Lernhilfe „Simpleclub“ schon als Schüler gegründet

von Redaktion

Stellwerk 18 lädt heute im Kolbermoorer Kesselhaus zu Infotag für junge Unternehmer und Schüler ab 14 Jahren ein

Rosenheim/Kolbermoor – Apple wurde in einer Garage gegründet. Ort und Alter sind für erfolgreiche Unternehmensgründungen nicht ausschlaggebend. Die YouTube-Stars und Gründer von Deutschlands erfolgreichster Lernapp „Simpleclub“, Alex Giesecke und Nico Schork, sind hierfür ein Beweis und standen im Vorfeld der heutigen Veranstaltung im Kolbermoorer Kesselhaus rund um den Gründergeist von Jugendlichen ab 14 Jahren den OVB-Heimatzeitungen Rede und Antwort. Die Veranstaltung beginnt heute um 17.30 Uhr im Kesselhaus. Für eine Teilnahme ist eine Anmeldung bis heute Mittag per E-Mail an sabrina@startupteens.de erforderlich. Im Vorfeld der Veranstaltung ist ein „Meet &Greet“ mit Giesecke und Schork zu gewinnen – zum Erfahrungsaustausch.

Wie sind Sie auf die Idee von Simpleclub gekommen?

Wir sind auf die Idee gekommen, als wir in der elften Klasse waren. Wir wollten etwas im Internet starten und haben mitbekommen, dass unsere Mitschüler Probleme mit Mathe hatten und ins Netz zu YouTube gegangen sind, um Videos zu finden, die ihnen weiterhelfen. Das haben wir dann auch gemacht und festgestellt, dass alle Videos zu diesem Thema unglaublich schlecht waren. Also haben wir uns das Ziel gesetzt, die coolsten Mathe-Nachhilfe-Videos in Deutschland zu machen. Über die Zeit haben wir dann immer mehr Videos produziert, die Fächer ausgeweitet und haben unsere Lern-App aufgebaut.

Wie war die eigene Schulzeit?

Wir waren ganz normale Schüler, in naturwissenschaftlichen Fächern gut, aber keine Streber. Wir sind auch auf Partys gegangen und haben gefeiert. Im Großen und Ganzen waren wir gute Schüler, die ohne großen Aufwand durch die Schule gekommen sind.

Gründungsidee und -umsetzung sind oft zwei Paar Stiefel. Was hat Sie letztlich zum entscheidenden Schritt gebracht?

Wir haben in der elften Klasse angefangen, unsere Idee umzusetzen und wir wussten damals noch gar nicht, dass wir hier gerade ein Unternehmen aufbauen. Wir hätten uns damals genau eine Organisation wie Startup Teens gewünscht, die uns zeigt, was Gründertum ist, die uns am Anfang Tipps gibt, wo Fehler lauern und wie man es richtig macht. Zum Beispiel haben wir keine Testings gemacht, sondern Videos produziert, wie wir sie cool fanden.

Was können Sie anderen jungen Gründern empfehlen beziehungsweise an die Hand geben?

Man benötigt ein gewisses Maß an Ausdauer und Fokus. Und keinesfalls sollte man ein gutes Netzwerk unterschätzen. Das ist gerade am Anfang besonders wichtig, um erfolgreich zu sein.

Hatten Sie Rückschläge, wenn ja, welche und wie sind Sie damit umgegangen? Was können Sie hier anderen empfehlen?

Als wir die ersten Videos bei YouTube hochgeladen hatten, glaubten wir, damit reich zu werden. Nach den ersten sechs Monaten und vielen Videos hatten wir aber erst genau zehn Dollar verdient. Es war am Anfang unglaublich hart, aus der großen Masse an Videos herauszustechen und überhaupt die eigene Zielgruppe zu erreichen. Deshalb würden wir Teenagern, die eine eigene Idee für ein Start-up haben, mitgeben, dass es unglaublich viel Ausdauer braucht, aber auch, dass es unglaublich viel Spaß macht. Durch Unternehmertum hat man die Möglichkeit, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, Probleme für eine große Menge an Leuten zu lösen und etwas zu erschaffen, was etwas verändert.

