Von Menschen für Menschen

von Redaktion

Dr. Max von Bredow (Quest AG) über die Baukultur und was sich dahinter verbirgt

Kolbermoor – Jede noch so schöne Architektur ist für die Katz‘, wenn sie sozial nicht funktioniert. Dass es nicht so weit kommt, dafür steht die Baukultur. Wie es um diese in der Region und allgemein bestellt ist, soll der Baukulturtag in Kolbermoor am morgigen Donnerstag aufzeigen. Dort versammeln sich Bauherren, Investoren, Architekten und vor allem auch kommunale Vertreter. Ein gemeinsames Ziel: Wohnraum mit Lebensqualität mit Zugang zur Natur wie beispielsweise Quartiersplätze, Höhe und Spielareale zu schaffen.

Bauten

als Treffpunkt

Einer, der bereits für „seine“ Baukultur ausgezeichnet wurde, ist Dr. Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest AG Kolbermoor. Sein Paradebeispiel ist das neu gestaltete Areal am Klostergarten in Weyarn. „Dort haben wir eine Symbiose aus Altem und Neuem, umgeben von Natur geschaffen“, so von Bredow. Zugleich ist der Vorplatz zum Treffpunkt für eine lebendige Gemeinschaft geworden. Wie wichtig generell jede Kleinigkeit ist, zeigt in diesem Fall die Pflasterung. „Mehrfach haben wir diese begutachtet und ausgetauscht, bis letztendlich der jetzige Stein verlegt wurde.“

Infrastruktur

und Gemeinwohl

Ein vitales Viertel mit Reihen- und Doppelhäusern hänge auch von Infrastruktur, Angebot und der Mischung von Alt und Jung ab beziehungsweise zusammen. Dass aus der „zusammengewürfelten“ Nachbarschaft eine Gemeinschaft entsteht, hat Quest in Weyarn mit einem Trick geschafft. „Wir haben dort im Anschluss an das Klostergelände einen Bereich mit Beeten geschaffen. Die Gestaltung und Pflege stimmen die Bewohner untereinander ab. Das fördere Gemeinsinn und Gemeinwohl.

„Trotz aller Gemeinsamkeiten verlangt Baukultur auch Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre“, betont von Bredow. Dies könne mittels (Dach-)Terrassen und Loggien erreicht werden.

Wie in der Medizin ist von Bredow zufolge der ganzheitliche Ansatz bei der Baukultur unerlässlich. „Wir wollen dabei auch die Anonymität brechen. Deshalb sieht man am Baustellenzaun Plakate mit den Gesichtern der Handwerker. Unser Credo: Hier wird von Menschen für Menschen gebaut.“

Das schließt die Mitwirkung der jeweiligen Ortsbewohner ein. Am Beispiel des Tannenhof-Areals in Bad Feilnbach erläutert von Bredow: Bei der Entwicklung eines großen Geländes in einer Kommune ist es für uns wichtig, die Menschen so früh wie möglich im Rahmen einer Bürgerwerkstatt einzubinden. So erhalten wir Impulse, was den Bürgern vor Ort fehlt, was sie sich wünschen. Umgekehrt können wir zeitnah aufzeigen, was umsetzbar ist.“

Der Begriff Baukultur dürfe auch nicht falsch interpretiert werden, etwa wenn von einer traditionellen Bauweise die Rede ist. Beispiel: das viel zitierte Satteldach im oberbayerischen Raum. „Das Einzige, was zählt, sind die Einfügung ins Ortsbild, passende Proportionen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Flächen“, sagt von Bredow. Fingerspitzengefühl bei Formen und Dichte ist gefordert. Hilfreich für die Planungen sind dem Experten zufolge auch Fixpunkte – seien es Altbauten oder Baumbestände. Hier ist das ehemalige Spinnereigelände in Kolbermoor ein Vorzeigeobjekt.

Quantität dürfe niemals vor Qualität stehen. Dazu gehöre auch hochwertige Ausstattung. Die Quest AG bevorzugt Naturprodukte wie Eichenböden aus nachhaltiger, europäischer Forstwirtschaft, regional verarbeitet. Ein wichtiges Merkmal ist auch ein umweltschonendes Heizen. „Dazu gehören wie in Weyarn ein gesteuertes Nahwärmenetz und thermische Hüllen der Häuser und eine hinterlüftete Holzfassade. Die Wärmeerzeugung mit Holz soll CO2-neutral erfolgen. „So können wir bei den angeschlossenen Haushalten auf dem Klosteranger mit der Hackschnitzelanlage circa 300000 Liter Heizöl pro Jahr einsparen“, schlüsselt von Bredow auf. Der demografische Wandel in der Gesellschaft macht vor der Baukultur nicht Halt. So fordert von Bredow ein Umdenken der Kommunen in puncto Einheimischenmodell: „Das klassische Ein- oder Zweifamilienhaus ist hier veraltet. Wir müssen in die Höhe bauen und mehr Wohnungen schaffen. Es gibt immer mehr Singlehaushalte. Wir brauchen mehr kleinere Wohneinheiten.“ Folgeeffekt: Nahezu automatisch würde dadurch ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Auch hier gebe es entsprechende Fördermöglichkeiten – für Kommunen möglicherweise ein Entscheidungskriterium.

Was haben Donut und Krapfen mit der Baukultur zu tun? „Sehr viel. Sie beschreiben zwei Effekte.“ Demnach ist der Donut Symbol für eine leere Ortsmitte, um die sich Gewerbe und Supermärkte gruppieren. Die Füllung wiederum ist beim Krapfen das Schmankerl. Es steht im Bauwesen für einen lebendigen Ortskern – umgeben von Wohnraum, Kirche und Co. Nur so könne eine enkeltaugliche Zukunft geschaffen werden. Und Bauten, die auch in 50 Jahren und darüber hinaus attraktiv sind.

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