Danone gibt Werk in Rosenheim auf

von Redaktion

Rund 160 Mitarbeiter verlieren Job – OB Bauer: „Herber Schlag für die ganze Region“

Rosenheim – Paukenschlag in der heimischen Wirtschaft: Die Danone GmbH mit Sitz in Haar bei München hat angekündigt, ihr Werk in Rosenheim zum 31. Juli 2021 zu schließen. Als Grund führt das Unternehmen einen Rückgang der Auslastung um rund 70 Prozent in den vergangenen zehn Jahren an. Auch die Notwendigkeit, sich an die sich rasant verändernden Verbrauchertrends anzupassen, habe bei dem Schritt eine wesentliche Rolle gespielt. Von der Schließung betroffen sind rund 160 Mitarbeiter.

„Die Entscheidung zur Schließung des Werks war ein schwieriger Schritt, gerade weil sich die Mitarbeiter in Rosenheim in den letzten Jahren durch ein hohes Maß an Engagement ausgezeichnet haben“, sagte Richard Trechman, Geschäftsführer der Danone GmbH. Man wolle zusammen mit dem Betriebsrat einen fairen Sozialplan entwickeln und die Mitarbeiter dabei unterstützen, eine neue Beschäftigung zu finden. „Für diejenigen, die mobil sind, prüfen wir die Möglichkeiten, in eines unserer anderen Werke zu wechseln, oder aber wir helfen bei Bewerbungen bei Unternehmen innerhalb der Region“, ergänzte Trechman.

Mitarbeiter vom Schritt überrascht

Für die Mitarbeiter kam die Entscheidung offenbar aus heiterem Himmel. Zwar habe man sich angesichts der immer weiter sinkenden Auslastung und ausbleibender Investitionen Sorgen gemacht, sagte ein Danone-Beschäftigter im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Die Geschäftsleitung habe bei Betriebsversammlungen wiederholt gesagt, der Standort sei nicht gefährdet. „Das war auch noch im vergangenen Herbst der Fall“, so der Mitarbeiter. Insofern habe man die Hoffnung gehabt, „dass es noch ein paar Jahre weitergeht“.

Tatsächlich habe man bis zuletzt versucht, dem Standort Rosenheim eine Zukunft zu ermöglichen, so Nadir Hamidou, Director Operations bei der Danone GmbH. „Wir haben verschiedene Projekte durchgerechnet, sind aber bei jedem zum Schluss gekommen, dass es wirtschaftlich nicht tragfähig wäre.“ Die nötigen Volumen im Markt wären nach seinen Angaben bei keinem Szenario erreichbar gewesen, da der Standort Rosenheim auf traditionelle Produkte, also Joghurt- und Quarkerzeugnisse, ausgerichtet sei. „Diese werden im Markt nicht mehr so angenommen wie früher“, sagte Hamidou. Eine komplette Neuausrichtung des Standorts kam seinen Worten nach angesichts des enormen Investitionsbedarfs nicht in Frage.

Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan sollen zügig aufgenommen werden, sagte Personalchefin Tanja Neuser. Man wolle mit den Arbeitnehmervertretern auch über die Gründung einer Transfergesellschaft sprechen. „Wir arbeiten mit dem Betriebsrat vertrauensvoll zusammen, und in diesem Sinne werden wir auch die Gespräche führen“, so Neuser.

Milchbauern soll
auch geholfen werden

Das Unternehmen kündigte außerdem an, die Milchbauern, die das Werk in Rosenheim beliefern, bei der Suche nach neuen Abnehmern zu unterstützen. Während der Übergangszeit werde man wie bisher eng mit der Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling zusammenarbeiten. „Bei Bedarf werden wir spezielle Beratungsleistungen anbieten, um den reibungslosen Übergang zu einer neuen Molkerei zu ermöglichen“, so Danone-Deutschland-Geschäftsführer Trechman.

Bei der Milcherzeugergemeinschaft hat man die Nachricht von der bevorstehenden Schließung einigermaßen gefasst aufgenommen. Geschäftsführerin Katharina Zuckriegel verwies auf den aktuellen Milchkaufvertrag, der bis zum 30. Juni 2021 läuft. „Es ist aber schon bedauerlich, dass Danone den Standort in Rosenheim schließen wird. Das Unternehmen hat für die Milch immer einen guten Preis bezahlt“, so Zuckriegel. Für die rund 220 Lieferanten-Mitgliedsbetriebe in der Region werde man verschiedene Optionen prüfen.

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) bezeichnete die bevorstehende Schließung des Danone-Werks als „herben Schlag für die ganze Region“. Die Stadt verliere „ein Unternehmen, das zu den tragenden Säulen unseres Produktions- und Industriestandortes gezählt hat“. Immerhin sei der regionale Arbeitsmarkt in robuster Verfassung, was Chancen für die Danone-Fachkräfte eröffne. Mit Blick auf die älteren Beschäftigten erwarte sie, dass ein „vernünftiger“ Sozialplan ausgearbeitet werde. Noch zu klären sei, so Bauer, „inwieweit es notwendig sein wird, auf den Wegfall eines starken und verlässlichen Gewerbesteuerzahlers mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu reagieren“.

Eine Frage mit langfristigem Charakter ist, was mit dem Firmengelände an der Schönfeldstraße geschieht. Danone kündigte diesbezüglich an, man wolle mit der Stadt Rosenheim „in einen konstruktiven Dialog über die Zukunft des Werkgrundstücks eintreten“.

Das Gervais-Danone-Werk in Rosenheim

Die Gervais AG Köln erwarb 1930 eine verschuldete Genossenschaftsmolkerei in Rosenheim und wandelte sie zur Produktionsstätte für Gervais-Käse um. In Spitzenzeiten betrug die Milchanlieferung über 100000 Liter pro Tag. 1967 fusionierten die Firmen Gervais und Danone, seit 1996 heißt das Unternehmen hierzulande Danone GmbH. Im Werk in Rosenheim wurde unter anderem der berühmte „Obstgarten“ hergestellt, der 1973 auf den Markt kam.

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