Führt die Devise „Kurz und knackig“ zum Erfolg?

Kurz und knackig habe ich ehrlich gesagt in dem Zusammenhang noch nie gehört (lacht). Was auf jeden Fall zum Erfolg führt, ist unserer Meinung nach 80/20 – also Paretoprinzip. Also was sind die wirklich wenigen Dinge, die zum Erfolg führen? Man sollte sich nicht in Perfektionismus verlieren, weil das unglaublich viel Zeit kostet und am Ende keinen großen Unterschied für das Endergebnis macht – aber trotzdem nicht schlampig werden und keine Qualität einbüßen! Was ist das Ergebnis, das ich erzielen will und was ist der schnellste und beste Weg, um dahin zu kommen. Wenn man das immer macht, dann kommt man zum Erfolg.

Nachhilfe ist ja ein großer Markt geworden. Was zeichnet gute und schlechte Angebote aus? Wo sehen Sie hier Ihre entscheidenden Vorteile?

Wir glauben, dass gute Angebote sich dadurch auszeichnen, dass sie genau das bieten, was ein Schüler braucht und diesen Nachhilfecharakter gar nicht erst entstehen lassen. Unserer Meinung nach darf man es erst gar nicht zu dem Fall kommen lassen, dass man Nachhilfe benötigt. Das ist auch das Ziel von Simpleclub: Wenn der Schüler lernt, hat er uns als Werkzeug, das er nebenbei benutzt, um sofort alles zu verstehen und gar nicht erst in die Falle zu tappen, dass er Nachhilfe braucht.

Sie sind schon in vielen Haushalten zu Haus. Was macht in Ihren Augen Ihren Erfolg aus?

Das Wichtigste ist, dass wir alles auf Augenhöhe erklären und nicht belehren. Wir versetzen uns in die Schüler hinein und erklären es so, wie sie es von einem Kumpel hören würden. Dadurch merken sie: Ey, das ist gar keine abstrakte Raumfahrttechnik, sondern etwas, das ich verstehen kann. Außerdem braucht es immer erstmal einfache Beispiele – selbst, wenn die das Thema am Anfang noch nicht perfekt darstellen. Aber am Anfang mit Definitionen anzufangen und am Schluss Beispiele zu reichen, ist die dümmste Art, etwas zu erklären.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Schülern, Lehrern und Eltern?

Wir erhalten fast durchweg positive Rückmeldungen. Witzigerweise auch von Lehrern, die unsere Inhalte dann im Unterricht verwenden. Die typischen Kritiker sind eher Ältere, die generell Sachen online nicht gut finden und glauben, dass Online-Lernen nicht funktioniert. Aber zu 99 Prozent haben wir positive Rückmeldungen von allen drei Zielgruppen.

Unterricht und Schulbücher sind oftmals nicht leicht verständlich. Sehen sie hier einen weiteren Bereich in Lehrerfortbildung oder in Kooperationen mit Kultusministerien und Co.?

Wir wollen auf jeden Fall jetzt verstärkt in Richtung Politik gehen und Simplecub dort positionieren. Eben weil wir glauben, dass es nicht sinnvoll ist, ein Parallelsystem zu erschaffen, das in Konkurrenz zum eigentlichen Schulsystem steht. Wir müssen da an einem Strang ziehen und die Sache gemeinsam nach vorne bringen. Das betrifft nicht nur unsere Schulfächer, die wir im Bereich Simpleclub haben, sondern auch Entrepreneurial Education, wie bei Startup Teens. Es darf nicht sein, dass das in der Schule gar kein Gewicht hat, sondern es muss eher Hand in Hand gehen.

Interview: Silvia MIschi

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