Zehn Jahre „Ohne GenTechnik“-Siegel

von Redaktion

Ilse Aigner ist „Gründerin“ der Kennzeichnung – Molkerei Bauer eine der ersten Nutzer

Bei der Inklusions-Auszeichnung (von links): Alexander Heinrich (Sozialministerium), Florian Bauer (Holdingleitung), Staatsministerin Kerstin Schreyer, Dr. Michael Münch (Geschäftsführer Privatmolkerei Bauer), Sabine Wieland (stellvertretende Personalleiterin) und Michael Müller (Personalleiter).Foto Molkerei Bauer

Eiselfing – Zum Geburtstag darf eine Torte natürlich nicht fehlen! Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des „Ohne GenTechnik“-Siegels schnitt „Geburtshelferin“ Ilse Aigner den Geburtstagskuchen an und blickte mit langjährigen Wegbegleitern auf schwierige Anfänge, Erfolge und künftige Herausforderungen.

Feierstunde

zum Jubiläum

Eingeladen zur Feierstunde in Dirneckers Hofcafé in Höhfelden bei Wasserburg hatte der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). Dessen Vorsitzender Christoph Zimmer empfing neben Vertretern der Lokalpolitik und der heimischen Milcherzeugergemeinschaften drei besondere Ehrengäste: Ilse Aigner, die Präsidentin des Bayerischen Landtags und ehemalige Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hat sich im Jahr 2009 intensiv für die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung eingesetzt. Florian Bauer und Dr. Michael Münch von der Privatmolkerei Bauer vertreten ein Unternehmen, das einer der ersten Nutzer des Siegels war.

Wachstum in

der Sparte enorm

Das Wachstum im Bereich der gentechnikfreien Produkte ist immens. Produkte mit einem „Ohne GenTechnik“-Siegel haben in 2018 einen Jahresumsatz von 7,7 Milliarden Euro gemacht. Im Jahr 2019 rechnet man mit einem Umsatz von 8,5 Milliarden Euro. Mehr als 14000 Lebensmittel in Deutschland tragen heute die Kennzeichnung. Darunter fallen rund 5400 Milchprodukte, 4100 Geflügelfleischwaren und fast 2200 Eiererzeugnisse. Im Auftrag der Bundesregierung vergibt der VLOG für entsprechend hergestellte Lebensmittel Lizenzen für das Siegel. Am 10. August 2009 hat Ilse Aigner als Bundesministerin das „Ohne GenTechnik“-Siegel eingeführt.

Transparenz

für Verbraucher

„Das war damals eine turbulente Zeit“, erinnerte sie sich. Ihr sei es immer um die Frage nach der Transparenz für den Verbraucher gegangen. Mit der Kennzeichnung auch für Futtermittel habe man eine große Informationslücke geschlossen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des VLOGs bewerten 71 Prozent der Deutschen den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen zur Fütterung von Tieren als Basis von Milch, Eiern oder Fleisch als negativ. Gentechnik-Sorten von Soja, Raps und Mais sind in der EU für die Verwendung als Futtermittel zugelassen. Zwar muss die Verwendung im Futtermittel deklariert werden, auf den damit hergestellten tierischen Erzeugnissen fehlt aber der Hinweis auf die Gentechnik. Dadurch könne der Verbraucher nicht erkennen, ob Milch, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, heißt es von Seiten des Verbands. Das Siegel schafft hier Klarheit. Und kommt scheinbar gut an.

Wiedererkennung

ist wichtig

„Wachstumsraten des ‚Ohne Gentechnik‘-Lebensmittelmarktes von 41 Prozent in einem Jahr sprechen eine klare Sprache“, betonte VLOG-Vorstand Zimmer. Das Siegel werde, insbesondere durch seinen Wiedererkennungswert, aktiv für die Kaufentscheidung genutzt.

Doch sowohl für die Landwirte, als auch für die Molkereien sei die Umstellung eine große Herausforderung gewesen, wie Dr. Münch von der Privatmolkerei Bauer berichtete. Die neuen Standards mussten erst in den Alltag übersetzt werden. Die Landwirte hätten sich etwa intensiv mit dem Thema Fütterung auseinandersetzen müssen: Welche Futtermittel konnten noch eingesetzt werden? Außerdem gab es große Anforderungen an die Dokumentation. Die Molkereien seien mit einem zweiten Milch-Strom konfrontiert gewesen, der getrennt gesammelt und verarbeitet werden musste. Trotz des gestiegenen Aufwands wollte man bei der Molkerei Bauer unbedingt auf den Zug aufspringen. „Gentechnik und Natürlichkeit sind ein Widerspruch – für uns ist Natürlichkeit aber absolut wichtig“, so Geschäftsführer Florian Bauer. Insbesondere die ungewissen Langzeitfolgen sowie die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt sind für ihn Gründe, auf Gentechnik zu verzichten. Er wünscht sich klare Regeln für die Kennzeichnung wie in Deutschland auch auf EU-Ebene.

Für den Geschäftsführer ist mit der gentechnikfreien Milch aber nicht Schluss. Im Unternehmen wolle man das Thema „Nachhaltigkeit“ als Nächstes anpacken. „Der Weg geht immer weiter“, betonte er. Herausforderungen der Zukunft sieht man bei VLOG in aktuellen Bestrebungen, das EU-Gentechnikrecht zu ändern.

Dann sollen Produkte der sogenannten „Neuen Gentechnik“ ausgenommen werden, unter anderem die Technik CRISPR/Cas, mit der DNA gezielt geschnitten und verändert werden kann. „Das ist Gentechnik und muss nach Gentechnikrecht gekennzeichnet werden“, meinte VLOG-Vorsitzender Zimmer und betonte: „Die Verbraucher wollen diese Transparenz.“

Privatmolkerei Bauer erhält Emblem „Inklusion in Bayern“

Einen Arbeitsplatz zu haben – das bedeutet Teilhabe am Leben und an der Gemeinschaft. Und besonders für Menschen mit Behinderung ist das eine Chance, auf sich stolz zu sein.

Für ihren Einsatz für die Inklusion von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben hat Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer das Emblem „Inklusion in Bayern – wir arbeiten miteinander!“ an die Privatmolkerei Bauer in Wasserburg übergeben.

„Wir brauchen Arbeitgeber wie die Privatmolkerei Bauer. Sie sind ein Vorreiter für berufliche Inklusion und Vorbild für andere Arbeitgeber“, so Schreyer. Das international tätige Familienunternehmen beschäftigt rund 370 Mitarbeiter, davon haben zwölf eine Behinderung oder sind sogenannt gleichgestellt.

Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bereits Jugendliche mit Behinderung ausgebildet und übernommen. Außerdem bietet laut Schreyer Bauer immer wieder Praktika für Jugendliche mit Behinderung an. So konnten Beschäftigte beispielsweise nach einem Unfall oder nach einer Erkrankung in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Kirchseeon eine neue berufliche Perspektive finden.

Bauer wollte die Mitarbeiter unbedingt im Unternehmen halten – und hat es möglich gemacht, dass sie weiter im Werk Wasserburg arbeiten können. Die Förderung der beruflichen Inklusion ist eines der wichtigsten Ziele der Staatsregierung. „Allein 2018 haben wir dazu fast 100 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt. Zudem gibt es ein Informationsportal, das sowohl Bewerbern mit Behinderung als auch potenziellen Arbeitgebern wichtige Fragen beantwortet und anhand zahlreicher guter Beispiele aufzeigt, wie Inklusion im Arbeitsleben funktionieren kann“, betonte die Ministerin.

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