Kolbermoor – Wie macht man aus einer verrückten Idee ein erfolgreiches Start-up? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der das Gründerzentrum „Stellwerk18“ zusammen mit der bundesweiten Initiative „Startup Teens“ ins Kesselhaus nach Kolbermoor eingeladen hatte. Rund 140 Schüler aus der Region ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich über das Thema Gründen zu informieren und Kontakte zu knüpfen.
Einer von ihnen war Luis Heizer ein Schüler des Gymnasiums Raubling, der beweist, dass auch in der Region Gründergeist zu finden ist. Der Zwölftklässler hat bereits sein eigenes Unternehmen gegründet. Er arbeitet an einer App, mit der sich der Schulalltag übersichtlich organisieren lässt. „Ich nehme mit, dass ich über Startup Teens konkrete Unterstützung bekommen kann“, so der Zwölftklässler. Einen weiten Weg hatte Sophie Hepper für die Veranstaltung auf sich genommen. Sie hatte über Instagram davon erfahren und war extra aus Würzburg angereist, um sich Tipps für ihre geplante Selbstständigkeit zu holen.
Die Zielgruppe
genau kennen
Prominente Zugpferde für die Veranstaltung waren die beiden Gründer Alex Giesecke und Nico Schork. Sie haben mit der Online-Lernplattform „Simpleclub“ Deutschlands erfolgreichste Lern-App geschaffen. Aus ihrer eigenen Erfahrung beantworteten Alex Giesecke und Nico Schorck die Frage nach dem wichtigsten Tipp für Gründer sehr konkret: „Man muss seine Zielgruppe sehr genau studieren, bevor man loslegt“, sagte Giesecke. „Entscheidend ist zu wissen, welche Probleme sie hat und welche Lösungen man anbieten kann.“
Nicht gründen nur um des Gründens willen
Manche Leute seien so verliebt in ihre Idee, dass sie sich keine Gedanken darüber machten, ob es dafür überhaupt einen Bedarf am Markt gibt, so Giesecke. Einfach einem Trend hinterherzulaufen, um irgendwie erfolgreich zu sein, und dann um des Gründens willen zu gründen, führe nicht zum Erfolg, ergänzte Schork.
Zum Gründen gehöre auch, Rückschläge einzustecken und sich dadurch nicht entmutigen zu lassen, darin waren sich alle Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. Umso wichtiger sei es, sich ein Umfeld zu schaffen, das motiviert, betonte Schork. „Es hilft sehr, so früh wie möglich in Kontakt mit anderen Unternehmern zu kommen. Hier bekommt man konstruktive Rückmeldungen und auch Zuspruch, wenn es nicht so gut läuft.“
Diese Erfahrung machte auch die Münchner Studentin Maria Mühlenweg, die an einer Bildungs-App arbeitet und ihren Worten nach sehr vom Netzwerk profitiert, das sie über „Startup Teens“ vermittelt bekam. „Mir wurde sehr dabei geholfen, meine Idee selbstständig weiterzuentwickeln und meine Ziele fokussiert zu verfolgen.“
Das Thema Ziele war auch Giesecke wichtig. „Schule ist ein System, in dem man Ziele verfolgt, die man sich selbst nicht gesetzt hat“, sagte er an die Schüler gerichtet. Wenn man dann aus der Schule komme, sei es wichtig, sich eigene Ziele fürs Leben zu setzen und sich zu fragen, wie man diese erreichen kann. „Grundsätzlich, aber vor allem beim Gründen, sollte man darüber nachdenken, wie man einen Wert für andere schaffen kann“, so Giesecke.
Von der Region aus in die Welt – diesen Weg ging die Rosenheimer Textilhändlerin Karin Stäbler. Ende der 90er-Jahre, in einer Zeit, als der Internet-Handel noch in den Kinderschuhen steckte, hat die Textilhändlerin die Bedeutung von Begriffen wie „E-Commerce“ und „Multichannel-Strategie“ erkannt. Ihre „Reich Online Services GmbH“ machte sie zu einem der wachstumsstärksten Mittelständler Bayerns. „Es hat eine Weile gedauert, aber letztlich ist es mir gelungen, in einem wichtigen Marktsegment die Nummer eins zu werden“, blickte Stäbler zurück.
Eine andere Perspektive zum Thema Unternehmertum konnte Andreas Bürger beitragen. Er stieg vor etwa fünf Jahren ins Unternehmen seines Vaters, die BBW-Lasertechnik in Pruttin, ein.
In seiner Rolle als junger Chef sei es wichtig gewesen, sich für die Meinung der Mitarbeiter zu interessieren. „Vor allem kommt es darauf an, die Chancen zu sehen und nicht das Risiko“, so sein Rat.
Einen wichtigen Tipp fürs Unternehmerdasein gab auch Alex Giesecke: „Man muss Probleme frühzeitig erkennen und darf deren Lösung keinesfalls auf die lange Bank schieben.“ Sie hätten bei „Simpleclub“ schmerzhaft erfahren, welche Folgen es hat, Schwierigkeiten nicht rechtzeitig anzupacken. „In der Frühphase mussten wir an einem Tag die Hälfte unseres Teams entlassen, weil wir eine Entwicklung unterschätzt haben“, so Giesecke. „Dieses unschöne Erlebnis hätten wir uns ersparen können.“
„Auch Siemens war mal ein Startup“
Die Bedeutung des Gründens aus Sicht der Politik unterstrich Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Die Chancen des digitalen Wandels zu nutzen, sei vor allem eine Frage der geistigen Grundhaltung, so die CSU-Politikerin. Hierzulande sei man zumeist eher sicherheitsorientiert und wage nicht so schnell den Sprung ins Ungewisse, sagte Aigner. Dabei zeige die Vergangenheit, dass Deutschland auf eine lange Tradition als Gründerland zurückblicke: „Auch Siemens war mal ein Startup.“