Berlin/Rosenheim – Schon länger scheiden sich aus Klimaschutzgründen an der Ölheizung die Geister, tragen doch vor allem ältere Modelle kräftig zum CO2-Ausstoß bei und zählt der Rohstoff Erdöl zu den endlichen Energiequellen.
Kein Einbau von Ölheizungen mehr
Gestern Nachmittag hat die Große Koalition in Berlin ein Klimapaket verabschiedet, das ab 2026 ein Verbot für den Einbau von Ölheizungen vorsieht. Wer seine alte Ölheizung gegen ein klimafreundlicheres Modell auswechselt, soll mit bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert werden, so Informationen der Nachrichtenagentur dpa zum Redaktionsschluss gestern. Die Rosenheimer Innung der Spengler-, Sanitär- und Heizungstechnikbetriebe (SHK) warnt vor allzu großer Euphorie. Es sei noch zu früh, als Branche aus dem Verbot unmittelbar Schlüsse zu ziehen, so Obermeister Gerhard Hardrath. Er gibt zu bedenken, dass die Politik noch keine klaren Richtlinien ausgearbeitet habe.
Und wer aus Umweltschutzgründen ganz wegwolle vom Öl als Wärmequelle, sei in der Realität noch mit einigen Stolpersteinen konfrontiert. Auch in Bayern: „Es gibt Gegenden, da lässt sich ein Gebäude nicht einfach ans Gas- oder Fernwärmenetz anschließen, weil die Infrastruktur dafür fehlt.“ In der Praxis würden die neuen, politischen Vorgaben einige Probleme mit sich bringen, so sieht es auch SHK-Vorstandsmitglied Josef Gantner aus Stephanskirchen. Er erinnert daran, dass die Regierung schon vor Jahren steuerliche Anreize für energieeffiziente Verbrauchsanlagen vorgeschlagen, aber nicht umgesetzt habe. Rund 5,5 Millionen Ölheizungen gibt es laut Institut für Wärme- und Oeltechnik (IWO) in Deutschland; jede vierte sei mindestens 25 Jahre alt. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ließe sich fast jedes zweite Haus mit Ölheizung auf Gas umstellen. Über eine halbe Million Gebäude könnten Anschluss ans Fernwärmenetz erhalten – insgesamt ließen sich so gut 14 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Weiter könnten sogar bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, wenn alle Ölheizungen durch moderne Heizungstechnik ersetzt würden. Die Rosenheimer SHK-Innung warnt: Ob dies ohne Probleme möglich ist, hängt vom Zustand des Gebäudes ab. Eine Abwrackprämie für alte Heizungen sieht der SHK-Zentralverband kritisch: Verbraucher könnten den Heizungstausch hinauszögern und auf eine Prämie warten, die womöglich gar nicht komme.
Geht es etwa um die „Abwrackprämie“, die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht habe und die gestern bis Redaktionsschluss nicht Thema in Berlin war, so äußere sich darin für ihn eher ein „Klimadruck“, der zu schnellen Vorschlägen verleite. Ob es dazu käme, bleibe abzuwarten. Generell, sagt Gantner, müsse ein privater Haushalt von langer Hand planen, aus welchen Quellen er künftig Energie wie Wärme gewinnen wolle und welche Alternativen zur Ölheizung überhaupt individuell für ihn infrage kämen. Die vorhandene Infrastruktur spiele dabei eine große Rolle, genauso wie das Wohngebäude selbst: „Man kann in einem 40, 50 Jahre alten Bestandsbau zwar den alten Heizkessel austauschen, muss sich aber im Klaren sein, dass das aktuell nur rund 15 bis 20 Prozent Energieeinsparung bringt.“
Vorschriften sorgen teils für hohe Kosten
Daher müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel ein Fensteraustausch und Dämmungen. Das müsse gut überlegt sein. Der Umstieg auf eine Holzpellets-Heizung erfordere einen größeren Lagerraum für die Pellets: „Vor allem Mehrparteienhäuser geraten da an ihre Grenzen.“ Bei Neubauten sorgten die Energievorschriften dafür, dass vorgeschriebene Maßnahmen für Energieeffizienz – neben der modernen Heizungsanlage zum Beispiel eine Lüftung – die Kosten in die Höhe trieben. Im Übrigen, sagt Gantner, gebe es viele gute Beispiele für energieeffizientes Heizen: Neben bereits vorhandener neuer Technik sei dies zum Beispiel das Fernwärmenetz der Stadt Rosenheim.