Flötzinger treibt die Platznot um

von Redaktion

Perspektive für Standort in Schechen – Stammsitz bleibt in jedem Fall in Rosenheim

Rosenheim – Seit mehr als 475 Jahren gehört die Brauerei Flötzinger zu Rosenheim. Und während die Branche insgesamt seit Jahren gegen einen Abwärtstrend kämpft, läuft es für das Traditionsunternehmen gut. Und zwar so gut, dass das Wachstum zunehmend für Platzprobleme sorgt. Kein Wunder, schließlich sitzt die Brauerei in der Innenstadt und kann dort nicht einfach expandieren.

„Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Außenstandorte in der Umgebung aufgebaut, weil wir bei uns am Stammsitz nicht wussten, wie wir unser Sach unterbringen sollen“, erläutert Geschäftsführer Andreas Steegmüller-Pyhrr im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Als Beispiele nennt er Kühlanhänger, Biergarnituren sowie große Mengen an Leergut und Masskrügen.

Weite Entfernungen sind ein Problem

Das Platzproblem wurde also gelöst, aber eine dauerhafte Lösung soll das nicht sein. „Fünf verteilte Standorte zusätzlich zum Stammsitz zu haben, ist alles andere als praktisch“, so Steegmüller-Pyhrr. „Zu einem der Außenlager fährt man mit dem Lastwagen etwa eine Dreiviertelstunde.“ Eine vielversprechende Perspektive tut sich jetzt in der Gemeinde Schechen auf, genauer gesagt im Ortsteil Deutelhausen.

In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat erneut mit einer Ortsumfahrung, über die seit Jahren gesprochen wird. Ein Bau im staatlichen Auftrag ist auf absehbare Zeit kein Thema, Die Gemeinde könnte die Umfahrung von Deutelhausen im Rahmen des Programms Staatsstraßen in kommunaler Baulast“ aber selbst bauen und sie später in die Baulast des Straßenbauamts geben.

„Unser Stammsitz bleibt in Rosenheim“

Die Kosten würden zu drei Vierteln gefördert und das Bauvorhaben ließe sich in den kommenden Jahren verwirklichen (wir berichteten). An dieser Stelle kommt die Brauerei Flötzinger ins Spiel. Sie besitzt im Gemeindegebiet Grundstücke, die für den Bau der Umgehung erforderlich wären. Mit einer Lagerhalle auf einer neuen Gewerbefläche liebäugelt man schon seit einiger Zeit, nun geht es um mehr: „Wir könnten uns vorstellen, auf lange Sicht auch Teile der Logistik und des Fuhrparks nach Deutelhausen auszulagern“, erläutert Steegmüller-Pyhrr. Das hätte seinen Worten nach auch den Vorteil, dass große Lastzüge nicht mehr unbedingt in die Rosenheimer Innenstadt fahren müssten, um größere Lieferungen abzuholen.

Auf eine Feststellung legt der Geschäftsführer von Flötzinger großen Wert: „Unser Stammsitz würde selbstverständlich in Rosenheim bleiben. Eine Brauerei ist dort, wo das Sudhaus steht. Wir sind eine alteingesessene Rosenheimer Brauerei, und daran wird sich nichts ändern.“

Ganz unproblematisch gestaltet sich das Vorhaben aber nicht, wie in der Gemeinderatssitzung deutlich wurde. Durch das Gelände verläuft eine Gasleitung, daher darf dort nicht gebaut werden. Die Brauerei will daher die künftige Gewerbefläche deutlich nach Osten ausweiten. Dagegen wenden sich jedoch andere Grundstückseigentümer und auch der Bayerische Bauernverband kritisiert die Pläne mit Blick auf den Flächenverbrauch. Die Ortsumfahrung sei überdimensioniert und es gebe keine Anhaltspunkte für deren Notwendigkeit. Ähnlich argumentiert die Untere Naturschutzbehörde in einem Schreiben. Der Gemeinderat entschied sich trotz dieser Bedenken, den Flächennutzungsplan zu ändern, er wird nun erneut öffentlich ausgelegt.

Bei der Flötzinger-Brauerei würde ein großer Standort in Deutelhausen jedenfalls spürbare Erleichterung bringen. „Wenn wir große Mengen einer Biersorte produzieren wollen, ergibt sich automatisch die Frage, wohin mit den vielen gefüllten Bierkästen und Fässern“, sagt Steegmüller-Pyhrr. „Am einfachsten wäre es, wenn wir einen Lastwagen vollladen und damit zu einem nahe gelegenen Außenlager fahren könnten.“

Trend zum Bier aus kleinen Brauereien

In den kommenden Jahren dürfte sich die Problematik noch zuspitzen, wenn man die Entwicklung der Brauerei betrachtet. Der Umsatz stieg zuletzt kontinuierlich an, die Aussichten sind laut Steegmüller-Pyhrr gut.

„Wir profitieren vom Trend, dass die Leute immer öfter zu Bieren aus kleinen Brauereien greifen.“ Es mache sich bezahlt, dass man eine authentische Marke habe, so der Geschäftsführer. „Wir definieren uns nicht über ein modernes Klischee. Wer unser Bier kauft, weiß das zu schätzen.“

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