Rosenheim – Nun ist es doch passiert: Nach dem britischen Mutterkonzern Thomas Cook haben gestern auch die deutschen Tochtergesellschaften Thomas Cook, Bucher Reisen und Öger Tours einen Insolvenzantrag eingereicht. Schon geleistete Anzahlungen sind eigentlich über eine Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters abgesichert. Doch noch ist unklar, ob das Geld reicht und Kunden nicht auf Kosten sitzen bleiben.
Jörg Beller vom Rosenheimer Reisebüro „Beller & Preuss“ warnt allerdings vor solchen Spekulationen. „Ob Kunden am Ende tatsächlich auf Kosten sitzen bleiben, weiß heute niemand. Das ist ein bislang einzigartiger Fall.“ Noch nie sei ein derart großer deutscher Reiseveranstalter Pleite gegangen: „Es gibt keine Erfahrungen mit einer solchen Insolvenz.“ Noch sei unklar, wie viele deutsche Urlauber tatsächlich von der Pleite betroffen seien – und wie viele bereits voll bezahlt haben oder wie hoch die Anzahlungen waren. „Niemand kann heute verlässlich sagen, um welche Beträge es tatsächlich geht“, meint Beller.
Er war gestern den ganzen Tag über am Telefon, um die Kunden über die neue Situation zu informieren. Die Reaktionen? „Ganz verschieden, aber insgesamt verständnisvoll.“ Manche seien zerknirscht, manche akzeptierten es, einige würden jetzt Urlaub daheim machen, andere hätten gleich eine neue Reise gebucht.
Und die Kunden, die gerade im Urlaub sind? „Da habe ich bislang nichts gehört.“ Dass Hotels Geld von Gästen verlangen, sei zwar nicht ausgeschlossen: „Aber auch hier muss man genau hinschauen: Manche Hotels sind möglicherweise ja auch vom Veranstalter schon bezahlt worden.“
Etliche Neckermann-Reisende betreut auch das Reisebüro Eggerl in Wasserburg. „Wir haben viele Anrufe von verunsicherten Kunden, die gerade im Zielgebiet sind. Sie wollen natürlich wissen, wie es weitergeht“, sagt Larissa Eggerl. „Es ist schwierig, weil niemand wirklich etwas weiß und Thomas Cook nur spärlich informiert“, sagt sie. Probleme mit Rückflügen gibt es ihren Erfahrungen nach bislang nicht, aber manche Kunden müssten die Hotelrechnung begleichen, obwohl die Reise schon komplett bezahlt ist. „Das ist natürlich ärgerlich für den Kunden. Man kann erst zu Hause versuchen, das Geld zurückzuholen.“ Die Kunden reagierten überwiegend verständnisvoll, auch wenn der Ärger über den Veranstalter groß ist: „Viele haben einfach lange für ihren Jahresurlaub gespart.“