aus Kirschbaum Thomas Echtler. Schließlich gelang es Johanna Daxenberger, an diesem Festabend noch einmal mit einem wohlproportionierten Raumteiler zu Ehren zu kommen und setzte sich auf den ersten Platz der „Guten Form“ in Rosenheim.
Gute Ausbildung
an Werken sichtbar
„Es ist immer wieder bewundernswert, wie filigran, sauber und professionell unsere Auszubildenden bereits nach gut drei Jahren Handwerkserfahrung Möbelstücke herstellen können. Hier spiegelt sich, die gute Ausbildung und das große Engagement der Ausbilder sowohl in den Betrieben, als auch in der Berufsschule wider,“ sagte Moser. Aufgrund der guten konjunkturellen Lage im Handwerk und den steigenden Auftragszahlen begeben sich die jungen Gesellen derzeit auf den „goldenen Boden“, den ein deutsches Sprichwort dem Handwerk zuschreibt.
Umsatzwachstum erwartet
Während die Umsatzprognose für das Gesamthandwerk für das Jahr 2018 bei einem Plus von fünf Prozent lag, erwartet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unterdes für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von vier Prozent. Zum Sommer hin habe sich das konjunkturelle Hoch gegenüber dem Frühjahr sogar noch verstärkt. Die aktuelle Geschäftslage, Umsatzentwicklung, Auftragspolster und Investitionsklima seien besser als jemals zuvor, so der Zentralverband.