Aschau/Samerberg – „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“, wusste schon Friedrich Wilhelm Raiffeisen, ein Begründer der urdemokratischen Gesellschaftsform der Genossenschaft (eG). Dieser Grundsatz und die Verwurzelung in der Region verbindet auch die beiden frisch gebackenen Projektpartner, die Raiffeisenbank Aschau-Samerberg und die BEC-Bürgerenergie Chiemgau. Die Vorstände beider Genossenschaften haben zwei wegweisende Mietverträge für Solaranlagen unterzeichnet.
Die Verträge besiegeln eine langfristige Partnerschaft für 20 Jahre. Der Inhalt der Verträge ist komplex und zugleich bestechend einfach und löst so das Problem der sinkenden Solarstrom-Einspeisevergütung. Hierfür hat die BEC bereits den Energiezukunftspreis 2019 erhalten.
Und so funktioniert es: Die BEC errichtet, unterhält und versichert je eine 30 Kilowatt starke Fotovoltaikanlage auf den Geschäftsstellen der Raiffeisenbank in Aschau und Samerberg. Die Bank betreibt die Solarstromanlage, nutzt den Strom im Gebäude selbst, spart so teuren Netzstrom und speist den überschüssigen Strom für eine feste EEG-Vergütung ins Stromnetz. Dafür erhält die BEC eine Anlagenmiete. Die Anlagen werden durch die Mitglieder der BEC finanziert und sind somit reine Bürgerenergie-Projekt. Mitglied werden kann jeder.
Die Vorteile dieser Konstellation sind vielfältig. Die Energie wird sauber und CO2-frei erzeugt, die Wertschöpfung der Energie verbleibt bei den Projektpartnern und damit den Bürgern und der Region. In Zahlen bedeutet das pro Jahr rund 30 Tonnen CO2-Einsparung und 60000 kWh Solarstromproduktion.
Die lokale Kopplung von Stromerzeugung und Verbrauch stärkt zudem den Wirtschaftskreislauf direkt im Ort und macht somit ein Stück unabhängiger von Energieimporten. Die BEC hat bislang Projekte ausschließlich mit Kommunen umgesetzt, so Vorstand David Schmidtner, und wage mit diesem Bürgerenergieprojekt zusammen mit der Raiffeisenbank Aschau-Samerberg erstmals einen privaten Partner. Grund ist das Vertrauen in die Stabilität der Gesellschaftsform der Genossenschaft und die regionale Ausrichtung der Bank.
Die Bank könnte die Solarstromanlagen zwar auch selbst finanzieren, hat sich aber entschlossen dies gemeinsam mit den Bürgern umzusetzen. Dieser Entschluss, so Vorstand Daniel Sauer, sei im Grunde keine große Überraschung, sondern entspräche dem Leitgedanken der langfristigen und genossenschaftlichen Kooperation mit den Bürgern und der Region.
Mit diesen beiden Fotovoltaikanlagen werden nun die zwölfte und 13. Bürger-Energieanlage durch die Bürgerenergie Chiemgau gebaut, seit sie vor zwei Jahren gegründet worden ist. Die gesamte Solarstrom-Leistung beträgt damit 416 kW zuzüglich eines Blockheizkraftwerks. Die jährliche CO2-Einsparung aller Projekte beläuft sich nach Angaben der BEC auf rund 400 Tonnen.