Hochzeit ohne Hindernisse

von Redaktion

Prokutec GmbH aus Raubling übernimmt Kluger Sondermaschinenbau in Mühldorf

Raubling/Mühldorf – Da haben sich zwei gesucht und gefunden: Die Prokutec GmbH aus Raubling wollte ihr Portfolio erweitern, die Firma Kluger Sondermaschinenbau in Mühldorf war bereit für einen neuen Eigentümer. Als Resultat bündelten beide Unternehmen ihre Kräfte, seit Jahresbeginn ist Kluger ein Teil von Prokutec.

Das Jahr 1992 markiert für beide Firmen den Beginn ihrer Geschichte. „Ich habe damals meinen Wunsch in die Tat umgesetzt, mich selbstständig zu machen“, erinnert sich Josef Kluger. Ein kleiner Einmannbetrieb sollte es werden, der im Bereich Maschinenbau für Kunden konstruiert, programmiert und Anlagen in Betrieb nimmt. So wurde das Wohnzimmer im heimischen Mettenheim zum Konstruktionsbüro umfunktioniert.

„Ich habe dann aber rasch festgestellt, dass es ohne eigene Produktion nicht funktioniert. Allzu oft habe ich benötigte Teile nicht bekommen oder die Qualität hat nicht gepasst“, erzählt der gelernte Betriebsschlosser. Also wurde kurzerhand ein alter Kuhstall in der Nachbarschaft zum Firmensitz mit erster Produktion. Auf Dauer freilich kein Zustand, 1997 erfolgte der Umzug in ein Gewerbegebiet im Norden Mühldorfs.

Auch das mit dem Ein-mannbetrieb hatte sich schnell erledigt, die Zahl der Mitarbeiter wuchs über die Jahre stetig bis auf über 20 Angestellte. Heute macht Kluger mehr als drei Millionen Euro Umsatz und zählt Unternehmen wie BMW, Linde oder Magna zu seinen Kunden. Für sie konstruiert und baut die Firma zum Beispiel Prototypen, Prüfstände und Sondermaschinen. Auch Lohnfertigung von Einzelteilen, Kleinserien und Baugruppen gehört zu den Dienstleistungen.

Für Prokutec, ein Unternehmen mit über 60 Mitarbeitern und knapp acht Millionen Euro Umsatz, ist Kluger die ideale Ergänzung des Portfolios, sagt Geschäftsführer Michael Beyer. „Wir sind ein klassischer Lohnfertiger in den Bereichen Laser- und Blechbearbeitung, Feinmechanik und Wasserstrahlschneiden“, erläutert der Firmeninhaber. Man habe immer nach Zeichnungen der Kunden gearbeitet, aber immer öfter Anfragen bekommen, ob man nicht beim Konstruieren behilflich sein könne. „Da mussten wir bislang passen“, so Beyer. Daher habe man sich auf die Suche nach einem Unternehmen begeben, mit dem sich das Angebotsspektrum erweitern lässt.

Erster Kontakt
im Februar 2019

Den Kontakt zwischen Prokutec und Kluger stellte eine Unternehmensberatung im Februar 2019 her, „fast wie bei einem Heiratsvermittler“, sagt Beyer. Kluger wollte mit dem Ruhestand vor Augen die Firma in gute Hände übergeben, Prokutec fand den gewünschten Partner. „Wir haben sofort gemerkt, dass es zwischen uns passt“, bestätigen Beyer und Kluger unisono. Da die Zahlen stimmten und man sich beim Kaufpreis zügig einig wurde, war bald absehbar, dass die Übernahme klappen würde – sozusagen eine Hochzeit ohne Hindernisse. „Per Handschlag haben wir es Anfang Dezember besiegelt, offiziell gehört Kluger seit dem 2. Januar 2020 zu Prokutec“, so Beyer. Beide Firmen bleiben rechtlich selbstständig an ihren jeweiligen Standorten, die erhalten bleiben sollen, und führen ihre eigenständigen Geschäftsbeziehungen fort.

„Kann mich ganz der
Technik widmen“

Um die strukturelle Eingliederung zu verdeutlichen und die gemeinsame Arbeit an Projekten zu bündeln, wurde die neue Kluger-Prokutec Sondermaschinenbau GmbH mit Sitz in Mühldorf gegründet. Zweiter Geschäftsführer neben Beyer ist Christoph König. Der 30-Jährige aus Oberneukirchen ist als BWL-Experte der Mann für die Zahlen. Für Kluger, der noch zwei Jahre lang im Unternehmen tätig sein wird, ist der neue Kollege gewissermaßen ein Geschenk. „Ich freue mich, dass ich den Bereich Verwaltung und Organisation nicht mehr selbst übernehmen muss und mich ganz der Technik widmen kann“, so der 63-Jährige.

König wiederum ist froh, mit Kluger einen erfahrenen Mann an seiner Seite zu haben, der den Betrieb wie kein Zweiter kennt. „Er hat etwas Großartiges aufgebaut, die Firma ist durchweg stark aufgestellt.“ In Zukunft wolle man die Dienstleistungen im Bereich Automation ausbauen und auch das Thema 3D-Druck angehen. „Hier sehen wir großes Potenzial“, sagt König.

Besonderes Augenmerk wolle man auf exportstarke Unternehmen in der Region legen, die in ihren Branchen zu den Weltmarktführern gehören, ergänzt Beyer. „Wir können dadurch an deren Erfolgen im Außenhandel teilhaben.“ Eine wichtige Rolle soll dabei Josef Kluger zukommen. „Er ist unser Mann für die Betreuung von Schlüsselkunden und großen Projekten“, sagt Beyer. Vor dem Rückzug ins Privatleben gibt es für Kluger also noch genug zu tun.

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