Rosenheim – Seit gestern verkauft die deutsche Tochter von Thomas Cook keine Reisen mehr, auch wenn von der Insolvenz zunächst nur die britische Muttergesellschaft betroffen ist. Doch die Unsicherheit ist groß. Niemand konnte gestern sagen, wie es weitergeht mit den Reisen, die unter den Marken Thomas Cook, Neckermann, Bucher Reisen, Air Marin oder Öger-Tours gebucht waren. Ob die deutschen Ableger ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, stand gestern Nachmittag nicht fest. Hinter den Kulissen wurde offenbar noch heftig verhandelt. Auch der Ferienflieger Condor erklärte gestern, planmäßig weiterzufliegen. Ob und wie lange das Geld reicht, war allerdings noch offen.
Die Reisebüros in der Region gaben sich gestern mit Auskünften der Presse gegenüber recht zugeknöpft. Wessen Kunden betroffen sind, hatte auch alle Hände voll zu tun. Manche Reisebüros bildeten kurzfristig Notfall-Teams, um der Flut von telefonischen Anfragen Herr zu werden. Doch letztendlich sitzen auch die Reisebüros in dieser Ausnahmesituation zwischen allen Stühlen. Informationen der Reiseveranstalter gibt es kaum und das wenige, was man weiß, kann sich stündlich ändern.
„Wir hängen
in der Luft“
„Wir hängen ebenso in der Luft“, fasst Jörg Beller vom Rosenheimer Reisebüro „Beller & Preuss“ die Situation zusammen. „Fest steht nur, dass alle Reisen von Thomas Cook für die nächsten zwei Tage abgesagt sind und dass die Fluggesellschaft Condor – vorerst – weiterfliegt.“
Der Knackpunkt sei, dass im Augenblick einfach niemand wisse, ob auch den deutschen Töchtern von Thomas Cook die Insolvenz drohe oder ob es weitergehe, so Beller. „Verbindliche Auskünfte können wir nur geben, wenn sich der Veranstalter dazu geäußert hat – und das ist noch nicht passiert.“
Das Problem sind in Bellers Augen auch nicht die Touristen, die mit gerade Thomas Cook irgendwo in der Welt Urlaub machen. „Die Touristen vor Ort werden durch den Veranstalter ja betreut.“ Und da Condor weiterfliege, bestehe auch momentan nicht die Gefahr, dass deutsche Touristen auf Flughäfen stranden, wie es britischen Thomas-Cook-Kunden passiert ist. „Die Gefahr besteht vor allem dann nicht, wenn andere Veranstalter als Thomas-Cook-Veranstalter involviert sind. Die würden sich dann um eine eventuelle Umbuchung kümmern.“ Die Rückreise von deutschen Urlaubern sei abgesichert, heißt es gestern auch aus der deutschen Thomas-Cook-Zentrale.
Anders schaut es aber mit den Kunden aus, die bereits bezahlt haben und nun die Reise nicht antreten können. „Das Geld ist abgesichert, aber die Leute können nicht ihren wohlverdienten Urlaub antreten“, so Beller. Der Ärger ist groß, und das Reisebüro vor Ort ist der einzig erreichbare Ansprechpartner.
Doch den Reisebüros bleibt in dieser Situation wenig mehr, als die Kunden zu vertrösten: „Wir haben im Augenblick einfach auch keine anderen Informationen. Und was wir wissen, geben wir sofort an unsere Kunden weiter“, sagt Beller.
Entspannt war gestern dagegen Oliver Nowotny vom Kolbermoorer Reisebüro Lohmann & Nowotny: „Ich habe genau einen betroffenen Kunden.“ Notwotny hat die Pleite kommen sehen, wie er sagt: „Seit der Brexit-Entscheidung vor zwei Jahren war ich sehr skeptisch, ob das gut gehen würde.“ Die Unsicherheit auf dem britischen Markt, der für Thomas Cook entscheidend ist, sei einfach zu groß gewesen. „Ich habe meinen Kunden von Reisen mit Thomas-Cook-Töchtern deshalb abgeraten“, so Nowotny. Nur ein Kunde wollte unbedingt in ein Hotel, das nur über Neckermann vertrieben wird. Ob die Reise nun wie geplant im November stattfinden kann, ist jetzt völlig unklar. „Noch ist die Reise nicht abgesagt“, so Nowotny. Wie es morgen ausschaue, könne keiner sagen.