Obstbrenner sehen sich bevormundet

von Redaktion

Generalversammlung in Irschenberg – Volksbegehren zum Artenschutz sorgt für Frust

Irschenberg – Die heimischen Streuobstwiesen kennzeichnen durch ihre Blütenpracht im Frühjahr und mit ihren Früchten im Herbst das Landschaftsbild in den traditionsreichen Obstanbaugebieten. Um die Bewirtschaftung und Vermarktung ihrer hochwertigen und naturbelassenen Produkte in fester und flüssiger Form unter den Aspekten „Natürliche Einzigartigkeit“, „Regionaler Genuss“ oder „Besonderes Geschmackserlebnis pur“ bemühen sich Obst-bauern und das seit vielen Generationen. Im Trachtenheim in Irschenberg kamen kürzlich die südostbayerischen Obst- und Kleinbrenner zur Generalversammlung zusammen.

Begrüßen konnte der Verbandsvorsitzende Andreas Franzl neben seinen Vorstandsmitgliedern und etwa 200 anwesenden Brennern die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner (Rosenheim Ost) und Klaus Steiner (Traunstein), Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak, die Bürgermeister Anton Wallner aus Bad Feilnbach sowie Klaus Meixner aus Irschenberg, der sozusagen Hausherr der Veranstaltung war. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) war als Hauptredner des Nachmittags vorgesehen, erteilte jedoch kurzfristig dem aktuell 582 Mitglieder zählenden Verband eine Absage. Die Rolle als Referent übernahm dafür Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Obstbauern sprechen
von Enteignung

Zentrales Thema war die Umsetzung des Volksbegehrens aus dem Sommer letzten Jahres und dessen Auswirkungen auf die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen, das sich als bunter Faden durch die Versammlung zog und auch die Gemüter der Anwesenden erregte. Durch die geplante Reglementierung sehen sich Obstbauern bevormundet, daher kritisierten sie in den Diskussionen die Vorgaben als „schleichende Enteignung“. Einige von ihnen haben bereits Streuobstwiesen aus Protest gerodet. Verbandschef Franzl erachtete die Vorgehensweise zwar etwas überzogen, zeigte aber auch ein gewisses Maß an Verständnis für die „Trotzreaktion“, wie er sagte. Schließlich hätten die Bauernfamilien Landschaften mit Biotopcharakter geschaffen, in denen sich Menschen und Tiere, insbesondere auch Insekten wie Bienen und andere zu schützende Arten, wohlfühlen dürfen.

Den Wert heimischer Streuobstwiesen immer wieder in Erinnerung rufen und die traditionelle Bewirtschaftung erhalten, appellierte Jakob Opperer in seinen Ausführungen. Wichtig sei dafür „Biodiversität“ als Vielfalt des Lebens und der Ökosysteme in Bezug auf Arten und Gene sowie mit Blick auf den Erhalt der wichtigen und unverzichtbaren Streuobstwiesen.

Wie der Referent weiter mahnte, dürfe das Umweltministerium nicht alleine in Bezug auf die Umsetzung des Volksbegehrens über die Unterschutzstellung von Streuobstwiesen und extensivem Grünland die Kriterien festlegen. Derzeit werde darüber diskutiert und nachgedacht, ob die Dichte nicht mehr als 100 Bäume pro Hektar betragen dürfe und mindestens 75 Prozent des Bestandes einen Kronenansatz in 180 Zentimetern oder 160 Zentimetern Höhe aufweisen solle.

Dem Bericht des Vorsitzenden Andreas Franzl zur Folge ist der Verband noch gut aufgestellt und konnte sogar einen Zuwachs an Mitgliedern in den vergangenen Monaten verzeichnen. Die novellierte Regelung der Vergabe der Brennrechte habe sogar eine Verbreiterung für Gebietsfremde, darunter auch aus Sachsen, Franken und Niederbayern, aus allen Schichten bewirkt.

Öffentlichkeitsarbeit
soll verstärkt werden

Geplant für 2020 sind weiterhin Kurse, etwa zur Ausbildung von Brennern, Meistern und Sommeliers. Forciert werde auch die Öffentlichkeitsarbeit zur Positionierung des regionalen, naturnahen und wertigen Produkts „Obstbrand“ mit kundenträchtigen Ausstellungen, Messen und Festen. Gefestigt werden soll die intensive Zusammenarbeit mit dem Verein der Bayerischen Edelbrandsommeliers. Weiter verfolgen will der Verband die Erhöhung des Brennkontingents von derzeit 300 auf 500 Liter Obstbrand.

Großes Interesse zeigten 50 Brenner an der bevorstehenden bayerischen Obstbrandprämierung, wie Mathias Krönert, Fachberater für Brennereiwesen an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, in seinen Ausführungen betonte. Auf reges Interesse der anwesenden Brenner stieß der Referent in seiner Präsentation zur Neukonzeption einer Destillatflasche bezogen auf „Bayerische Edelbrände“.

In seinen Schlussworten dankte Franzl seinen Verbandsmitgliedern und besonders der Zweiten Vorsitzenden Brigitte Schauer, der Geschäftsführerin Andrea Westenthanner sowie Kassenführer Christian Stocker für deren Arbeit. Zugleich kündigte er an, im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt des Ersten Vorsitzenden des Verbands der südostbayerischen Obst- und Kleinbrenner zu kandidieren.

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