Pendlerzahlen auf dem Höchststand

von Redaktion

79000 Personen im Landkreis Rosenheim und 35000 im Kreis Mühldorf überschreiten auf dem Weg zum Arbeitsplatz die Kreisgrenzen

Rosenheim/Mühldorf – Die Zahl der Berufspendler in der Region Rosenheim hat einen neuen Höchststand erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit verließen im vergangenen Jahr rund 79000 Menschen regelmäßig die Landkreisgrenze – 42 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis rund 55000 Auspendler. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum hat die Bevölkerungszahl im Landkreis von 236000 auf 261000 zugelegt – eine Steigerung von lediglich 10,5 Prozent.

Auch in der Stadt Rosenheim hat die Mobilität in Sachen Arbeitsplatz zugelegt. 2018 kamen rund 24000 Menschen von außerhalb zum Arbeiten in die Stadt – 34 Prozent mehr als im Jahr 2000. Damals zählte Rosenheim noch rund 18000 Einpendler. Die Einwohnerzahl der Stadt Rosenheim ist dagegen nur um rund 4400 auf 634000 Personen angestiegen.

Die IG Bau beruft sich auf eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Gewerkschafter Michael Müller spricht von einem „alarmierenden Trend“. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten. Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler in und um Rosenheim mittlerweile gang und gäbe, betont Müller. Darunter leidet auch die Umwelt: Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emmissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Die IG warnt vor einer weiteren Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen.“, so Müller.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar. „Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß“, macht Müller deutlich. Einen entscheidenden Beitrag gegen den „Pendel-Frust“ könnten zudem die Firmen leisten – indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik in Rosenheim ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten 2018 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

Auch im Landkreis Mühldorf hat die Zahl der Berufspendler einen Höchststand erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit verließen 2018 rund 35000 Menschen die Grenzen des Kreises – das sind 39 Prozent mehr als noch 2000. Damals zählte der Kreis noch rund 25000 Auspendler.

Artikel 8 von 9