Viele mögen‘s „eisig“

von Redaktion

Oberbayern: Rosenheim mit seinen Eisdielen auf Platz 2 – Mühldorf eher Schlusslicht

Rosenheim/BadAibling/Wasserburg/Mühldorf – Eis essen hat angesichts der milden Temperaturen immer noch Hochkonjunktur. An Möglichkeiten dazu mangelt es in der Region Rosenheim nicht, wie aus einer Erhebung der IHK für München und Oberbayern hervorgeht. Demnach gibt es in den 46 Rosenheimer Gemeinden derzeit 31 Eisdielen, in der Stadt sind es sieben. In der Vergangenheit war das Angebot nicht so groß: Vor 20 Jahren gab es im Landkreis noch 23 und in der Stadt fünf Läden.

Damit steht der Landkreis Rosenheim oberbayernweit auf Platz 2. Mehr Auswahl gibt es mit 81 Eisdielen nur in der Landeshauptstadt München. Am hinteren Ende steht der Landkreis Mühldorf mit sechs Betrieben.

In der Statistik werden sowohl Eisdielen erfasst als auch andere Gastronomiebetriebe wie beispielsweise Cafés, die Speiseeis anbieten. Aus dem IHK-Überblick geht außerdem hervor, dass die Hälfte der Inhaber in Stadt und Landkreis Rosenheim Unternehmer mit italienischem Pass sind.

Hausgemachte Eisspezialitäten

Aus Italien stammen auch die Vorfahren von Luca Sartori, Inhaber der Mühldorfer Eisdiele Venezia. Das Gespräch mit ihm klappt erst beim zweiten Anlauf – zu viel ist los an einem gewöhnlichen Werktag-Vormittag, ein erstes Indiz für den Eis-Hunger der Mühldorfer. Das Eiscafé am Stadtplatz haben Marco und Margherita Soravia 1962 eröffnet, Sartoris Großeltern. Sie waren Eismacher, stammten aus einem Tal unweit der Stadt Cortina d’Ampezzo, das auch als „Tal der Eismacher“ bekannt ist.

Schon ihre Eltern betrieben Ende der 30er-Jahre in Chemnitz und in Kattowitz „Eispaläste“. Die hausgemachten, echt italienischen Eisspezialitäten der Soravias finden schnell viele Fans in Mühldorf.

1977 übernahm Tochter Donata die Geschäfte, und heute, nach mehreren Umzügen in der Innenstadt, steht Luca Sartori hinterm Eistresen. Beide haben sich stets dafür eingesetzt, dass das Venezia am Stadtplatz bleiben kann, was wäre schließlich die Innenstadt ohne eine Eisdiele? 42 verschiedene Geschmacksvarianten hat Sartori mittlerweile im Angebot. „Ricotta-Orange ist heuer sehr beliebt“, sagt er, ein Dauerbrenner sei auch die Sorte „Cookies“. Kinder lieben Nutella-Eis.

Klassiker wie Schokolade und Stracciatella, die er selbst auch liebe, kämen jedoch nie aus der Mode. „Die Saison war gut dieses Jahr“, ist sein Resümee. Im Winter geht´s auf die großen Leitmessen der Branche, nach Italien oder Düsseldorf, wo sich Sartori inspirieren lässt und die neuesten Eismaschinenmodelle in Augenschein nimmt – „dennoch ist bei uns das Eismachen traditionell viel Handarbeit, die Maschinen unterstützen uns dabei.“

Ein eigenes „Eislabor“ betreibt das Caffe Da Noi in der Rosenheimer Innenstadt. Inhaber Marco Beninca bietet 28 verschiedene, selbst gemachte Eissorten an. „Die Klassiker gehen immer“, weiß Beninca und fügt an, „Walnuss-Feige“, „Mozartkugel“, und „Crema Siciliana“ würden auch nicht schlecht laufen. Die 21 Mitarbeiter sind derzeit permanent im Einsatz: „Dieses Jahr läuft das Geschäft ziemlich gut, aber 2018 war es noch besser“, sagt Beninca.

Das kann Sascha Küchler, Experte beim Marktforschungsunternehmen Nielsen, bestätigen: Der heiße Sommer im vergangenen Jahr habe dafür gesorgt, dass die Verbraucher fast 20 Millionen Liter mehr Eiscreme gekauft haben.

1,7 Milliarden Euro

für Eis im Jahr

Auch wenn die Deutschen nicht zu den Spitzenverbrauchern von Eis im Europa-Vergleich zählen (siehe Grafik), die Lust am Eis lässt sie dennoch tief in die Tasche greifen: Allein im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten gaben sie von Juni 2018 bis Mai 2019 rund 1,7 Milliarden Euro dafür aus. Wie die Forscher von Nielsen errechnet haben, sind das rund 21,25 Euro pro Kopf. Noch nicht mit eingerechnet ist hier, wie viele Kugeln an den Eisdielen übern Tresen gehen.

Mauricio Fabris von der Bad Aiblinger Eisdiele „Toscani“ hat die Eiskugeln in dieser Saison zwar nicht mitgezählt, doch er kann eine Reihe beliebter Sorten aus insgesamt 26 aufzählen: „Vanille, Griechischer Joghurt, Pistazie, Dunkle Schokolade, Malaga – und das sind längst nicht alle.“ Bevor das Toscani am 3. November in die Winterpause geht, läuft der Eisverkauf weiter.

29 Sorten gibt es im Eiscafé „Gondola“ in Wasserburg, wo seit 24 Jahren die Familie von Morena Zago an der Eismaschine steht. Hier waren die Hits in diesem Sommer neben Vanille, Schoko und Erdbeer das Zitroneneis und bei Kindern „Schlumpf“ und „Einhorn“. Bleibt noch die Frage, warum so viele Eisdielen „Venezia“ heißen? Eismacher Sartori meint: „Viele Menschen kennen Venedig und verbinden mit ihr etwas typisch Italienisches wie Eis – so, wie man bei Pizza an Rom denkt.“

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