Oliver Nerz berät bei der IHK zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sowie in allen Phasen des Unternehmertums. Sein Einsatzgebiet sind die Stadt und der Landkreis Rosenheim sowie die Landkreise Berchtesgadener Land, Miesbach und Traunstein.
Jeder Unternehmer muss sich Gedanken zur Finanzierung seiner Projekte machen. Die IHK unterstützt sie, wenn ein Gespräch mit Banken oder Investoren ansteht. Inwiefern?
Unsere Beratungen schneiden wir immer individuell auf die Bedürfnisse des Gründers oder Unternehmers zu. Für die Gespräche mit möglichen Geldgebern bildet ein Business- oder Projektplan die Grundlage. In unseren Gesprächen checken wir daher im Vorfeld eines Termins mit den Geldgebern den Businessplan auf Vollständigkeit und Plausibilität. Die Planungen und die Ausarbeitung sollten realistisch und dem Vorhaben angemessen sein sowie die Rentabilität darstellen. Es ist dabei immer zu prüfen, ob für das Vorhaben öffentliche Förderungen oder Zuschüsse möglich sind. Die gängigsten Varianten sind hier Förderkredite über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) oder die LfA Förderbank Bayern.
Wie bereitet sich ein Gründer auf eine Finanzierungsrunde oder ein Bankgespräch vor, wenn noch keine Kennzahlen vorhanden sind? Kennzahlen finden die Gründer in Branchenreports von Banken und Sparkassen, welche meist kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Auch Fachverbände sind oft eine gute Anlaufstelle. Bei den Kennzahlen handelt es sich um Durchschnitts- und Erfahrungswerte der jeweiligen Branche. Sie sind bei der Ausarbeitung des Finanzplans hilfreich.
Auch wenn man als Unternehmer Buchhaltung und Steuern oft auslagert, welche Kennzahlen sollte man kennen?
Der Unterschied von Umsatz und Gewinn sollte jedem klar sein. Im Handelsbereich sind die Wareneinsatzquote und im Dienstleistungsbereich der kalkulatorische Stundensatz zur Deckung des Lebensunterhalts sehr wichtig. Hier stelle ich in den Beratungsgesprächen oft fest, dass sich mein Gesprächspartner darüber zu wenig Gedanken gemacht hat. Oft steigen die Gründer dadurch mit zu niedrigen Preisen in den Markt ein. Dies führt zwar schnell zu Aufträgen und zur Auslastung des jungen Unternehmens, aber eben nicht nachhaltig zum Unternehmenserfolg.
Interview: Elisabeth Sennhenn