Rosenheim/Mühldorf –„Wir halten den Ball flach“, sagt Harald Mandl, Notfallmanager der Firma Recipharm in Wasserburg. Er wolle die aktuelle Situation mit der Verbreitung des Coronavirus nicht herunterspielen, aber von der Panikmache mancher Medienberichte halte er nichts. Da Mandl unter anderem für die Arbeitssicherheit zuständig ist, kennt er sich mit den Vorkehrungen in Sachen Corona aus. Vor allem in Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern gilt es jetzt die Hygienestandards und Maßnahmen einzuhalten, um einer schnellen Ausbreitung des Virus vorzubeugen.
Mitarbeiter
„seriös“ informieren
Recipharm stellt sterile Reinlösungen für Arzneimittel her, welche ohnehin unter den höchsten hygienischen Anforderungen verarbeitet werden, so Mandl. Daher sei es nicht ungewöhnlich, wenn Mitarbeiter in Sicherheitskleidung und mit Mundschutz zu sehen sind. Zudem gebe es einen sogenannten internationalen Notfallplan für genau solche Situationen wie der Ausbruch einer Pandemie. „Der ist aber noch nicht aktiviert worden“, berichtet Mandl.
Recipharm setze zudem auf eine „transparente und seriöse“ Aufklärung der Mitarbeiter: So laufe in einigen Aufenthaltsräumen ein Infovideo des Robert-Koch-Instituts in Dauerschleife. Außerdem müssen Mitarbeiter, die kürzlich erkrankt waren, einen Fragebogen ausfüllen. Anhand der Angaben entscheide man dann, ob ein Termin bei einem Betriebsarzt erforderlich ist oder nicht. „Wir versuchen beim Coronavirus eher deeskalierend vorzugehen“, resümiert Mandl. Beeinträchtigungen im Gesamtgeschäft habe es bislang nicht gegeben.
Das Robert-Koch-Institut hat ein Informationsschreiben mit Sicherheits- und Hygienemaßnahmen, die Verbeitung des Virus mindern sollen, herausgegeben. Daran hält sich auch der Kunststoffhersteller RKW in Wasserburg. Dort dürfen Mitarbeiter im Home Office arbeiten, sollte sich die Situation weiter verschärfen. „Bis jetzt hat es aber noch niemand eingefordert“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Die Produktion laufe bislang reibungslos – auch im Ausland. Auch beim Mühldorfer Elektrobauer Odu läuft die Produktion wie gewohnt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien aber schwer abschätzbar, so eine Sprecherin.
Die Rosenheimer Firma Schattdecor, die Dekore für Möbeloberflächen herstellt, hat insgesamt vier Standorte in China: einen in Shanghai, zwei in Quzhou (Provinz Zhejiang) und einen in Huanggang in der Provinz Hubei. Letztere war besonders stark vom Coronavirus betroffen. Bis auf den Standort in Huanggang haben mittlerweile alle Werke die Produktion aber wieder aufgenommen, teilte der Vorstandsvorsitzende Roland Bauer schriftlich gegenüber unserer Zeitung mit. Aktuell käme es zu keinen Beeinträchtigungen im Gesamtgeschäft der Firma.
Keine Reisen
in Risikogebiete
Auslandsreisen nach China und in andere Risikogebiete sind allerdings bis auf weiteres untersagt, für das Unternehmen relevante Messen wie beispielsweise die Mailänder Möbelmesse verschoben.
Die aktuelle Nachrichtenlage rund um das Corona-Virus hat auch das Internationale Fensterinstitut (Ift) Rosenheim stets im Blick: „Wir halten uns streng an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und haben alle Geschäftsreisen in Risikogebiete abgesagt“, berichtet Jürgen Benitz-Wildenburg, Pressesprecher der Rosenheimer Firma. Die Koordination mit den ausländischen Geschäftspartnern erfolge derzeit nur telefonisch oder per E-Mail. Da Home Office ein bereits praktiziertes Arbeitsmodell ist, können die Ift-Mitarbeiter problemlos von zu Hause aus arbeiten. Die im März geplante Messe für Fensterbau in Nürnberg, bei der auch das Ift vertreten wäre, ist aufgrund des Coronavirus verschoben worden. „Bislang sind unsere ausländischen Partner in China aber auch nicht vom Coronavirus betroffen“, so Benitz-Wildenburg.
Beim Siegsdorfer Maschinenbauer Brückner Group läuft die Produktion in der chinesischen Niederlassung wieder. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelten die örtlichen Vorschriften, Reisen in die chinesischen Risikogebiete sind bis auf weiteres untersagt“, teilt Stefan Neumann, kaufmännischer Geschäftsführer, mit. Statt dessen werden verstärkt Video- und Telefonkonferenzen genutzt.
Gesundheit der
Mitarbeiter im Fokus
„Die Situation wird sehr genau beobachtet, bei allen Überlegungen stehen das Wohl und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit im Mittelpunkt“, so Neumann. Die für das Unternehmen wichtige Messe Chinaplast in Shanghai sei vom Veranstalter von April auf August verschoben worden. Heimkehrer aus China gebe es derzeit nicht. Kollegen und Besucher aus anderen Risikogebieten wie Südkorea, Italien oder Japan dürfen, – sofern sie nicht krank sind oder Symptome aufweisen – wie gewohnt im Büro arbeiten. So empfehlen es auch die Behörden.
Auch bei Carl Zeiss Optotechnik in Neubeuern achtet man auf eine transparente Informationsstruktur gegenüber den Mitarbeitern. In China arbeiten jedoch einige Mitarbeiter zur Corona-Prävention im Home Office, teilte Pressesprecher Jörg Nitschke mit. In der dortigen Fertigungen tragen die Angestellten Masken. Auf deren Gesundheitszustand werde gesondert geachtet.