In der Mittagspause auf den Berg

von Redaktion

interview Benedikt Böhm, Geschäftsführer von „Dynafit“ und Extrem-Skibergsteiger

Kiefersfelden – Vom Industriegebiet in Aschheim an die Alpen heißt es voraussichtlich in drei Jahren für die Mitarbeiter des Bergsportherstellers „Dynafit“. Direkt an der A 93 entstehtdie neue Firmenzentrale der Marke, die zur italienischen Oberalp-Gruppe gehört (wir berichteten). „Dynafit“-Geschäftsführer Benedikt Böhm erläutert im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die Gründe für den Umzug und gibt einen Ausblick darauf, was die Mitarbeiter und Kunden erwartet.

Herr Böhm, Sie sind als Extremsportler ständig in den Bergen unterwegs. Waren Sie die treibende Kraft hinter den Neubauplänen?

Das könnte man so sagen, ja. Mir war der Standort in Aschheim von Beginn an ein Dorn im Auge. Ich habe immer gesagt, eine Bergsportmarke wie Dynafit muss ihren Sitz nahe der Berge haben. Es war ein großer Traum von mir, dass wir das umsetzen. In den vergangenen Jahren haben wir uns viel angeschaut, zum Beispiel die ehemalige Papierfabrik in Rosenheim und das frühere Kasernengelände in Brannenburg. Das hat aber nicht gepasst. Erst über einen befreundeten Händler, Sport Brosig in Kiefersfelden, sind wir dann fündig geworden.

Welche Vorteile versprechen Sie sich vom neuen Standort?

Ich gebe ein praktisches Beispiel: Wir hatten oft den Fall, dass sich Leute bei uns beworben haben und dann sehr enttäuscht waren, wenn Sie zum Vorstellungsgespräch ins Industriegebiet fernab der Berge kamen. So haben wir schon einige gute Leute nicht bekommen. Die Arbeit mit den Bergen zu verbinden, ist für uns sehr wichtig. Mein Traum ist, dass ich in der Mittagspause schnell mal auf einen Berg laufen kann.

Ist das auch der Traum Ihrer Mitarbeiter? Wie haben diese die Umzugsankündigung aufgenommen?

Natürlich gibt es manche Kollegen, die sich an die Nähe zur Großstadt gewöhnt haben und diese auch nicht missen möchten. Es werden sicher nicht alle mitkommen, aber wir hoffen auf einen sehr großen Teil. Als wir die Entscheidung bekannt gegeben haben, gab es zunächst etwas Stille, aber dann tosenden Applaus. Die allermeisten von uns sind doch begeisterte Bergsportler und fiebern dem Umzug entgegen.

Sie werden auch neue Mitarbeiter brauchen. Ist absehbar in welchen Bereichen?

Es zieht ja nicht nur die Marke Dynafit um, sondern auch die Unternehmenszentrale der Oberalp-Niederlassung für die Länder Österreich, Deutschland und die Schweiz. Insofern wird das Thema Vertrieb und Marketing für diese drei Märkte eine wichtige Rolle spielen. Kundendienst, Buchhaltung und Internethandel werden wir sicherlich auch verstärken. Im Bereich Technik können wir auch immer gute Leute brauchen, also zum Beispiel Ingenieure, Entwickler und Qualitätsmanager.

Dynafit versteht sich als Marke „von Athleten für Athleten“. Kann ich nur für Sie arbeiten, wenn ich einen Berglauf ohne Sauerstoffzelt überstehe?

(lacht) Nein, das sicher nicht. In erster Linie zählt ganz klar das berufliche Können. Aber es ist in unserem Unternehmen sehr hilfreich, wenn man eine Passion für die Berge hat. Wir hatten kürzlich ein Sales-Meeting in Bozen. Das war so geplant, dass alle die Möglichkeit hatten, abends schnell noch 1000 Höhenmeter zu laufen. Ich glaube, es gibt in keiner anderen Sportartikelfirma so viele Sportler wie bei uns. Das spürt man ganz deutlich in unserer Firmenkultur.

Inwiefern verändert sich der Charakter der Firmenzentrale durch den Neubau?

Der Standort entspricht dann endlich der Marke. Allein das ist fundamental. Der Bau an sich wird unsere Werte Schnelligkeit, Leichtigkeit und Athletik verkörpern.

Was haben die Kunden vom Neubau?

Wir wollen, dass sie ganz stark davon profitieren. Offenheit war uns daher bei den Planungen sehr wichtig. Wir haben den großen Vorteil, dass wir direkt an der Autobahn sitzen werden. Wenn man abfährt, ist man in einer Minute bei uns. Das wollen wir nutzen und ein Mountain-Hotspot sein. In unserem Shop wird man Material testen können, zum Beispiel an unserer Boulderwand. Und in unserem Restaurant kann man bei Südtiroler Spezialitäten die gegangene Tour Revue passieren lassen.

Wie sieht der Zeitplan aus, wann werden die ersten Rechner in Kiefersfelden hochgefahren?

Im kommenden Frühjahr soll Baubeginn sein und wir werden, wenn alles gut geht, 2022 nach Kiefersfelden umziehen. Ich stehe schon jetzt immer wieder mal am Baugrund und stelle mir vor, wie es dann sein wird in einem Büro mit Blick auf die Berge.

Interview: Anton Maier

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